24.01.2021 - 15:19 Uhr
AmbergOberpfalz

"Querdenker" freuen sich über große Resonanz

Bisher waren die Demonstrationen der Corona-Leugner, der selbst ernannten Querdenker, in Amberg immer sehr überschaubar. Doch am Samstagabend feiern sie vor dem ACC aus ihrer Sicht einen großen Erfolg.

Selbst die Veranstalter waren vom großen Zuspruch überrascht, den die Demonstration vor dem ACC erfuhr.
von Gerd SpiesProfil

Es waren weit mehr als die 50 für den Autokorso um den Altstadtring genehmigten Autos, die sich am Samstagabend auf dem Parkplatz hinter dem ACC versammelt hatten. Es waren auch weit mehr als die 200 genehmigten Teilnehmer bei der anschließenden Kundgebung auf dem Platz vor dem ACC. Trotzdem blieb die von starker Polizeipräsenz begleitete Demonstration der "Querdenker" in Amberg friedlich.

Stellungnahme des Amberger Oberbürgermeister

Amberg

Um Deeskalation bemüht

Beide Seiten, sowohl die Polizei als auch "Querdenker"-Veranstalter Helmut Bauer, bemühten sich sehr, die Gefahr einer Eskalation erst gar nicht aufkommen zu lassen. "Unser polizeiliches Konzept ist auf Kommunikation und De-Eskalation ausgelegt", betonte Kriminalhauptkommissarin Meike Diettler, Sprecherin der Polizei. Deren Präsenz war enorm, neben Beamten aus dem Präsidium Oberpfalz und sogenannten Kommunikations-Beamten war eine ganze Einheit der Bereitschaftspolizei aus Nürnberg vor Ort. Mit mehr als 20 kurzfristig rekrutierten Ordnern versuchten die "Querdenker"-Organisatoren, die Vorgaben in punkto Maskenpflicht, Abstandsregeln etcetera einzuhalten.

Sehr überrascht zeigte sich Helmut Bauer, der Chef der "Querdenker" aus der nördlichen Oberpfalz und Haupt-Organisator, von der Resonanz dieser Veranstaltung in Amberg. "In Weiden waren es lediglich 17 Autos und etwa 50 Teilnehmer", erzählte er. "Ich möchte mich bei der Polizei, aber ganz besonders bei der Stadt Amberg und ihrem Oberbürgermeister bedanken, es waren bisher immer freundliche und kooperative Gespräche", lobte er die örtlichen Behörden. OB Cerny hatte sich ja auch schon im Vorfeld festgelegt: "Wir beweisen, dass Amberg das aushält!"

Fahrzeuge aus ganz Bayern

Nicht nur aus der Region und dem Norden der Oberpfalz, aus ganz Bayern kamen die Teilnehmer zu dieser Demonstration nach Amberg, wie die Autokennzeichen belegten. Es gab kaum Proteste, als die Polizei nach 50 Fahrzeugen die Ausfahrt aus dem Parkplatz sperrte, also nahezu ebenso viele Fahrzeuge nicht am Auto-Korso um die Altstadt teilnehmen konnten und im Parkplatz zurückbleiben mussten. Ein zu einer Bühne umgebauten Lkw diente für die anschließende Kundgebung als Plattform. Gemeinsam mit Hauptredner Karl Hilz, einem pensionierten Münchener Polizeihauptkommissar, organisieren die "Querdenker" seit Monaten diese Demonstrationen in ganz Bayern. Amberg ist die inzwischen 43. Station. Dabei werben die Veranstalter für Vereine wie "Bayern steht zusammen e. V." oder "Polizisten für Aufklärung".

Hauptredner der Kundgebung vor dem ACC war Karl Hilz, ein ehemaliger Polizeihauptkommissar aus München. "Lasst Euch nicht von der durchgeknallten Regierung vor ihren Karren spannen!" "Wir lassen nicht zu, dass hier eine DDR 2.0 aufgebaut wird!" "Wir brauchen keine Impfung!" "Der Ministerpräsident ist die größte Katastrophe, die Bayern heimgesucht hat!". Mit solchen Parolen hatte er die Zuhörer vor dem ACC auf seiner Seite.

Ohne Vorfälle beendete Helmut Bauer um 20.10 Uhr diese 43. "Querdenker"-Veranstaltung. Schon am Tag danach, am Sonntag, standen die Corona-Leugner wieder auf der provisorischen Bühne, dann in Landshut.

Auch aus Sicht der Amberger Polizei ging die Veranstaltung relativ reibungslos über die Bühne. So war die zulässige Teilnehmerzahl bereits vor Versammlungsbeginn erreicht und leicht überschritten, so dass der weitere Zustrom von Personen durch die Polizei unterbunden wurde. Insgesamt nahmen an der Versammlung laut Polizei circa 240 Personen teil. "Etwa 150 Personen mussten abgewiesen werden." Bereits ab 19.20 Uhr sei es jedoch zu Abwanderungen vieler Teilnehmer gekommen.

Das polizeiliche Konzept von Präsenz und Kommunikation habe ebenfalls seine gewünschte Wirkung gezeigt. Ein besonderes Augenmerk habe auf der Einhaltung der Auflagen des Versammlungsbescheids sowie der geltenden Hygiene- und Abstandsregeln gelegen. "Der Maskentragepflicht wurde nachgekommen."

Gänzlich störungsfrei verlief die Versammlung laut Polizeibericht jedoch nicht. Am Rande der Versammlung beleidigte ein abgewiesener Teilnehmer Polizeikräfte und wurde daraufhin festgenommen. Ferner wurde eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Pressegesetz erstattet, da Flyer nicht die erforderlichen Impressumsangaben aufwiesen.

Mehr Autos, als die Auflagen der Stadt erlaubten, wollten am Korso rund um die Altstadt teilnehmen.
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