23.04.2019 - 16:40 Uhr
AmbergOberpfalz

Prügel-Attacke in Amberg: Angeklagte legen Geständnisse vor Gericht ab

Begleitet von Medienrummel hat am Dienstagmorgen in Amberg der Prozess gegen vier junge Asylbewerber begonnen, die zwei Tage vor Silvester wahllos auf Passanten losgegangen sind.

von Michael Zeissner Kontakt Profil

Viel deutete abermals auf dicke und laute Schlagzeilen hin. Es sollte anders kommen. Keine Stunde nach der Eröffnung der Hauptverhandlung gegen drei junge afghanische und einen iranischen Flüchtling im Alter zwischen 17 und 19 Jahren wurde am Dienstag auf Anregung des Gerichts das Verfahren zu einem Rechtsgespräch der Prozessbeteiligten unterbrochen. Und eine weitere Stunde später stand fest, es gibt eine Einigung: Geständnis gegen Schuldsprüche und Bewährungsstrafen zwischen sechs Monaten auf Bewährung und bis zu dreieinhalb Jahren Haft.

Damit hat der eigentliche Durchbruch in diesem Strafprozess, der die schlagzeilenträchtigen Vorfälle rund um den Amberger Bahnhof und in der angrenzenden Altstadt vom 29. Dezember aufarbeitet, bereits stattgefunden. Völlig unspektakulär. Nachdem das Jugendschöffengericht am Amtsgericht Amberg das Ergebnis des Rechtsgesprächs dargelegt hatte, wechselte es unverzüglich in den Modus der Verhandlungsroutine. Vorsitzender Peter Jung ist ein erfahrener Jugendrichter, für den körperlichen Auseinandersetzungen unter Jugendlichen und Heranwachsenden zum Berufsalltag gehören.

Und genau so geht er den Prozess an, für den sich fast ausschließlich Medienvertreter und kaum ein Amberger interessieren. Angeklagt sind Delikte der gefährlichen wie vorsätzlichen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Beleidigung. Begangen in wechselnder Täterkonstellation an jenem 29. Dezember zwischen 18.40 und kurz vor 21 Uhr. Die Ermittler haben die Geschehnisse, die kurzzeitig die Asyldebatte wieder angefeuert haben, am Ende in vier Tatkomplexe und 25 Einzelstraftaten aufgegliedert. Es gibt 25 Geschädigte, 15 davon werden in den Akten als Verletzte geführt.

Fast vier Monate später, die alle Angeklagten in U-Haft verbrachten, äußern sich die jungen Männer, die durchweg gut Deutsch sprechen und auch verstehen, erstmals zu den Vorwürfen. Allerdings nur über ihre Verteidiger und deren vorbereiteten Erklärungen. Das sind ihre Geständnisse, lassen die jungen Männer mitteilen und räumen pauschal die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft ein und entschuldigen sich. Jeniffer Jäger hat nicht nur die zugrunde liegenden Ermittlungen geführt, sie ist auch die Sitzungvertreterin der Staatsanwaltschaft in diesem Verfahren.

Am ersten Verhandlungstag hat sie nicht viel zu tun. Nach der rund halbstündigen Verlesung der Anklageschrift griff sie nur selten mit kurzen Fragen in den weiteren Prozessverlauf ein. Nach der Mittagspause wurden bereits erste Zeugen angehört. Polizeibeamte, die die vier jungen Flüchtlinge festnahmen, dabei auf Widerstand stießen und beleidigt wurden. Zuvor hatte das Gericht bereits gutachterlich eingeführt, dass bei den jungen Männern reichlich Alkohol und bei drei von ihnen auch Drogen mit im Spiel waren. Die Erlanger Rechtsmedizin attestierte gutachterlich „wahrscheinliche“ Blutalkoholkonzentrationen bei den Angeklagten zwischen 1,09 und 2,03 Promille.

Die Ermittlungsergebnisse der Polizei

Amberg

Sie selbst hatten über ihre Verteidiger keine genauen Angaben zu ihrem Alkoholkonsum an diesem Nachmittag bis in den Abend hinein gemacht. Womöglich auch nicht mehr machen können. Es war nur von mehreren Flaschen von Wodka, Whiskey und Bier die Rede, erworben am Bahnhofskiosk und in einem SB-Markt in der Nähe. Es wurde Geburtstag gefeiert. Eine verschworene Clique, die sich in Amberg getroffen hat, um Randale zu machen, sind die vier Angeklagten wohl nicht. Sie kannten sich flüchtig, ging aus den Geständnissen hervor. Einer von ihnen blieb sogar eher zufällig hier am Bahnhof hängen.

Dort hatte die erste Auseinandersetzung stattgefunden und das Gesamtgeschehen seinen Ausgangspunkt genommen. Die genauen Hintergründe dieser ersten Handgreiflichkeiten eines der Angeklagten mit einem Bahnsteigpassanten oder Bahnhofsbesucher müssen vom Gericht noch hinterfragt werden. Im Raum steht als Auslöser eine verbale Beleidigung. Auch wird noch zu klären sein, ob eine individuelle Konfliktkonstellation der Ausgangspunkt war, oder eine gruppenspezifische. Denn der Umstand, dass Delikte der gefährlichen Körperverletzung angeklagt sind, stützt sich auf das Tatmerkmal eines gemeinschaftlichen Handelns.

Themen-Dossier zu den Vorfällen: Eine Prügel-Attacke verändert Amberg

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Der Angeklagte aus dem Iran muss mit der schwerwiegendsten Verurteilung und ein einer Haftstrafe von mindestens zwei Jahren und zwei Monaten rechnen. Ein gegen ihn in Regensburg anhängiges Strafverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung wurde dem Prozess in Amberg angegliedert. Die Verhandlung geht am Dienstag, 7. Mai, weiter.

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