22.04.2020 - 18:50 Uhr
AmbergOberpfalz

OTH-Student drehte Film über fair produzierte Mode in Indien

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Ein OTH-Student macht sich auf die Suche nach Geschichten, die Hoffnung wecken. Der Weg führt ihn nach Indien. Zu Bio-Baumwollfarmen, Webereien und Nähereien. Zurück kommt er mit einem Film, der zeigt, was fair produzierte Mode verändert.

von Miriam Wittich Kontakt Profil

Schon Mitte 2018 hatte Jonathan Ziegler die Idee: Er will einen Film über fair produzierte Mode drehen. Der Nürnberger studiert Medientechnik an der OTH in Amberg, nebenbei arbeitet er selbstständig als Filmemacher, macht bisher vor allem Werbefilme. Für seine Masterarbeit wagt er sich dann an dieses ganz andere Projekt: ein Dokumentarfilm.

Mit Crowdfunding sammelt er im vergangenen Sommer Geld für die Umsetzung: „Ich war platt, was da alles zusammengekommen ist.“ Rund 3600 Euro spenden seine Unterstützer, das deckt rund zwei Drittel der Kosten. Den Rest steuern Studentenwerk, das Bayerisch-Indische Zentrum für Wirtschaft und Hochschulen sowie die Stadt Amberg bei. Im September kann es dann losgehen.

Von der Idee bis zum Beginn der Dreharbeiten:

Amberg

Noch in Deutschland spricht Jonathan Ziegler mit einem Experten der Christlichen Initiative Romero über die Arbeitsbedingungen in der Modeindustrie. Er dreht außerdem mit Bernd Claude Hausmann, der vor rund 14 Jahren mit „Glore“ den ersten Modeladen für faire Kleidung in Nürnberg eröffnete. Weiter geht es zu „Eyd“ nach Stuttgart. Ein Label, das seine Ware in einer Nähwerkstatt in Indien fertigen lässt, in der Frauen beschäftigt und ausgebildet werden, die aus Zwangsprostitution befreit wurden: Zieglers nächster Drehort.

Zwei Wochen Dreh in Indien

Im Oktober geht der Flieger nach Mumbai. In Begleitung seiner Freundin Sarah Dorner verbringt der OTH-Student dort gut zwei Wochen. „Es ist immer mehr zu unserem gemeinsamen Filmprojekt geworden“, erzählt der 27-Jährige. Er kümmert sich vorrangig um Kamera und Ton, seine Partnerin führt die Interviews – und schreibt selbst zwei Songs für den Film. Die beiden lassen ihre Reiseerlebnisse einfließen, filmen auch im Taxi, im Zug, saugen das Leben in Mumbai auf. Was sie für den Dreh brauchen, ist in zwei Rucksäcken im Handgepäck verstaut. „Mit der heutigen Technik ist das gut machbar“, erklärt Ziegler. „Viel Licht konnten wir natürlich nicht mitnehmen. Da muss man sich schon limitieren.“

Der Trailer zu Jonathan Zieglers Dokumentarfilm "Tausche T-Shirt gegen Hoffnung"

Sein Professor an der OTH gibt ihm wertvolle Tipps, lässt dem Studenten aber viele Freiheiten. „Es war spannend, sich auf einen Dreh im Ausland vorzubereiten“, blickt Ziegler zurück. „Man versucht, das so gut es geht aus der Ferne zu planen. Aber eigentlich hat man keine Ahnung, was einen vor Ort erwartet.“ Noch von zu Hause kann der Nürnberger Kontakt zum Nachhaltigkeitsmanager einer weiteren, größeren Näherei in Indien knüpfen. Zufällig ein Deutscher. „Das war super. Durch ihn konnten wir in Indien schließlich bis an den Anfang der Textilkette reisen.“ Zu einem Bio-Baumwollfarmer in einem kleinen Dorf.

„Wir haben auch gesehen, wie Garn gesponnen und Stoff gewebt wird.“ Ziegler und Dorner dürfen mit den Mitarbeitern Mittag essen und sich mit ihrer Kamera frei bewegen.

Hoffnung gefunden

„Die Suche nach Hoffnung hat uns auf der Reise angetrieben. Und die haben wir auch gefunden“, resümiert Ziegler. „Es ist nicht immer so schwarz oder weiß, wie man sich das vielleicht wünscht, aber bei den Projekten, die wir ausgewählt und besucht haben, sieht man ganz deutlich, dass sich Dinge in die richtige Richtung bewegen. Und was es für die Menschen bedeutet, bei Unternehmen angestellt zu sein, die für ihre Mitarbeiter und die Natur Verantwortung übernehmen.“

Zur Homepage von Jonathan Zieglers Projekt "Tausche T-Shirt gegen Hoffnung"

Auf ihrer Reise lernen die beiden Nürnberger viel über die Textilproduktion. „Meine Mama ist Schneidermeisterin, ich weiß, dass viel Arbeit in einem Kleidungsstück steckt“, erzählt Ziegler. „Aber jetzt hab ich gesehen, wie viele Arbeitsschritte tatsächlich vom Baumwollfeld bis in den Kleiderschrank nötig sind.“

21 Stunden Filmmaterial bringen Ziegler und Dorner schließlich aus Indien mit nach Hause. Nach monatelanger Materialsichtung, Konzeptionierung und Schnitt ist der Dokumentarfilm nun fertig, 49 Minuten lang und am Freitagabend um 20.15 Uhr in einem Livestream zu sehen: „Tausche T-Shirt gegen Hoffnung“.

Film-Premiere live im Internet:

Eigentlich wollte Jonathan Ziegler seine Unterstützer einladen und den Film bei einer Premiere zeigen. Gemeinsam im großen Kreis sollte „Tausche T-Shirt gegen Hoffnung“ erstmals zu sehen sein. Doch daraus wird nichts. Die Coronapandemie macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Mit seiner Freundin Sarah Dorner hat er sich aber etwas einfallen lassen. „Stattdessen zeigen wir den Film am Freitag, 24. April, um 20.15 Uhr per Livestream. Zur Primetime quasi“, erzählt der junge Filmemacher. „Ich bin ich jetzt schon super aufgeregt.“ Der Link dazu findet sich auf der Homepage des Projektes. Aber eben nur zu diesem bestimmten Termin, danach ist der Dokumentarfilm nicht mehr frei verfügbar.

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