17.03.2021 - 12:50 Uhr
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Wegen Corona: Vor der Schule bitte gurgeln

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Trotz Corona-Pandemie sollen Kinder und Jugendliche sicher in die Schulen gehen können. Dabei hilft eine Regensburger Studie. Das Ziel: Infizierte sollen frühzeitig erkannt, Schulen nicht zum Hotspot werden.

Eine Lehrerin schreibt in einer Grundschule Wörter mit "Sp" am Anfang an eine Tafel. Die Regensburger Studie WICOVIR soll den Schulen eine sichere Öffnungsperspektive bieten.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Ein Regensburger Modell für Corona-Tests in der Schule und in Kindergärten bietet den Bildungseinrichtungen eine Öffnungsperspektive. Für die Kinder und Jugendlichen sowie ihre Lehrer heißt es deshalb zwei mal in der Woche gleich morgens nach dem Aufstehen: Gurgeln bitte. Bei Schulbeginn werden die Proben gesammelt und ins Labor gebracht. Spätestens Mittag sollen die Ergebnisse vorliegen.

Die Modellstudie WICOVIR leitet der Regensburger Kindermediziner und Wissenschaftler, Professor Michael Kabesch. Die Abkürzung WICOVIR steht für "Wo ist das Corona-Virus?". Der ärztliche Direktor der Klinik St. Hedwig der Barmherzigen Brüder in Regensburg und Leiter des Wissenschafts- und Entwicklungs-Campus Regensburg (WECARE) und sein Team greifen dabei auf ihre Erfahrungen bei den Regensburger Domspatzen zurück. Dort waren im Zuge des Pilotprojekts STACDO (Studie zur Ausbruchsvermeidung von Corona bei den Domspatzen) mehrere Monate lang Schüler im Alter von 10 bis 21 Jahren regelmäßig auf das Coronavirus getestet worden. Diese Tests erfolgten mittels eines Rachenabstrichs, den die Schüler selbst vornehmen konnten. Mit diesem Umwelt-Screening war bei den Domspatzen ein sicherer Unterricht möglich.

Beim Pool-Test bis zur 30 Personen gleichzeitig

Bei WICOVIR müssen die Schüler nun Gurgeln – was deutlich angenehmer ist. Weshalb diese Form der Corona-Tests auch für Kindertagestätten geeignet ist. Das Testen erfolgt in zwei Schritten. Schüler und Lehrer gurgeln Zuhause für 30 Sekunden mit Leitungswasser. Dann kommt die Flüssigkeit in zwei Behälter. In der Schule wird einer in den Sammelbehälter der jeweiligen Klasse oder des Kurses gekippt. Der andere bleibt in der Schultasche. Zunächst wird dieser Pool, der bis zu 30 Personen aus einer Klasse oder einem Kurs umfasst, getestet. Ist dieser Test negativ, kann beruhigt weiter gelernt werden. Falls es ein positives Ergebnis im Pool geben sollte, werden alle Rückstellproben innerhalb dieser Gruppe einzeln untersucht, um die notwendigen Maßnahmen einzuleiten.

Das Video zur Studie

Ein großer Vorteil: Der Gurgeltest ist ein PCR-Test. Der Goldstandard, sagt Kabesch. Ein PCR-Test ist wesentlich genauer und empfindlicher als ein Antigen-Test. Das bietet die Chance, Infizierte zu entdecken, bevor diese selbst infektiös sind. Durch die regelmäßigen Tests werden Infektionsketten, die vor allem durch symptomfrei Infizierte innerhalb der Klasse entstehen können, vermieden. Deshalb wird zwei Mal in der Woche getestet. Der Mediziner verweist auf Modellrechnungen, die belegen, dass diese Frequenz ausreicht, um das Infektionsgeschehen in der Bevölkerung zu senken. Dies gelte auch, wenn sich nur 50 bis 75 Prozent beteiligen.

Durch die Pool-Tests "umgehen wir langen Wartezeiten in den Laboren", sagt Professor Kabesch. Die Zahl der Tests, die zum Labor gebracht und dort ausgewertet werden muss, hält sich im Rahmen. Denn Bedingung für eine sichere Öffnung der Bildungseinrichtung ist, dass das Ergebnis bis Mittag in der Schule ist. In Regensburg können sie auf die Labor-Kapazitäten des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder und der Universitätsklinik zurückgreifen.

72.000 Tests in der Woche

Teststationen und Informationsmaterial für die Schulen wurden mit der Ostbayerischen Technischen Universität Regensburg entwickelt. Die Röhrchen können Schüler und Lehrer nach dem Auswaschen wiederverwenden. Bei bis 72.000 Tests pro Woche spart das eine Menge Material. Auch der Datenschutz ist gewährleistet. "Wir arbeiten nur mit anonymisierten und nummerierten Proben", betont Kabesch. "Die dazugehörigen Namen liegen in den jeweiligen Schulen."

Auch an Schulen in Erlangen und Nürnberg läuft die Studie. In der Metropolregion unterstützt die Friedrich-Alexander-Universität das Projekt. In Passau soll getestet werden, ob sich das Konzept auch im ländlichen Räum bewährt. Schließlich gibt es dort längere Wege zum Labor. Kabeschs Ziel ist es, dass er bis Pfingsten sagen kann, ob sich das Konzept in ganz Bayern verwirklichen lässt. Die Studie selbst soll mit Beginn der Sommerferien enden. Sein Haus will WICOVIR fördern, machte Gesundheitsminister Klaus Holetschek Anfang März deutlich. "Die Bewilligung der konkreten Fördersumme läuft derzeit noch."

Wir arbeiten nur mit anonymisierten und nummerierten Proben. Die dazugehörigen Namen liegen in den jeweiligen Schulen.

Professor Michael Kabesch, Kindermediziner und ärztlicher Direktor der Klinik St. Hedwig der Barmherzigen Brüder in Regensburg

Professor Michael Kabesch, Kindermediziner und ärztlicher Direktor der Klinik St. Hedwig der Barmherzigen Brüder in Regensburg

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Hintergrund:

WECARE

Der Wissenschafts- und Entwicklungs-Campus Regensburg (WECARE) ist im Jahr 2018 an der Klinik St. Hedwig mit Beteiligung aller Lehrstühle und Kliniken der Hedwigsklinik gegründet, gegründet worden, um wissenschaftliches Arbeiten über die Klinikgrenzen hinaus zu fördern. Im Mittelpunkt stehen vernetzte Forschungsprojekte wie langfristige Kooperationen mit der Universität Regensburg, eigene Gesundheitsstudien zu wichtigen präventiven Themen oder internationale Großforschungsprojekte in der Kinderheilkunde.

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