Wie in Truffauts Film "Sie küssten und sie schlugen ihn". Nur ein paar Schubladen tiefer angesiedelt. Alles begann damit, dass sich drei Männer in einer kleinen Wohnung im Westen der Stadt zum Saufgelage trafen. Einer soll zur elften Morgenstunde eingetroffen und zehn Halbe Bier mitgebracht haben. Es war, wie sich vor Amtsrichter Markus Sand herausstellte, seine bis weit in den folgenden Tag hinein selbst verbrauchte Ration. Der Gast, 58 Jahre alt, und seine beiden Freunde, 63 und 59 Lenze zählend, soffen sich zu.
Von freundlich zu feindlich
Dabei zunächst immer fröhlich bleibend. Dann aber rumorte es plötzlich. Weshalb? Den genauen Grund erfuhr der Richter nicht. Nur andeutungsweise. Und das gleich in mehreren Versionen. Es ging angeblich um einen alten Feuerwehrhelm und ein büffetartiges Möbelstück, das der 58-Jährige mitnehmen wollte. Auch dessen plötzlich eintretende Müdigkeit und seine beim Erwachen an den Tag gelegte Aggressivität wurden in die Waagschale geworfen.
Dann kam der Hauptdarsteller der merkwürdigen Tragikomödie ins Spiel. Ein Knüppel aus Hartgummi, der - wie man erfuhr - in der Regel seinen Platz am Gehörn eines Bockgeweihs hat. Von dort wurde er genommen und dem, der die zehn Halbe Bier mitgebracht hatte, vom Wohnungsmieter in die Hand gedrückt. Mit dem angeblichen Bemerken des 63-Jährigen, er möge doch den Gummistock dem dritten Mitzecher auf den Kopf hauen. "Schlag zu, hat er gesagt", wurde dem Richter jetzt zur Kenntnis gebracht. Der mutmaßliche Auftraggeber verneinte das entrüstet.
Der Hieb hinterließ um 3.40 Uhr ein blutende Wunde am Hinterhaupt des 59-jährigen Frührentners. Dafür bekam der Täter zwischenzeitlich einen Strafbefehl, den er auch akzeptierte. Doch weshalb saßen nun seine beiden Saufkumpane auf der Anklagebank? Sie sollen, wie Staatsanwältin Christine Apfelbacher rügte, ihrerseits mit dem gleichen Knüppel gegen den 58-Jährigen vorgegangen sein, ihm gegen 3.45 Uhr fünf Hiebe auf den Kopf verpasst und ihn in den Schwitzkasten genommen haben.
Türrahmen oder Knüppel?
Das, vernahm Markus Sand von den beiden, sei nun völlig aus der Luft gegriffen. "Und die Verletzung, die er hatte?", hakte der Richter bohrend nach. Die Antwort nahm sich so aus: "Wahrscheinlich ist er gegen den Türrahmen gerannt." Doch das wies der als Zeuge vernommene Zechkumpan entschieden von sich. Erst habe er auf Geheiß zugeschlagen, dann sei ihm selbst das gleiche Ungemach widerfahren.
Ein schwieriger Fall, der jetzt richtig teuer wird. Denn auf Antrag der beiden Verteidiger Jörg Jendricke und Karl Holzapfel muss nun ein Universitätsprofessor aus Erlangen kommen und sich mit der Frage beschäftigen, ob der Türrahmen oder der Knüppel die Blessur verursachten. Man wird in einer neuen Prozessrunde sehen, was der Rechtsmediziner äußert. Wenn es der Schlagstock war, drohen den beiden Vorbestraften Haftaufenthalte ohne Bewährung.













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