13.10.2020 - 15:54 Uhr
AmbergOberpfalz

Seniorenheime in Corona-Zeiten: Das nimmt das Personal alles in Kauf

Geht es um Corona, spielen viele Parameter eine Rolle. Der Faktor Mensch kommt für die Leiter der großen Amberger Seniorenheime dabei oft zu kurz. Sie meinen damit nicht nur die Bewohner, sondern auch das Personal.

So stellen sich die Leiter der großen Amberger Seniorenheime die optimale Betreuung der Bewohner vor. In Corona-Zeiten sei das aber nicht immer so einfach möglich.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Der Blick von Carsten-Armin Jakimowicz wird ernst, wenn er über die Situation in dem von ihm geleiteten Caritas-Seniorenheim an der Friedlandstraße spricht. Wegen der Pandemie und der Gefahr, die vor allem für ältere Menschen davon ausgeht. Weil aus diesem Grund und wegen der von Heim zu Heim unterschiedlichen Besuchsregeln auch am Wochenende die Telefone nicht stillstehen, hat Jakimowicz eine Entscheidung getroffen. Das Verwaltungspersonal arbeitet mittlerweile an sieben Tagen in der Woche - auch samstags und sonntags für jeweils zehn Stunden, damit sich die Pflegekräfte zum Wohle der Bewohner auf ihre Aufgaben konzentrieren können.

Kontakte auf Minimum reduziert

Man könne gar nicht hoch genug einschätzen, "was die Leute leisten", sagt der Einrichtungsleiter, der von seinem Kollegen Thomas Göldner aus dem Wallmenich-Haus bestätigt wird: "Es gibt sehr viele, die in der Pflege arbeiten und sich zurücknehmen." Private Feiern würden mit Blick auf die Ansteckungsgefahr abgesagt, Urlaube storniert und soziale Kontakte auf ein Minimum reduziert. In einem Fall, den Wolfgang Rattai, der Leiter des Caritas-Marienheims schildert, habe eine junge Frau auf ihren Erlebnisurlaub im Ausland verzichtet und stattdessen mit zwei Kolleginnen eine Städtereise in deutschen Gefilden unternommen. Jakimowicz formuliert das Lob so: "Wenn wir solche Mitarbeiter nicht hätten, könnten wir uns nicht um die uns anvertrauten Menschen kümmern."

Denn der Alltag sei seit Corona alles andere als leicht. Wolfgang Rattai nennt ein Beispiel. Die Azubis, die nicht nur im Heim arbeiten, sondern auch eine Kranken- oder Pflegeschule besuchen, müssen sich jedes Mal nach einem Wechsel der Ausbildungsstätte auf das Virus testen lassen. Einfach sei das nicht, denn: "Das Testzentrum hier in Amberg ist zum Beispiel freitags immer geschlossen." Konkret bedeute das, dass ein Auszubildender nach einer Schulwoche am Montagmorgen erst zum Arzt gehe und dann auf sein Testergebnis warten müsse. Das kann laut Thomas Göldner bis zu sieben Tage dauern: "Ich bin deswegen schon fast stündlich in Kontakt mit dem Gesundheitsamt."

Keine Reihentestungen

Auch aus diesem Grund verzichten die Amberger Seniorenheime auf Reihentestungen von Personal und Bewohnern. "Wir sehen keinen Sinn darin", sagt Göldner und ergänzt, dass dieser Weg nur bei Verdachtsfällen gegangen werde. An dieser Stelle der Geschichte kommt laut Rattai wieder des Personal ins Spiel: "Je länger diese Corona-Phase dauert, desto mehr stellt sich auch eine gewisse Routine ein. Das Personal erkennt einen Verdachtsfall jetzt früher als zu Beginn der Pandemie."

Jedes Seniorenheim hat anderes Konzept

Amberg
Kommentar:

Pflege endlich besser bezahlen

Wer die Corona-Berichterstattung in den überregionalen Medien aufmerksam verfolgt, der kommt zurzeit an Begriffen wie 7-Tage-Inzidenz, Reisewarnungen, Risikogebiete und Beherbergungsverbot nicht herum. Von vielen Branchen ist in diesen Zusammenhängen die Rede, nicht aber von der Pflege und Seniorenheimen. Sie sind aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit weitestgehend verschwunden. Das ist gut, denn es bedeutet, dass die Konzepte in den Einrichtungen greifen. Die Hotspots liegen woanders. Doch das darf nicht zur Folge haben, dass die Heime wieder aus dem Bewusstsein verschwinden. Hinter verschlossenen Türen wird teils Übermenschliches geleistet. Das haben die Gespräche mit fünf Amberger Einrichtungsleitern ergeben. Allein der Zustand, dass Auszubildende nicht ausgebildet werden können, weil sie auf ihre Testergebnisse warten müssen, ist genau genommen nicht hinnehmbar. Jeder, der in einem Seniorenheim arbeitet, wird seine eigene Geschichte beisteuern können, die vor einem Dreivierteljahr noch unvorstellbar gewesen wäre. Von Respekt, Lob, Dank, Anerkennung und Applaus kann sich das Personal nichts kaufen. Spätestens jetzt müsste klar sein, dass Pflegekräfte endlich das Geld bekommen sollten, das sie verdienen. Und zwar regelmäßig. Nicht als Einmalzahlung, die wieder in Vergessenheit gerät.

Thomas Kosarew

 

 

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