06.12.2021 - 17:35 Uhr
AmbergOberpfalz

So laufen die Booster-Impfungen in der Oberpfalz

Alles spricht darüber, fast jeder hätte gerne eine – doch wie gut geht es mit den Booster-Impfungen in der Oberpfalz tatsächlich voran? Ein Blick auf die Zahlen des Robert-Koch-Instituts gibt Aufschluss.

Booster für die Impfkampagne: Die Auffrischungsimpfungen kommen in der Oberpfalz gut voran.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Die absoluten Zahlen

Die ersten Auffrischungsimpfungen gab es in der Oberpfalz am 30. August – insgesamt 12 Stück in Stadt und Landkreis Regensburg waren es damals. Danach dümpelten die Zahlen einige Wochen. Erst am 20. Oktober gab es im Regierungsbezirk erstmals mehr als 1000 Auffrischungsimpfungen an einem Tag – 1002 waren es an diesem Mittwoch. Wirklich Fahrt nahm die Booster-Impfkampagne dann aber erst im November auf. Zuletzt gab es im Sieben-Tage-Schnitt mehr als 8300 Impfungen pro Tag. In der Summe ergeben sich – Stand 5. Dezember – inzwischen 208.285 Boosterimpfungen. Das entspricht einer Booster-Quote von 18,73 Prozent der gesamten Oberpfälzer Bevölkerung.

Wie gut werden die Impfungen von den Menschen angenommen?

Von jenen, die sich früh die erste und zweite Impfung haben geben lassen, sehr gut. Das ist der Eindruck von Dr. Klaus Ebenburger. Der Allgemeinmediziner betreibt in Amberg eine Praxis mit Schwerpunkt auf Reisemedizin und Impfen. Er sagt, dass seine Patienten der Booster-Impfung gegenüber sehr aufgeschlossen sind. Niemand sei enttäuscht, weil Erst- und Zweitimpfung nun doch nicht für langfristigen Impfschutz ausreichen. Das Problem in der Pandemie liege anderswo: "Es gibt zu wenig Erstimpfungen." Solange die Impfquote grundsätzlich nicht deutlich ansteige, lasse sich die Pandemie nicht überwinden.

Gibt es Unterschiede bei den Landkreisen?

Ja, die gibt es tatsächlich. Vor allem in Stadt und Landkreis Regensburg gehen die Boosterimpfungen schnell voran. Dort sind schon über 20 Prozent der Menschen zum dritten Mal geimpft, ebenso im Kreis Cham. Weiden und der Kreis Neustadt/WN liegen hier knapp unter 20 Prozent. In Schwandorf sind dagegen erst 16 Prozent der Bevölkerung geboostert, im Kreis Tirschenreuth liegt die Quote ebenfalls noch unter 17 Prozent.

Wie viele Menschen erfüllen in der Oberpfalz bisher überhaupt die Voraussetzung für die Booster-Impfung?

Nachdem die Ständige Impfkommission (Stiko) die Empfehlung abgeändert hat, ist nicht mehr eindeutig zu bestimmen, wann jemand geboostert werden sollte. Wenn es nach Dr. Klaus Ebenburger ginge, dann sind sechs Monate nach der zweiten Impfung der ideale Zeitpunkt. "Dann ist die Immunantwort des Körpers am besten", begründet der Amberger Mediziner. Nimmt man den Sechs-Monats-Zeitraum als Kriterium (und vernachlässigt dabei die vergleichsweise wenigen Johnson&Johnsons-Impfungen, für die eine Boosterimpfung schon früher empfohlen wird), dann kommt man Anfang Dezember auf etwas mehr als eine Viertelmillion Menschen in der Oberpfalz, deren Zweit- bzw. vollständige Impfung länger als sechs Monate zurückliegt. Etwa 79 Prozent von ihnen sind tatsächlich schon zum dritten Mal geimpft. Gut 21 Prozent oder rund 56.400 Menschen haben den Booster-Shot noch nicht erhalten, obwohl es für sie bereits sinnvoll gewesen wäre.

Und wie ist es hier in den Landkreisen?

Hier sind die Unterschiede sogar noch größer als bei den absoluten Zahlen der Impfung. In Stadt und Landkreis Regensburg sind nur knapp 8 Prozent jener Menschen noch nicht geboostert, die schon länger als 6 Monate vollständig geimpft sind. In Amberg und Amberg-Sulzbach sowie in Tirschenreuth sind es dagegen noch deutlich über 30 Prozent - fast jeder Dritte, für den eine Booster-Impfung bereits sinnvoll wäre, hat diese hier noch nicht erhalten. In diesen Regionen ging die Impfkampagne im Frühjahr sehr schnell los, das Boostern schleppt sich dagegen eher so dahin.

Lässt sich der Rückstand aufholen?

Dr. Ebenburger ist bei dieser Frage zuversichtlich. "Wir haben noch den Januar und auch den Februar für Boosterimpfungen vorgesehen", berichtet er aus seiner eigenen Amberger Praxis. So wie im Frühjahr und Sommer nicht alle Menschen auf einmal geimpft wurden, könne auch die Auffrischung nach und nach erfolgen. Tatsächlich zeigt auch ein Blick auf die Statistik, dass in den letzten Tagen die Lücke zwischen tatsächlich Geboosterten und jenen, die für eine Boosterung infrage kommen, deutlich kleiner geworden ist. Bis Ende des Jahres fehlen nach dieser Rechnung noch 240.000 Booster-Impfungen. Umgerechnet wären das rund 9700 Booster-Impfungen pro Tag in der Oberpfalz. In der vergangen Woche kamen Ärzte und Impfzentren täglich auf 9300 Impfungen. Die Zahl ist als nicht so weit von dem Zielwert entfernt. Nebenbei: Einen so hohen Wochenschnitt hat es bei den Zweitimpfungen im ablaufenden Jahr fast nie gegeben. Die Booster-Kampagne läuft also.

Dabei verstellt die Konzentration aufs Boostern in Dr. Ebenburgers Augen ein wenig die Sicht aufs tatsächliche Problem. Zu boostern sei wichtig, das stimme schon. Den Weg aus der Pandemie können aber nur Erst- und Zweitimpfungen weisen. Solange die Impfquote an sich nicht steige, lasse sich die Pandemie nicht überwinden. Auch ohne Booster gewährten die Impfungen durchaus noch Schutz, bei Ungeimpften sei dies ganz anders. Auch auf den Intensivstationen liegen nach wie vor fast ausschließlich Ungeimpfte. Impfdurchbrüche, die schwer erkranken, seien praktisch immer Menschen mit schweren Vorerkrankungen. Aus Ebenburgers Sicht führe deshalb an einer allgemeinen Impfpflicht kein Weg vorbei. Diese werde zwar kaum beim Überwinden der vierten Welle helfen, weil sie dafür schon zu spät kommt. Ohne die Pflicht sei aber eben schon heute auch eine fünfte Welle absehbar.

Booster-Impfungen visualisiert

Kommentar zur Booster-Kampagne in der Oberpfalz

Weiden in der Oberpfalz

 

 

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