04.06.2020 - 16:25 Uhr
AmbergOberpfalz

Schulisches Ferienprogramm: Betreuer an der Belastungsgrenze

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

An bayerischen Schulen findet in den Pfingstferien eine Notbetreuung für Schüler statt. Was dem Lehrerverband so gar nicht schmeckte, ist nun angelaufen. Die Lehrkräfte sind vielfach überlastet, das Amberger Schulamt mahnt zu Solidarität.

So sieht ein Klassenzimmer normalerweise in den Ferien aus – verwaist. Das ändert sich durch die Notbetreuung.
von Florian Bindl Kontakt Profil

Die Mitteilung aus dem Kultusministerium löste Ende Mai reichlich Protest aus. Minister Michael Piazolo (Freie Wähler) hatte verkündet, dass Lehrer in Bayern in den Pfingstferien diejenigen Schüler betreuen müssen, deren Eltern in der sogenannten kritischen Infrastruktur arbeiten oder keinen Urlaubsanspruch mehr haben. Für die Lehrkräfte war das eine böse Überraschung, hatten sie doch bereits mehrfach verlauten lassen, dass sie ihrer Belastungsgrenze entgegenschlitterten.

Notbetreuung in den Osterferien, in den Tagen als Corona besonders heftig wütete. Homeschooling über Wochen hinweg, samt ungewissem Lernerfolg. Schrittweise Wiederaufnahme des Schulbetriebs. Und nun keine erholsame Ferienzeit zum Durchschnaufen, sondern abermals schulisches Ferienprogramm. Katja Meidenbauer, die als BLLV-Vorsitzende die Lehrkräfte der Oberpfalz vertritt, mahnte im Vorfeld: Das Kultusministerium habe eine Fürsorgepflicht, die Belastung sei zu hoch.

Der BLLV fand die Idee zur Notbetreuung alles andere als amüsant.

Vohenstrauß

"Akt der Solidarität"

Dass der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband längst Alarm schlägt und mehr Schutz sowie Wertschätzung einfordert, änderte aber nichts am Beschluss des Kultusministeriums. Die Ferienbetreuung läuft, Piazolo quittierte den Hilferuf der Lehrkräfte mit der Bemerkung, der Mehraufwand sei als "Akt der Solidarität" zu verstehen. Der BLLV hingegen fürchtet, Lehrer könnten nun dauerhaft als Betreuer eingespannt werden.

Von einer "Notsituation" spricht Beatrix Hilburger, die Leiterin des Schulamtes Amberg-Sulzbach. Es sei wichtig, dass "jetzt alle zusammenhelfen. Dazu sind die Lehrkräfte auch gewillt. Eltern, die in systemrelevanten Berufen arbeiten, sind jetzt auf uns angewiesen – auch in den Ferien." Den Schritt der Regierung hält sie deshalb schlichtweg für notwendig. Wer sein Kind, relevant sind lediglich Schüler der Jahrgangsstufen 1 bis 6, der Ferienbetreuung anvertrauen wollte, musste sich vorher anmelden.

Spielsachen und Bastelarbeiten

Natürlich wisse sie andererseits von den erheblichen Belastungen, denen die Lehrerinnen und Lehrer derzeit ausgesetzt sind. Die Schulleiter seien deshalb explizit angewiesen, für die Ferienbetreuung diejenigen Lehrkräfte heranzuziehen, die vorher weniger im Einsatz waren. Klar ist aber auch: Das geht vielleicht an großen Schulen mit vielen Parallelklassen gut, kleinere Grundschulen mit gerade einmal vier Klassen können den Bedarf an "Betreuungskräften" gerade so decken. Entlastung ist dann schwierig. Hier hofft Hilburger auf Kooperationen zwischen den Schulen. Außerdem helfe an einigen Stellen die Ganztagsbetreuung auf freiwilliger Basis mit.

Und was passiert nun während der Betreuung? Selbstverständlich halten die Lehrer keinen regulären Unterricht, Ferien bleiben Ferien, zumindest für die Schüler. Deshalb solle die Zeit dennoch "pädagogisch sinnvoll genutzt" werden, sagt Hilburger. In der Zeit von 8 bis 16 Uhr dürfen die Kinder sich mit mitgebrachten Spielsachen beschäftigen oder etwas basteln. Auch Spaziergänge sind möglich, selbstverständlich unter Einhaltung aller Hygiene-Regeln. Da normalerweise kein Mensabetrieb stattfindet, sind die Eltern angehalten, ihren Kindern etwas für die Mittagspause einzupacken.

Die Lehrer müssen dabei „nur“ ihrer Aufsichtspflicht nachkommen. Ob eine solche Betreuung auch für die sechswöchigen Sommerferien denkbar ist, dazu konnte Hilburger noch nichts sagen. „Wir müssen schauen, wie sich die Lage entwickelt.“ Auf keinen Fall wolle man dauerhaft als Notbetreuer eingesetzt werden, betont die BLLV-Vorsitzende für Amberg-Sulzbach, Tanja Fahrnholz. „Da sind wir strikt dagegen. Wir sind schließlich gar nicht dafür ausgebildet worden.“

In Zahlen:

Zweimal vier Stunden

Wie viele Schüler sind von der Notbetreuung im Raum Amberg betroffen? Die Zahlen variieren täglich, da auch die Arbeitszeiten der Eltern nicht immer gleich bleiben. An manchen Schulen müssen gar keine Kinder betreut werden, der Höchstwert liegt bei acht. Auch Mittelschüler sind laut Schulamt schon beteiligt gewesen. Lehrkräfte sind in zwei Schichten zu je vier Stunden eingeteilt.

In der Stadt Amberg sind (Stand: 3. Juni) 26 Schüler in Betreuung, davon 8 Erstklässler, 4 Zweitklässler, 7 Drittklässler und 7 Viertklässler.

Im Landkreis Amberg-Sulzbach beaufsichtigen die Lehrer 43 Kinder, davon 18 Erstklässler, 9 Zweitklässler, 9 Drittklässler und 7 Viertklässler. (blf)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.