10.07.2018 - 15:57 Uhr
AmbergOberpfalz

Sechs Jahre für Schläger

Im Prozess gegen den Schläger, der seine Lebensgefährtin übel misshandelt hat, ist das Urteil gefallen. Er darf eine Therapie antreten. Zur Sicherungsverwahrung muss er nicht.

So sieht die Steckdosenleiste aus, mit der der Verurteilte zugeschlagen hat. Von der Leiste ist nicht mehr viel zu sehen.

Dieser dritte und letzte Prozesstag gegen einen 36-Jährigen, der am 11. Oktober 2017 seine Lebensgefährtin auf unsägliche Weise vier Stunden lang geschlagen und gepeinigt hatte, begann mit scharfen Worten. Sie kamen von Staatsanwältin Christine Apfelbacher und von Nebenklagevertreter Jörg Jendricke. Beide waren sich einig, "dass der Angeklagte nach verbüßter Strafhaft in die Verwahrung muss." Eine Drogentherapie habe wohl wenig Aussicht auf Erfolg. Jendricke wörtlich: "Sein Problem ist nicht das Rauschgift, es ist der Hang zur Gewalttätigkeit." Und der werde im Entzug wohl kaum beseitigt werden können.

Seit zwei Jahrzehnten, so wurde in den Schlussvorträgen deutlich, gehe der Mann mit der Faust gegen Unschuldige vor. Er sei in seiner Persönlichkeit gestört, habe Führungsaufsichten stur ignoriert, sei unbelehrbar. "Eine Gefahr für die Allgemeinheit", hieß es. In ihren Anträgen waren sich beide einig: "Sechs Jahre Haft, dann Verwahrung."

Widersprüche

Bis zum Schluss hatte der seit seiner Übersiedelung nach Deutschland im Jahr 1993 nur wenige Tage in Arbeit stehende Beschuldigte die Gewaltorgie geleugnet und behauptet, seine Freundin sei schon mit den Verletzungen heimgekommen. Das griff Verteidiger Jürgen Mühl auf. Er hielt Widersprüche in den Aussagen der Frau (33) für gegeben. Von daher beantragte Mühl primär Freispruch. Bei einer Verurteilung, so der Anwalt, sei der Therapie ein Vorzug vor der langfristigen Sicherung zu geben.

Der Gewalttäter, so stellte sich im Urteil heraus, muss sein künftiges Leben nicht in der Verwahrung fristen. Die Erste Strafkammer verurteilte ihn wegen "einer grausamen Tat" zu sechs Jahren Haft. Sie billigte ihm aber, wegen erwiesener Drogenabhängigkeit, eine zweijährige Entzugsmaßnahme zu und ordnete einen sogenannten Haftvorwegvollzug von einem Jahr an. Neun Monate sind bereits durch die U-Haft verbüßt.

Glatte Lüge

In ihrer einstündigen Begründung hielt Kammervorsitzende Roswitha Stöber die Gewalttat für erwiesen und bezeichnete die Version des Beschuldigten als glatte Lüge. Fast zehn Minuten lang schilderte sie die einzelnen Verletzungen der Frau. Dann wurde die juristische Zuordnung erklärt. Mit dem Hinweis darauf, dass es bei erwiesenen Suchterkrankungen eine klare Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs gebe. Sie laute: Bei gutachterlich attestierter Abhängigkeit sei eine Unterbringung im Entzug vorrangig. Zumal dann, wenn Erfolgsaussicht bestehe. Diese Möglichkeit bejahte die Richterin.

Richterin Stöber ließ keinen Zweifel daran, dass "bei diesem Angeklagten die Voraussetzungen für eine Sicherungsverwahrung bestehen." Das aber stelle quasi die schärfste Ahndung dar, die das Gesetz vorsehe. Allerdings sei durch die nunmehr verhängte Therapie von einer "wesentlichen Verringerung der Wiederholungsgefahr auszugehen." Die Richter sahen im dem quälenden Vorgang in einer Wohnung am Stadtrand keine Geiselnahme. Sie legten ihrem Urteil gefährliche Körperverletzung, Beleidigung und versuchte Nötigung zugrunde.

Bericht vom zweiten Verhandlungstag

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