20.05.2019 - 14:45 Uhr
AmbergOberpfalz

Prügel-Attacke: Neuer Prozess

Die juristische Aufarbeitung der Prügel-Attacke von Amberg ist noch nicht abgeschlossen. Einer der vier Angeklagten hat Berufung gegen das Urteil des Jugendschöffengerichts eingelegt.

Blick auf die Anklagebank am Tag der Urteilsverkündung. Einer der vier jungen Männer hat nun Berufung eingelegt.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Damit kommt es aller Voraussicht nach zu einem weiteren Prozess - diesmal vor der Jugendkammer des Amberger Landgerichts. Wie Amtsgerichtsdirektor Ludwig Stich am Montag auf Nachfrage erläuterte, haben drei der vier wegen einer Prügel-Tour beim Bahnhof angeklagten Asylbewerber bis Ablauf der Berufungsfrist am Freitag keine Rechtsmittel eingelegt. Die Urteile gegen sie haben damit Rechtskraft erlangt. Nicht einverstanden zeigte sich nun jener Angeklagte, der mit der geringsten Strafe davonkam: ein 18-jähriger Afghane, der zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt wurde. Es steht allerdings noch die Entscheidung aus, ob die Berufung angenommen wird.

Am 10. Mai sprach das Jugendschöffengericht die Urteile

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Möglicherweise steht der Schritt in Zusammenhang mit der beabsichtigten Abschiebung des 18-Jährigen. Der junge Mann war noch am Tag der Urteilsverkündung in Abschiebungshaft genommen worden. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann kündigte damals an: "Wir werden ihn so bald wie möglich direkt aus der Abschiebungshaft nach Afghanistan abschieben." Dem steht nun die Berufung entgegen. Der 18-Jährige hat natürlich die Möglichkeit, alle Rechtsmittel gegen das Urteil auszuschöpfen.

Der Angeklagte, der jetzt in Berufung geht, war erst in der zweiten Runde der Prügel-Tour, die am 29. Dezember vergangenen Jahres gegen 18.30 Uhr am Bahnhof begann, auf den Plan getreten. Er stieß laut Pressemitteilung des Amtsgerichts gegen 20.30 Uhr zu der Gruppe der Randalierer hinzu. Konkret wird ihm vorgeworfen, Passanten geschubst und zu Faustschlägen angesetzt zu haben. In der Bahnhofstraße soll er einen am Boden liegenden Geschädigten drei Mal mit dem Fuß getreten haben.

So geht es mit den anderen Verurteilten weiter: Der 18 Jahre alte Iraner, der als Haupttäter identifiziert wurde und gegen den das Gericht eine Haftstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten verhängt hat, muss diese nun erst einmal verbüßen. "Anschließend wollen wir alle Hebel in Bewegung setzen, um ihn unmittelbar aus der Haft in den Iran abzuschieben", teilte das Innenministerium unmittelbar nach der Urteilsverkündung mit. Ein gleichaltriger Afghane (acht Monate auf Bewährung) sollte nach dem Willen des Ministeriums sofort abgeschoben werden. Allerdings stand diesem Vorgehen bislang ein Abschiebeverbot des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) entgegen.

Der mittlerweile 20 Jahre alte Afghane, der zu einer Bewährungsstrafe von 13 Monaten verurteilt wurde, wird in Deutschland geduldet, da er Vater eines deutschen Kindes ist.

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