13.01.2020 - 14:04 Uhr
AmbergOberpfalz

Nach Serienbetrug im Internet: 27-Jähriger in Haft

Er weiß, dass seine Betrügereien auffliegen müssen. Doch der Industriearbeiter bietet weiter über das Internet Waren an, die er nicht hat. Polizeidienststellen in ganz Deutschland und Österreich nehmen Anzeigen von 55 Geschädigten auf.

Symbolbild
von Autor HWOProfil

Es ist eine Geschichte, wie man sie in solch drastischer Form auf regionaler Ebene bisher nicht hatte. Sie begann 2014 und mündete zunächst in eine Serie von 71 Internetbetrügereien. Immer nach der gleichen Masche: Waren über Kleinanzeigen-Portale angeboten, Geld kassiert und die offerierten Sachen nicht zugeschickt. Geprellte Kunden gingen zur Polizei. Von Flensburg bis Rosenheim. Quer durch die ganze Republik. Der Betrüger, im nördlichen Kreis Amberg-Sulzbach ansässig, kam 2017 vor das Amtsgericht in Amberg, gab den angerichteten Schaden von 20 000 Euro zu und verließ mit zwei Jahren Haft zur Bewährung das Gericht. Danach sah er sich mit enormen Rückzahlungsforderungen konfrontiert, die er nach eigenen Angaben finanziell nicht stemmen konnte. Die Folge: Die Abzockertouren gingen von Neuem los.

Weitere 55 Fälle

Vier Anklageschriften hat Staatsanwältin Raphaela Etzold nun vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts verlesen. 55 weitere Betrugsfälle waren darin aufgelistet. Im Prinzip immer die gleiche und rasch durchschaubare Vorgehensweise. Staubsauger wurden angeboten, Fotokameras, Grill-Thermometer und elektronische Geräte gelangten per Kleinanzeigen an Interessenten. Manchmal für 40 Euro, mitunter auch für 600 Euro.

Der heute 27-Jährige wusste genau: Es konnte nicht gutgehen. Seine Kunden überwiesen Geld und schauten in die Röhre. Eindringlich war im Netz bereits vor dem Betrüger gewarnt worden, der teilweise unter falschem Namen auftrat und Konten bei mehreren Banken hatte. Wenn sich die Leute verärgert rührten, bat er um Zeitaufschub. Dann ließ der Mann nichts mehr von sich hören. "Ich habe ein Loch gestopft, um andere zuzumachen", sagte der 27-Jährige jetzt vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts.

Der Aufwand von 1200 Aktenseiten mutete auch bei dieser zweiten Betrugsserie gigantisch an. Polizeireviere in ganz Deutschland und außerdem in Österreich nahmen Anzeigen auf. Mit Zustimmung des Angeklagten wurden die Schadensmeldungen im Gerichtssaal verlesen. Das dauerte drei Stunden. Eine Mammutaufgabe für die beiden Berufsrichter Christian Frey und Ros-witha Stöber. Doch damit blieb den Geschädigten der Weg als Zeugen nach Amberg erspart.

Bei der zweiten Betrugsserie war ein Finanzschaden von rund 13 000 Euro entstanden. Seinen gesamten Schuldenstand gab der 27-Jährige mit momentan 68 000 Euro an. Das ist offenbar auch Gebühren und Auslagen geschuldet, die er zu zahlen hat. "Sie werden das wohl begleichen müssen, wenn Sie wieder zu Geld kommen", sagte die Strafkammervorsitzende Stöber.

Als die Betrügereien im Jahr 2019 kein Ende nahmen, erwirkte die Staatsanwaltschaft am 26. Juli einen Haftbefehl. Drei Tage darauf wurde der Industriearbeiter festgenommen und hinter Gitter gebracht. Dann war Schluss mit dem Abzocken gutgläubiger Menschen.

Keine Chance auf Bewährung

Über Bewährung wurde diesmal nicht mehr geredet. Die Erste Strafkammer ging in ihrem Urteil von 55 Betrugsfällen aus. Sie schickte den 27-Jährigen dafür drei Jahre und neun Monate in Gefängnis. "Sie haben gewerbsmäßig gehandelt, waren nicht in finanzieller Notlage", hob Richterin Stöber hervor und fügte hinzu: "Das war schlicht und einfach einem Leben über Ihren Verhältnisse geschuldet". Staatsanwältin Etzold hatte im Schlussvortrag vier Jahre und drei Monate Haft verlangt, Verteidiger Michael Trummer brachte zweieinhalb Jahre Haft in die Debatte. Das Urteil wurde noch im Saal rechtskräftig.

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