03.09.2018 - 08:57 Uhr
AmbergOberpfalz

OTH-Studenten sammeln für Abschlussfilm

In dem Film geht es um die Erlebnisse des Soldaten Kilian: Wie der Zuschauer dessen Geschichte versteht, bleibt allein ihm überlassen. Drei OTH-Studenten testen in ihrem Abschlussprojekt Neues, was Erzählweise und Finanzierung betrifft.

Die OTH-Studenten Sebastian Neumaier (von links), Raphael Gruber und David Holzinger gehen einen innovativen Weg in der Filmbranche: Ihr etwa zwölfminütiges Werk lässt sich auf zwei verschiedene Arten verstehen und interpretieren.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

"S.E.R.E.- Survival, Evasion, Resistance, Escape" heißt der Kurzfilm, mit dem die drei Studenten Sebastian Neumaier (26), Raphael Gruber (22) und David Holzinger (22) ihren Bachelorstudiengang Medienproduktion und -technik an der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) beenden wollen. Dafür suchen die drei jungen Leute noch bis zum 10. September Menschen, die bereit sind, Geld für die Umsetzung zu spenden. Bei der Online-Plattform Startnext haben sie ein Crowdfunding gestartet, um in einem ersten Schritt 2000 Euro in der Netzgemeinde zu sammeln. Etwas über 1000 Euro haben sie schon zusammen. Insgesamt schätzen sie ihren Aufwand auf 21 000 Euro.

Flashbacks durch Reize

Warum man das tun sollte, darauf haben die drei Studenten gleich eine Antwort parat: "Es wird ein cooler Film, der eine sehr individuelle Geschichte erzählt", sagt Neumaier, der für das Drehbuch und die Regie zuständig ist. "Der Film wirft Licht auf ein Thema, das überall auf der Welt aktuell ist. Doch kaum jemand spricht darüber." Es geht um den ehemaligen Soldaten Kilian, der mit seiner Familie den Urlaub am Strand verbringt. Äußerliche Reize führen dazu, dass Kilian Flashbacks hat, die ihn in seine Gefangenschaft in Afghanistan zurückwerfen.

 

Oder ist es die Geschichte des Soldaten Kilian, der in Afghanistan als Geisel genommen wurde und gefoltert wird? Um dem Gräuel zu widerstehen, flüchtet er sich dort in einen traumähnlichen Trancezustand. Darin sieht er sich mit der Familie am Meer - doch die schöne Welt bekommt Risse, als er gefoltert wird.

"Das Besondere an unserem Film sind die zwei Interpretationsaussagen, die beim Zuschauer möglich sind", erklärt Raphael Gruber, der sich um die Produktion kümmert. "Der eine sieht das Training, der andere interpretiert die Szenen als Flashbacks." Daher rührt auch der Titel des Films: Bei einem SERE-Training lernen Soldaten, sich auf eine mögliche Kriegsgefangenschaft vorzubereiten bzw. sie zu vermeiden.

Es ist ein schweres Thema, dem sich die drei Studenten angenommen haben. Die Idee dazu kam von Neumaier, der sich im Urlaub am Nordseestrand Gedanken machte, als er kleine Kinder beobachtete, wie sie sich gegenseitig die Füße im Sand einbuddelten. "Ich fragte mich: Was ist, wenn die Flut kommt? Es hat mich an die Foltermethode Waterboarding erinnert. Was geschieht mit Soldaten, die das wirklich erlebt haben?" So recherchierte Neumaier und stieß auch auf S.E.R.E. - ein Trainingsprogramm, das vor allem die USA intensiviert haben.

Zwölf Minuten in Cannes?

Der viertägige Dreh der Studenten soll am 13. September starten. Drehorte sind unter anderem ein Weltkriegsbunker in Regensburg und eine Strandkulisse in Mecklenburg-Vorpommern. Über eine Castingagentur haben sie den Schauspieler Louit Lippstreu, der den Kilian mimen soll, gefunden. "Es ist ein straffer Zeitplan", weiß David Holzinger, der für die Kamera und den Schnitt verantwortlich ist. Läuft alles nach Plan, wollen die drei im Dezember fertig sein. Danach soll der etwa zwölf Minuten lange Film der bereiten Masse bei Filmfestivals vorgestellt werden. "Vielleicht auch bei den ganz Großen in Cannes oder Venedig", sagt Gruber mit einem Grinsen.

https://www.startnext.com/sere-kurzfilm

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