09.05.2019 - 20:20 Uhr
AmbergOberpfalz

Plädoyers im Prügler-Prozess: Keine Bewährung für 18-Jährigen

Die Strafanträge im Prügler-Prozess sind gestellt. Sie entsprechen einer zwischen Richtern, Staatsanwaltschaft und Verteidigern getroffenen Abmachung. Es sieht danach aus, als ob nur einer der Asylbewerber eine Strafe ohne Bewährung erhält.

Als die Angeklagten beim Prozessauftakt in den Gerichtssaal einziehen, verdecken sie ihre Gesichter.
von Autor HWOProfil

Eigentlich hätten die Plädoyers an diesem vierten Verfahrenstag viel früher stattfinden können. Doch weil es die Genauigkeit erforderte, wurden erst noch zwei aus arabischen Ländern stammende junge Männer vernommen, die zu einer in Regensburg begangenen üblen Straftat des Hauptangeklagten etwas sagen hätten sollen.

Flaschenhals als Waffe

Sie logen, dass sich die Balken bogen. Da wurde deutlich, dass die Justiz eigentlich ganz anders mit Zeugen umgehen sollte, die plötzlich "keine Aussage mehr machen wollen" oder wie aus heiterem Himmel etwas ganz anderes erlebten, als der im Gesamtverfahren hauptbeschuldigte 18-Jährige mit einem abgebrochenen Flaschenhals zustach.

Früher wurden solche Lügner von der Polizei auf Anordnung der Staatsanwaltschaft abgeführt. Jetzt hat man ihnen zweistündig erklärt, dass in Deutschland die Wahrheit zu sagen sei. Dann konnten sie ungeahndet gehen. Weil der Hauptangeklagte aus dem Iran nämlich plötzlich erklären ließ, er sei nun doch am Tatort in Regensburg gewesen und habe (diese Formulierung wurde so gebraucht) seinen "brüderlichen Freund" übel zugerichtet.

Bericht über den Prozessauftakt

Amberg

Oft zugedröhnt

Der 18-Jährige stand im besonderen Fokus von Staatsanwältin Jennifer Jäger. Ein unbeherrschter Gewalttäter, mehrfach vor den Amberger Geschehnissen vom 29. Dezember vorgeahndet und wegen seiner psychischen Verfassung offenbar eine Zeitbombe auf zwei Beinen. Besonders dann, wenn er sich mit Alkohol und Rauschgift zugedröhnt hat.

Für ihn verlangte die Anklagevertreterin, eingedenk der Regensburger Übergriffe, zwei Jahre und neun Monate Haft. Doch das hat eigentlich nur Papierwert. Denn parallel dazu soll der Iraner in eine geschlossene Drogen- und Alkoholtherapie. Wird sie verhängt, müsste der deutsche Steuerzahler die Kosten tragen.

Jennifer Jäger zeichnete in ihrem Schlussvortrag die gewalttätige Orgie in der Stadt Amberg nach, listete zahlreiche Verletzte auf, nannte Geschädigte und genaue Tatorte. Dann allerdings folgte die Erklärung: Zu verhängende Jugendstrafen gegen die drei afghanischen und den iranischen Staatsangehörigen müssten vom erzieherischen Gedanken getragen sein. Wörtlich anschließend: "Es darf keine Rolle spielen, was da die Öffentlichkeit erwartet."

Schon alles abgemacht

Die drei Männer aus Afghanistan sollen Bewährungshaftstrafen von 18, acht und sechs Monaten erhalten. Die Strafanträge deckten sich nahezu mit den Plädoyers der Verteidiger Jürgen Mühl, Andreas Lösche, Selina Moser und Jörg Jendricke. Sie fassten sich kurz - denn eigentlich war ja vorher schon alles abgemacht worden. Die Urteile werden am Freitag, 10. Mai, verkündet.

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