Update 27.06.2018 - 20:03 Uhr
AmbergOberpfalz

Von Populismus in der Pflege

Amberger Bunt hätte gerne einen Pflegestützpunkt in der Stadt. Aber die Gruppierung dringt damit im Stadtrat nicht durch - und bekommt noch einen heftigen Vorwurf mit auf den Weg.

Beim Flashmob „Pflege am Boden“ 2014 legten sich 35 Demonstranten symbolisch auf die Wiese im ehemaligen Landesgartenschaugelände. Der selbst gebaute Leuchtturm sollte auf den fehlenden Pflegestützpunkt in der Oberpfalz hinweisen.

(ll) Warum die Bunten den Antrag gestellt hatten, in Amberg einen Pflegestützpunkt zu errichten, erläuterte ihr Sprecher Josef Lorenz in der Sitzung am Montag: Die Vielfalt der Anbieter in diesem Bereich führe für die Betroffenen zu einer Unübersichtlichkeit, der man mit einer zentralen Anlaufstelle begegnen könne. Als besonders sinnvoll wertete er den Pflegestützpunkt vor dem Hintergrund, dass bald auch das Landesamt für Pflege seine Tätigkeit in der Stadt aufnehme.

"Das Landesamt hat mit einem Pflegestützpunkt gar nichts zu tun", hielt Bürgermeister Martin Preuß (CSU) dagegen. Auch inhaltlich konnte er dem Vorschlag nichts abgewinnen: "Wir sind schon über das Stadium hinweg, für das ein Pflegestützpunkt gedacht war." Zudem seien ab 2019 die Bezirke für Pflegestützpunkte zuständig und würden für ihre Planung erst den Bedarf klären. Sie wollten nämlich bestehende Strukturen flankieren - "keine Parallelstrukturen".

Dieses Argument hatte auch schon Sozialreferent Harald Knerer-Brütting vorgetragen, als er begründete, warum die Verwaltung zur Ablehnung des Bunten-Antrags riet. Außerdem sehe man keinen Bedarf für ein weiteres Angebot, da schon eine ausreichende Versorgungsstruktur bestehe. Man wolle keinen weiteren Anbieter, entgegnete Lorenz, "sondern eine zentrale Anlaufstelle, die alle Angebote bündelt und verteilt". Unterstützung fand er bei Bürgermeisterin Brigitte Netta (SPD). Sie befürworte das, weil auch der Verein der pflegenden Angehörigen um Kornelia Schmid hier Bedarf sehe.

Die Fachstelle für pflegende Angehörige leiste bereits, was Lorenz von einem Pflegestützpunkt erwarte, fand Barbara Lanzinger (CSU). "Wir sind hervorragend aufgestellt. Mit weiteren Akteuren wird nichts besser." Knerer-Brütting sah das ähnlich: "Ich erhöhe nur die Komplexität." OB Michael Cerny erkannte ebenfalls keinen Bedarf. Lorenz benennen ja kein Defizit; es sei allgemein anerkannt, dass in Amberg die Strukturen im Pflegebereich gut funktionierten. Auch Martin Preuß hatte bei Lorenz nicht herausgehört, welches Beratungsangebot denn noch fehlen würde: "Und wenn niemand sagen kann, wo da der Mehrwert steckt, dann sollten wir lieber die Finger davon lassen."

Das Gegenargument von Martin Seibert (SPD) zum Bunten-Antrag lautete: "Geld in der Pflege ist beim Fachpersonal gut aufgehoben, nicht bei zusätzlichem Verwaltungspersonal." Er warf Lorenz sogar vor, sein Antrag gehe "in Richtung Populismus", weil man das Thema in der Öffentlichkeit einfach gut verkaufen könne. Der Angesprochene - sichtlich getroffen - fand diese Aussage "ein bisschen unanständig". Insgesamt stimmten zum Schluss aber nur vier Stadträte nicht für die Abweisung des Bunten-Antrags.

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