03.03.2020 - 08:58 Uhr
AmbergOberpfalz

So arbeiten Schülersprecher: Demokratie aus dem Klassenzimmer

Wahlen, Anträge, Veranstaltungen planen: In ganz Bayern engagieren sich Schüler in Schülervertretungen und setzen sich dort für die Interessen ihrer Mitschüler ein. Drei Amberger Jugendliche berichten von ihrer Arbeit.

Evangelia Tsakou ist Schülersprecherin am Erasmus-Gymnasium und Bezirksschülersprecherin..

7 Uhr am Amberger Bahnhof. Während die meisten Schüler noch im Bett liegen, steht Evangelia am Bahnsteig und wartet auf ihren Zug Richtung Regensburg. Ihr Ziel: München, Landeschülerkonferenz. Evangelia Tsakou vertritt als Bezirksschülersprecherin der Gymnasien rund 30 000 Oberpfälzer Schüler.

"Bevor ich Schülersprecherin geworden bin, hatte ich selbst keine Ahnung, dass es sowas wie den Landesschülerrat gibt", gesteht die 17-Jährige aus dem Erasmus-Gymnasium. Auf der Bezirksaussprachetagung, bei der sich die Sprecher der Schulen treffen, ist sie zur Bezirksschülersprecherin gewählt worden. "Am Anfang gab es vor allem viele Mails und Terminplanungen fürs kommende Schuljahr." Danach habe die eigentliche Arbeit für sie und ihre drei Amtskollegen, darunter mit Paul Höpfner ein Schüler des Gregor-Mendel-Gymnasiums, dann erst richtig begonnen: Kontakt mit Schülersprechern halten, Social-Media Accounts pflegen, Treffen vorbereiten und aktuelle Themen sammeln.

Wichtige Termine im Jahr sind die Landesschülerkonferenzen. Neben der Vernetzung mit den Bezirksschülervertretern aus anderen Bezirken stehen Antragsdiskussionen, Berichte des Landesschülerrats oder Wahlen auf der Tagesordnung - jeweils oft stundenlang. "Über Anträge haben wir mehr als drei Stunden diskutiert. Da wird am Ende über jede Formulierung einzeln abgestimmt", fasst Tsakou Erfahrung des ersten Treffens zusammen. Mögliche Themen für Anträge, die die Schüler stellen, könnten verpflichtende Erste-Hilfe-Kurse für alle Schüler oder eine bessere digitale Ausbildung der Lehrkräfte sein.

Doch sämtliche Prozesse können nicht funktionieren, wenn das Amt des Bezirksschülersprechers oder Institutionen wie der Landesschülerrat nicht bekannt sind. "Viele Schüler wissen nicht, was wir machen. Wenn meine Mitschüler Wünsche oder Visionen für ihre Schule haben, kann ich mich nicht dafür einsetzen, wenn ich nichts davon erfahre. Ich kann kaum jemanden politisch vertreten, der nicht von mir weiß", sagt Tsakou.

Helfen könnte Werbung in den Schulen oder auf sozialen Plattformen. Doch für die vier Bezirksschülersprecher, die außerdem in Schwandorf und Regensburg zur Schule gehen, ist dieser Arbeitsaufwand häufig nur schwer zu stemmen. Auch wenn die meisten Lehrkräfte Verständnis für Fehlzeiten während des Unterrichts zeigen, seien manche verpassten Stunden nur mühsam nachzuholen - Arbeit, die neben restlichen Aufgaben in der Freizeit erledigt werden muss.

Auch Digitalisierung steht auf der Agenda der Bezirksschülersprecher: Den Stand der Ausstattung schätzt die Elftklässlerin am Erasmus-Gymnasium, als gut ein. Ein Problem besteht dennoch: "Ein paar wenige Lehrer machen mit den neuen Medien sinnvollen, interessanten Unterricht. Doch es gibt eben auch Lehrkräfte, die nicht so technisch versiert sind." Eines habe sie in ihrer kurzen Amtszeit bereits gelernt, berichtet Tsakou: Um Frust zu vermeiden, müsse sie in ihrem Amt vor allem Ausdauer mitbringen - etwa wenn es schon mal ein halbes Jahr dauert, bis Antworten des Kultusministeriums auf Anträge vorlägen. Dennoch blickt die Schülerin positiv in die Zukunft: "Den politischen Einfluss, den wir haben, müssen wir nutzen und je mehr Menschen uns kennen, desto größer wird er."

Seit drei Jahren

Stundenlanges Ringen

Doch nicht nur politische Antragsarbeit bietet Teilhabemöglichkeiten. Dass demokratische Prozesse auch konkret in Schulen beginnen können, zeigt die Vertretung der Willmannschule in Amberg. Bei einem Gespräch im Sonderpädagogischen Förderzentrum (SFZ) berichten die Schülersprecher von ihren Möglichkeiten, das Schulleben zu verbessern. Patricia Pirke, die bereits seit drei Jahren Schülersprecherin ist, engagiert sich auch als Schülerlotsin, Streitschlichterin und Klassensprecherin. "Mir macht die Arbeit Spaß. Die anderen Schüler vertrauen mir und auch die Lehrer versuchen, uns in Entscheidungen mit einzubinden."

App für Schülerwünsche

"Über eine App kann jeder Schüler Wünsche zur Schule posten, über die dann alle abstimmen", berichtet Achtklässler Maiki Bugera. Die Anwendung "aula", 2018/19 im SFZ eingeführt, wird auf der Website der Schule als Partizipationsplattform beschrieben, "auf der Schüler eigene Ideen für eine Verbesserung der Schulkultur einstellen und über diese abstimmen können". Zwei Wünsche aus der Schülerschaft wurden gemeinsam mit der Schulleitung so bereits beschlossen, erzählen die Schülervertreter: Ein Kicker für die Pausenhalle werde angeschafft und das Schülercafé wiedereingeführt.

Für Besprechungen investieren die Jugendlichen regelmäßig Zeit: "Einmal pro Woche treffen wir uns für eine dreiviertel Stunde mit den Lehrerinnen, die uns unterstützen. Wenn wir aber beispielsweise an Ostern kleine Geschenke für jüngere Schüler verteilen, nimmt das auch mal mehr Zeit in Anspruch".

Egal, ob in München auf politischer Ebene oder in den Schulen: Durch das Engagement von Schülern und Lehrern haben junge Menschen früh die Möglichkeit, sich an demokratischen Prozessen zu beteiligen. Wie in der Willmannschule wird in ganz Bayern über Entscheidungen gemeinsam abgestimmt, Ämter demokratisch gewählt: "Schülersprecher und Vertrauenslehrer werden am Anfang des Jahres von allen Klassensprechern gewählt; die Klassensprecher von den Schülern", so erklärt der Achtklässler das Wahlverfahren. Demokratie aus dem Klassenzimmer eben.

Patricia Pirke und Maiki Bugera von der Willmannschule in Amberg.

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.