06.03.2020 - 18:16 Uhr
AmbergOberpfalz

Rat aus dem Amberger Klinikum: Mit Rotznase zu Hause bleiben

Einen Appell an das Verantwortungsbewusstsein jedes einzelnen richten Ärzte zum Coronavirus am Freitag im Klinikum St. Marien an die Bevölkerung. Dort ist man für einen Ansturm gewappnet. Ein Katastrophenfall ist es trotzdem nicht.

Am Klinikum St. Marien fand am Freitagnachmittag wegen des Coronavirus eine Pressekonferenz statt. Mittlerweile gibt es drei bestätigte Fälle im Landkreis Amberg-Sulzbach.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Es herrscht Ausnahmesituation im Klinikum St. Marien in Amberg. Vor dem Hand-Desinfektionsgerät im Eingangsbereich stehen die Leute an. Keiner will Viren verbreiten und schon gar nicht das neuartige Coronavirus. Drei bestätigte Fälle gibt es jetzt im Landkreis Amberg-Sulzbach. Es handelt sich dabei um die dreiköpfige Familie aus Kümmersbruck. Das wurde bei der Pressekonferenz im Klinikum am Freitagnachmittag bekanntgegeben.

Den Betroffenen geht es soweit gut. Was jetzt folgt, ist die Ermittlung der Kontaktpersonen. "Eine Sisyphusarbeit", sagte Landrat Richard Reisinger bei der Pressekonferenz im Klinikum St. Marien am Freitag. Es ist der Versuch, die Kontrolle zu behalten sowie einen möglichen Anstieg der Infizierten einzukreisen. "Wir haben keinen Katastrophenfall", betonte der Landrat. Stattdessen gehe es darum, Präventionsmaßnahmen auszuloten.

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Zuvor fand deshalb ein runder Tisch statt. Vertreter von Polizei, Feuerwehr, Ärztlichem Rettungsdienst, Kliniken und Unternehmen Gesundheit Oberpfalz Mitte (UGOM) hätten sich zusammengesetzt, einen Fahrplan festgelegt und vorgesorgt. "Wir sehen die Zahlenentwicklung im ganzen Land und wollen nicht erst übernächste Woche damit beginnen, falls sich die Situation verschärfen sollte", gab Reisinger die Marschrichtung vor. Grundsätzlich ging es bei dem Treffen darum, die Logistik zu planen, bevor die Krankheitsfälle ansteigen. Deutlich wurde auch, dass Kliniken und Ärzte daran arbeiten, ihre eigenen Ressourcen zu schützen. OB Michael Cerny: "Wie können wir dafür sorgen, dass nicht jeder, der Angst hat, in die Notaufnahme läuft und so das Gesundheitssystem lahmlegt?"

Klinikumsvorstand Manfred Wendl war es besonders wichtig, die richtigen Verhaltensweisen zu transportieren. Er empfahl grundsätzlich die Information über die Homepage des Robert-Koch-Instituts (www.rki.de). Menschen, selbst wenn sie Kontakt mit Verdachtsfällen oder Infizierten hatten, müssen nicht ins Krankenhaus kommen. "Nicht einfach losmarschieren. Die Notaufnahmen dürfen nicht verstopft werden", gab Dr. Robert Bauer, stellvertretender Ärztlicher Direktor die Devise aus. Es gebe über die Kassenärztliche Vereinigung einen zusätzlichen Fahrdienst, der rund um die Uhr unter der Bereitschaftsnummer 116117 zu erreichen sei und vor Ort Abstriche machen kann. Engpässe gebe es dennoch. Zu Tagzeiten und mit subjektiv leichten Erkrankungen kann man sich auch telefonisch an die Hausarztpraxis wenden, bei Notfällen ist die Leitstelle zuständig, hieß es vonseiten des Landrats.

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Marc Bigalke (Amberg) und Thomas Rauner (Sulzbach-Rosenberg), die Leiter der Notaufnahmen, stellten klar, dass es ihre Aufgabe sei, "für schwere Fälle" da zu sein. Immer wieder hätten besorgte Bürger angerufen, die Informationen benötigten, die sie auch im Internet nachlesen hätten könnten. "Wir haben mit COVID-19 eine Erkrankung, die nicht so bekannt ist wie Influenza", äußerte Rauner Verständnis für Unsicherheit. Dass sich die Nachrichtenlage stetig ändere sei kein Zeichen dafür, dass geschlampt werde, "sondern dass wir unsere Arbeit machen".

Da die Übertragungswege keine anderen seien wie bei anderen Viren auch, können normale Hygienemaßnahmen wie häufiges Händewaschen hilfreich sein. Auf den Punkt formulierte es schließlich Robert Bauer: "Man muss ja nicht mit einer Rotznase zu einer öffentlichen Veranstaltung gehen. Dann bleib ich halt bitte zu Hause. Da muss man schon auch mal an die Verantwortung jedes Einzelnen appellieren."

Kommentar:

Aktionismus oder reine Vorsichtsmaßnahme?

Jetzt sind es also bereits drei bestätigte Coronavirus-Erkrankungen im Landkreis Amberg-Sulzbach. Bei dieser Zahl wird es über das Wochenende sicher nicht bleiben. Die Zahl der Kontaktpersonen der betroffenen Familie lässt sich nicht an einer Hand abzählen und auch nicht isolieren. Ob die Absagen zahlreicher Veranstaltungen eine Verbreitung des Virus verhindert? Man mag es bezweifeln. Ob dahinter reiner Aktionismus oder begründete Vorsichtsmaßnahmen stecken, wird sich schlussendlich nicht beantworten lassen. Das subjektive Empfinden ist: Das Virus ist längst hier angekommen.

Andrea Mußemann

Zum Thema Coronavirus informiert das Robert-Koch-Institut.

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