13.06.2019 - 11:33 Uhr
AmbergOberpfalz

Das Reh mit dem roten Halsband

Wer in den Garten der Familie Biehler kommt, dem fallen die schönen Blumen auf. Dann die Ziegen im Gehege. Ansonsten scheint alles ganz normal. Bis ein lautes Fiepen zu hören ist – und ein Reh mit rotem Halsband erscheint.

Unerwartetes Glück: Seit vier Jahren ist das Reh Emmy treuer Wegbegleiter der Amberg-Sulzbacherin Magdalena Biehler.

von Autor EWAProfil

Emmy heißt es und gehört seit vier Jahren zur Familie. "Eigentlich war der Plan, Emmy wieder auszuwildern, wenn sie ausgewachsen ist", sagt Anita Biehler, die das mutterlose Reh mit der Flasche aufgezogen hat. "Doch Emmy wollte nicht, sie ist einfach geblieben. Meine Freunde sagen, die Emmy, das ist doch inzwischen mein fünftes Kind", sagt Anita Biehler und lacht, während sie dem Reh, das ganz selbstverständlich neben ihrer Gartenliege steht, die Ohren krault. Tatsächlich vergeht kein Tag, den sie nicht mit Emmy verbringt. "In den vergangenen Jahren habe ich fast meine ganze Freizeit in das Tier investiert. Und ganz viel Liebe - denn sonst würde so ein Vertrauen ja gar nicht entstehen." Dass sie und ihre Familie eines Tages ihr Leben mit einem Reh teilen würden, ahnte Anita Biehler nicht. Vier Jahre ist es inzwischen her, dass die tierliebe Amberg-Sulzbacherin einen Anruf von Hans Weiß von der Tierauffangstation "Das Nest" aus Kümmersbuch bei Hahnbach bekam. Er fragte, ob sie sich zutrauen würde, ein Rehkitz aufzuziehen. "Da hab ich gesagt: Das probieren wir."

Besonderes Futter für das Rehkitz

Dass es jedoch ganz etwas anderes ist, ein Rehkitz großzuziehen als zum Beispiel ein mutterloses Lamm, das merkten die Biehlers bald. „Am Anfang wussten wir ja nicht mal, was füttert man da überhaupt …“ Als Emmy größer wurde, kamen die nächsten Fragen auf. „Erst haben wir es beim Rausgehen mit einer Leine versucht“, erinnert sich Magdalena Biehler, die ihre Mutter bei der „Erziehung“ von Emmy immer unterstützt hat.„Dann haben wir aber ganz schnell gemerkt, dass man ein Reh nicht an der Leine führen kann.“ Heute können die Biehlers darüber herzlich lachen. „Für uns ist es wichtig, dass sie eben ein Reh

und somit ein Wildtier ist und bleibt“, sagt Anita Biehler. „Deswegen ist sie auch nicht eingesperrt, wir haben keinen Zaun hier um den Garten.“ Da kommt es vor, dass Emmy für einige Stunden im Wald verschwindet – aber bisher kam sie jedes Mal heil zurück.

Als Rehkitz wurde Emmy mit der Flasche großgezogen. Der kleine Waldbewohner wurde von seiner Mutter zurückgelassen.

Lange Ausflüge werden zur Zitterpartie

Glücklich sind Anita und Magdalena Biehler, dass auch die Jäger in dem angrenzenden Wald Emmy in Ruhe lassen. „Die kennen inzwischen alle das Reh mit dem roten Halsband.“ Und trotzdem zittert Anita Biehler immer wieder, wenn Emmy stundenlang unterwegs ist und später als sonst von ihren Ausflügen in die Natur zurückkehrt. „Sie kennt die Gefahren ja nicht. Sie hat keine Angst vor dem Fuchs, weil sie mit unserem Hund aufgewachsen ist. Wenn sie Menschen sieht, schaut sie auch erst einmal ganz lange. Denn das Fliehen hat sie ja nie gelernt.“ Bisher gab es jedoch immer wieder ein Happy End – und das soll auch in Zukunft so bleiben. Das ist der große Wunsch der Biehlers. „Mit einem Reh zu leben, ist einfach etwas Wunderschönes“, sagt Anita Biehler. „Die Emmy stahlt einfach so viel Ruhe aus, das gibt einem so viel.“

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