01.04.2021 - 12:57 Uhr
AmbergOberpfalz

Selbsttests und Impfungen: Für Lehrer ist vieles noch unklar

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf das Schulwesen aus? Diese Fragen haben die BLLV-Vorsitzenden in der Region bei einer Online-Besprechung erörtert. Die Lehrer vertreten bei Homeschooling, Selbsttests und Impfungen klare Standpunkte.

Auch die Lehrer wünschen sich, dass der Unterricht bald wieder in Präsenz stattfindet, doch für die Vertreter der BLLV-Kreisverbände in Amberg und Amberg-Sulzbach sind viele Bedingungen für Präsenzunterricht nach wie vor nicht geklärt.
von Externer BeitragProfil

Edith Ruppert-Groher, Vorsitzende des Kreisverbands Vilseck des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverands (BLLV), führte laut einer Pressemitteilung zunächst aus, wie groß seit gut einem Jahr die Belastungen seien - für Schüler und Eltern, aber auch für die Lehrkräfte. Letztere täten alles, "um die Schüler in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen und sie nicht zu den großen Verlierern dieser Jahre werden zu lassen".

Ruppert-Groher warf die Frage auf, was für die Lehrkräfte getan werde. Wechsel- und Distanzunterricht nebeneinander bedeuteteten "eine doppelte Belastung". Gerade an kleineren Schulen müsste neben dem Unterricht in der eigenen Klasse oft noch die Notbetreuung anderer Schüler gestemmt werde. Wünschenswert wäre, dass die Schüler in Präsenz zurückkehren können, doch die Bedingungen hätten sich seit einem Jahr nicht verbessert.

Stefanie Löffler, die an der Spitze des Kreisverbands Sulzbach-Rosenberg steht, berichtet, dass der Vorschlag der regelmäßigen Selbsttests an Schulen für viel Unmut sorge. Die Idee sei grundsätzlich zu befürworten, doch ihrer Ansicht nach sei die Strategie in der Umsetzung nicht zu Ende gedacht. Nasenabstrichtests könnten vielleicht ältere Schüler selbstständig durchführen, "bei Grundschülern bestehen in dieser Hinsicht aber große Bedenken". Für eine Selbsttestung sei ein gewisser Reifegrad erforderlich, so Löffler. Sie fragte sich, warum in Testzentren medizinisches Personal in Schutzkleidung tätig sei, die Lehrer allerdings dies im Klassenzimmer und im Klassenverband tun sollen, "wobei die einzige Schutzmaßnahme im Öffnen eines Fensters besteht." Löffler brachte auch Argumente wie Aufsichtspflicht, Datenschutz und "Gruppenzwang" vor.

Unsicherheit auch bei den Eltern

Unklar sei, wie das benutzte Testmaterial zu entsorgen sei und inwieweit die Lehrkräfte beaufsichtigen und anleiten sollen. Aus all diesen Gründen bestünden bei den Eltern zu Recht große Unsicherheiten. In vielen Fällen führe dies dazu, "dass sich Eltern weigern, ihre Kinder in der Schule testen zu lassen". Löffler ergänzte noch, dass durch die Tests viel wertvolle Zeit verloren gehe.

Michaela Bergmann berichtete von vielen Lehrern, die sich in den vergangenen Wochen beim Verband gemeldet hatten, weil ihnen noch kein Impfangebot gemacht worden sei. Unverständlich sei vielen Kollegen, warum Lehrer von Abschlussklassen nicht höher priorisiert würden, so die Vorsitzende des BLLV-Kreisverbands Amberg-Land. Diese nämlich würden bei Inzidenzen von 200 und höher derzeit im Präsenzunterricht sein, "während alle Grundschullehrer im Landkreis noch in Distanz unterrichten".

Bergmann wusste, dass sich viele ihrer Kollegen dringend ein Impfangebot wünschen, "bevor sie in den Präsenzunterricht zurückkehren". Dass Lehrkräfte geimpft sein sollten, wenn sie vor der Klasse stehen, sollte außer Frage stehen. Bergmann verwies darauf, dass der Freistaat seine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Beamten zu erfüllen habe.

Die Belastungen für die Lehrkräfte und Schüler werden nach Meinung von Tanja Fahrnholz, Vorsitzende des Kreisverbands Amberg-Stadt, mittlerweile zu groß. Wie sie weiter ausführte, liege es auch im Interesse der Lehrer, dass der Unterricht möglichst bald im Klassenzimmer stattfinden könne. Allerdings seien die Bedingungen nach wie vor nicht geklärt. Die soziale Komponente der Schule gehe nach monatelangem Distanzunterricht komplett verloren, bedauert Fahrnholz. Lehrer würden ihr Bestes geben, um Schüler noch zu motivieren. Für eine Rückkehr in die Schulen seien aber immer noch viel zu wenig Lehrkräfte geimpft. "Ein Unterrichtsbetrieb unter diesen Bedingungen ist angesichts der hohen Inzidenzzahlen in unserer Stadt und unserem Landkreis nur schwer vorstellbar."

Viele Probleme bereits vor Corona

Alle Teilnehmer der Online-Besprechung hoffen, dass die Politik die Nöte der Lehrkräfte nicht nur zur Kenntnis nimmt, sondern sie konstruktiv angehe. Viele der Probleme, die im Schulsystem nun offensichtlich zutage treten, seien vor Corona schon da gewesen. Als Beispiele nannten die BLLV-Kreisverbände den eklatanten Lehrermangel und die Unterversorgung der Schulen mit Lehrerstunden. Auch für die Attraktivität des Berufs müsste dringend etwas getan werden.

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