04.09.2020 - 13:59 Uhr
AmbergOberpfalz

Schulstart, Corona und der Wunsch nach Normalität

Masken, Home-Schooling, halbierte Klassen: Das Ende des Schuljahres stand ganz im Zeichen des Coronavirus. Vom Start des neuen Schuljahres am kommenden Dienstag berichten Oberpfalz-Medien gegenüber betroffene Schüler und Lehrer.

Noch sind die Türen geschlossen, ab Dienstag startet jedoch wieder der Schulbetrieb. Nicht nur im Max-Reger-Gymnasium Amberg gelten dann strenge Auflagen, um die Corona-Fallzahlen nicht noch weiter steigen zu lassen.
von Externer BeitragProfil

Die Schule startet und Corona ist wieder ein großes Thema. „Deswegen müssen wir aufpassen, dass wir nicht diese zweite Welle, die eigentlich schon da ist, in einem ähnlichen Ausmaß bekommen wie vor einigen Monaten“, so kommentierte Ministerpräsident Markus Söder die Corona-Pandemie vor rund einer Woche. Gegenüber Oberpfalz-Medien sprachen nun Schüler und Lehrer zum Schulbeginn.

Niemand weiß, was genau die zweite Welle ist, von der seit dem Rückgang der Fallzahlen der ersten Welle gesprochen wird. Doch beim Blick auf die Diagramme wird klar: Alles so, wie befürchtet. Während im Sommer trotz der Pandemie Reiseverkehr stattfand, vermehrt Feiern abgehalten wurden, ein Stück Normalität zurückkehrte, fand das Virus zurück in den Alltag. Pünktlich zum Schulbeginn, zu dem eigentlich Normalität in die Klassenzimmer zurückkehren soll.

Mehr als fünf Monate ist es her, als am 13. März Markus Söder bekanntgab, alle Schulen ab dem folgenden Montag zu schließen. Mehr als einen Monat dauerte es, bis zunächst die Schüler der Abschlussklassen wieder in die Schulen durften, für den Rest folgte ab Mai abwechselnd Präsenzunterricht und Home-Schooling. Das Ende des Schuljahres beschreibt Carolin Wellnhofer, Schülersprecherin am Max-Reger-Gymnasium, zwar grundsätzlich als gut organisiert, dennoch sei auf Grund des plötzlichen Fehlens des sozialen Umfelds und der Umstellung auf digitalen Unterricht einiges auf der Strecke geblieben.

Schwierigkeiten bei digitalen Ausstattung

Auch Karl Bösl, Schulleiter des Erasmus-Gymnasiums, berichtet von guten Eltern- und Schüler-Rückmeldungen zum Ende des Schuljahres, sieht aber auch Nachteile und Schwierigkeiten beispielsweise bei der digitalen Ausstattung. „Wer wegen einer schlechten Internetverbindung nur langsamer und zeitaufwendiger am Online-Unterricht teilnehmen kann als andere Schüler, hat schnell unverschuldet Lücken, die es in diesem Schuljahr aufzuholen gilt“, berichtet Bösl. Unter anderem würden Brückenkurse angeboten, um Stoff des vergangenen Schuljahres nachzuholen. Auf Anfrage teilt das Kultusministerium außerdem mit, mit der Anschaffung von bis zu 250 000 Schülergeräten dieser Problematik begegnen zu wollen. In den nächsten vier Jahren sollen rund vier Milliarden Euro für Digitalisierung im Schulwesen zur Verfügung gestellt werden, heißt es.

Einig ist man sich: Auch wenn trotz Rahmen-Hygieneplan des Kultusministeriums, Hygienebeauftragten und eigener Konzepte der Schulen ein Restrisiko bleibe, an der Öffnung der Schulen mit Präsenzunterricht führe kein Weg vorbei. „Manche Unterrichtsinhalte wären zwar vielleicht zunächst verzichtbar, gerade aber aus psychologischen und sozialen Gründen ist Unterricht im Klassenverband jetzt so wichtig“, erläutert Bösl gebenüber Oberpfalz-Medien.

Gesundheitsamt entscheidet

Auch Markus Lacher, Schulleiter der Grund- und Mittelschule in Ammersricht, ist sich sicher: „Auch wenn sie manchmal anstrengend scheint, Schule ist ein Ort, den die Schüler im vergangenen Jahr schnell vermisst haben“ - auch gerade wegen des plötzlichen Wegfallens anderer sozialer Kontakte während der Zeit der Kontaktbeschränkungen; Schule sei eben auch mehr als nur Unterricht. „Das Fehlen dieser Programmpunkte, die nicht direkt zum Unterricht gehören, aber dennoch fest im Jahr verankert sind wie Feste, Wandertage oder Klassenfahrten wird leider auch Teil des kommenden Schuljahres sein.“

Klar ist seit Mittwoch: Bis zum 18. September muss von Schülern ab der 5. Klasse auch im Unterricht ein Mund-Nase-Schutz getragen werden; über Maskenpflicht darüber hinaus entscheidet das Gesundheitsamt im Falle lokal begrenzter Ausbrüche. Wenn die Sieben-Tage-Inzidenz (die Anzahl der neuen Fälle in einer Stadt im Laufe einer Woche pro Einwohner mal 100 000) den Wert 35 übersteigt, soll laut Drei-Stufen-Plan die Maskenpflicht auch im Unterricht zurückkehren. Ab dem Wert 50 wäre erneut ein Wechsel zwischen Home-Schooling und Präsenzunterricht notwendig, wenn der Abstand von 1,5 Metern im Klassenraum nicht eingehalten werden kann. Der Wert 50 würde für Amberg mit 21 Erkrankungen innerhalb einer Woche erreicht werden. Die endgültige Entscheidung über die Maßnahmen obliegt jedoch immer dem Gesundheitsamt.

Reihentests für Lehrer

Um die Ausbreitung des Virus in der Schule weitmöglichst zu verhindern, werden für Lehrpersonal Reihentests zu Beginn des Schuljahres angeboten. Im Unterrichtsbetrieb muss dann jedes Klassenzimmer nach 45 Minuten für zehn Minuten gelüftet werden; für Sport- und Musikunterricht gibt es besondere Richtlinien wie begrenzte Gruppengrößen, teils weniger, als Schüler in einer Klasse seien, berichtet Bösl. Das könne bei der praktischen Umsetzung wieder zu Problemen führen. Problematisch sei auch Religionsunterricht. Hier würden die Klassen auch weiterhin nach Konfession getrennt unterrichtet, eine Trennung der Klassen wie eigentlich gefordert ist dort nicht möglich. Vor allem in den elften und zwölften Klassen hält der Schulleiter des Erasmus-Gymnasiums eine strikte Trennung ebenfalls für nicht durchführbar: Zu unterschiedlich seien die Fächerkombinationen der Schüler, um diese immer in denselben Kursen zu unterrichten.

Die Maßnahmen haben sich bereits am Ende des vergangenen Schuljahres schnell eingespielt: „Schon nach wenigen Tagen dachte der Großteil der Schülerschaft durchwegs an das Maskengebot auf den Gängen“, resümiert Lacher. Auch auf Abstand werden die meisten Schüler achten, erwartet Bösl, auch wenn „im außerschulischen Leben nie gänzlich auf Körperkontakt verzichtet werden kann“.

Es könne jetzt nicht nur Aufgabe der Schule sein, wieder zu regulärem Unterricht zurückzukehren, auch Auseinandersetzung mit der Thematik der Pandemie sei wichtig, so Bösl. Das Aufarbeiten von Informationen über die Pandemie und ihre Gefährlichkeit und auch das gemeinsame Erarbeiten von Handlungsmustern mit den Schülern sei eine gute Möglichkeit, Akzeptanz für die Maßnahmen zu steigern. „Die Lehrkräfte müssen erkennen, welche Ängste und Sorgen es bei den Schülern gibt, gerade nach der langen Zeit ohne Unterricht“, ergänzt Lacher. Während die Schulen der beiden Schulleiter nicht von Lehrerausfällen betroffen seien, berichtet Beatrix Hilburger, Leiterin des Schulamtes Amberg-Sulzbach, von drei Lehrkräften, die nicht unterrichten können, ersetzt durch Quereinsteiger, welche Unterstützung durch die Lehrkraft bei der Unterrichtsplanung erhält. Schüler, die auf Grund von Grunderkrankungen nicht am Unterricht teilnehmen können, müssen sich dies durch einen Arzt im Abstand von höchstens drei Monaten bestätigen lassen; für diese Schüler wird dann Distanzunterricht angeboten, so die Schulamtsdirektorin.

Unsicherheit bleibt weiter

Am Ende überwiege vor allem der Wunsch nach Normalität, fasst Theresa Bierler, Schülersprecherin am Erasmus-Gymnasiums zusammen. „Ein weiteres Jahr Home-Schooling wäre nur schwer zu verkraften, gerade auch, wenn es auf das Abitur zugeht“, fügt Janis Stiegler, ebenfalls Schülersprecher hinzu. Für viele Schüler bliebe neben dem Wunsch nach Normalität und dem Wissen über die Auswirkungen der Pandemie aber auch Unsicherheit, zum Beispiel bei der Frage nach der Dauer des Schulbetriebs mit Präsenz-Unterricht, meint Carolin Wellnhofer. Auch Markus Lacher wünscht sich, möglichst das ganze Schuljahr für alle ohne Distanzunterricht zu Hause machen zu können. Doch wie viel Normalität in der Schule zwischen Masken und Abstand bleibt, so ist man sich einig, das werden erst die nächsten Wochen und Monate zeigen.

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