30.03.2020 - 14:33 Uhr
AmbergOberpfalz

Schüler schreiben Briefe an Senioren

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Weil Bewohner von Seniorenheimen keinen Besuch bekommen dürfen, haben zwei Lehrer der Luitpoldschule eine Idee. Schüler sollen Briefe an die ältere Generation verfassen. Viele Kinder machen mit.

Felix Keilwerth (Bild) hat mit seiner Kollegin Julia Baumer eine Aktion ins Leben gerufen. Die beiden Lehrer wollen, dass die Schüler Briefe an Bewohner von Seniorenheimen schicken.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Abstand halten, lautet das Gebot der Stunde. Auch wenn sich die Bürger im Großen und Ganzen angesichts der sich ausbreitenden Pandemie daran halten - vor allem die Senioren trifft das hart. In den Heimen gelten Besuchsverbote. Die Lieben können nicht einfach vorbeikommen auf einen Plausch. Umarmungen, Zärtlichkeiten oder einfach nur ein Schulterklopfen - in Zeiten von Corona ein Gesundheitsrisiko.

Zwei Lehrer brachte dieser Umstand auf eine Idee. Julia Baumer (28) und Felix Keilwerth (29) riefen die Kinder der Luitpoldschule dazu auf, Briefe an die Senioren zu schreiben. Eine Aktion, die sofort einschlägt. Der Großteil der 400 Schüler beteiligt sich. Einige schreiben die Briefe per Hand und fotografieren sie ab, andere verfassen sie direkt am Computer. Christina Gilch, ebenfalls Lehrerin an der Luitpoldschule berichtet von einer Anfrage, die eine Mutter stellte. Sie habe noch zwei Kinder, die zwar nicht die Luitpoldschule besuchen, aber trotzdem gerne einen Brief schreiben würden. Ob das wohl ginge? Dass die Aktion so gut angenommen wird, freut Baumer und Keilwerth.

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Schließlich gibt es zahlreiche potenzielle Adressaten. Die Briefe werden im Wallmenich-Haus, im Bürgerspital und im Caritas-Altenheim ausgedruckt und an die Bewohner verteilt. Der Inhalt der Schreiben ist recht vielfältig. Die Kinder erzählen von ihren Hobbys wie Kickboxen und Fußball. Eine 11-jährige Schülerin schreibt: "Ich habe auch vor, sobald sich die Situation verbessert hat, meinen Geburtstag nachzuholen. Ich habe schon alles für meine Feier eingekauft und freue mich sehr." Natürlich ist in den Briefen auch die Sehnsucht nach einem normalen Alltag herauszulesen: "Ich freue mich schon, wenn die Geschäfte wieder offen haben und wir Eis essen gehen können und ich meine Freunde sehen kann. Ich möchte auch wieder, dass die Schule anfängt, weil ich es lieber mag in der Schule zu lernen und persönlich die anderen zu sehen. Denn momentan muss ich meine Aufgaben mit den Computer machen." So geht es wohl gerade den meisten Kindern. Sie sehen aber nicht nur ihre eigene Situation, sondern denken auch an die anderen. Die Elfjährige schreibt auch, dass sie hofft, dass sich die älteren Leute nicht einsam fühlen und dass sich die Lage bald wieder bessert.

Von einem 12-Jährigen stammen folgende Zeilen: "Hallo ihr Lieben, ich weiß nicht, wer diesen Brief bekommt, aber sie können sicher sein, dass dieser Brief von Herzen kommt. Im Moment erleben wir in unserem Land keine leichte Zeit, aber ich bin mir sicher, dass die Zeit bald vorbeigeht, und wir wieder normal leben können." Der Junge zitiert sogar aus der Bibel, mit dem er sein Schreiben schließt (Mose, 31, 8): "Der Herr aber, der selber vor euch hergeht, der wird mit dir sein und wird die Hand nicht abtun und dich nicht verlassen. Fürchte dich nicht."

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