23.08.2021 - 16:43 Uhr
AmbergOberpfalz

So wirken sich die neuen Coronaregeln auf Amberg aus

Seit Montag gelten neue Coronaregeln in Amberg. Das hat Auswirkungen auf den Alltag der Menschen. Alles dreht sich um die Pflichttests für Ungeimpfte, ob in der Apotheke, beim Friseur, der Sauna oder im Fitnessstudio.

Auch im Saunabereich des Kurfürstenbads gilt die 3-G-Regel.
von Redaktion ONETZProfil

Von Mareike Schwab und Wolfgang Ruppert

Ein Bild, das man am Montag des Öfteren in der Amberger Innenstadt zu sehen bekam, war das von Menschen, die in Cafés gehen wollten und an der Tür aber wieder abgewiesen wurden. Grund dafür sind die seit Wochenbeginn in Kraft getretenen neuen Coronaregeln. Aber was gilt aktuell in Amberg und wie wirken sich die Bestimmungen auf den Alltag aus?

Soviel vorweg: Wer drinnen einen Kaffee trinken oder etwas essen will, muss entweder nachweisen können, dass er bereits vollständig geimpft ist, eine Coronainfektion überstanden hat oder einen Antigen-Test hat machen lassen, der nicht älter als 24 Stunden ist. Wer einen PCR-Test vorlegen kann, darf damit 48 Stunden lang ins Wirtshaus oder ins Café gehen. Erlaubt sind zehn Personen aus drei Hausständen an einem Tisch. In der Außengastronomie ist kein Testnachweis erforderlich. (Nicht wie zuvor berichtet) Ambergs Inzidenz lag am Montag bei 68,7.

Einzelhandel

Aber was ist zum Beispiel, wenn ich einfach mal schnell in ein Sportgeschäft gehen möchte oder mir eine Zeitschrift kaufen will? Die Stadt kann bei dieser Frage weiterhelfen.

So teilt Thomas Graml von der Pressestelle mit, dass sich "beim Einzelhandel durch die neue Infektionsschutzmaßnahmenverordnung keine Änderung ergeben" haben. Das bedeutet, dass die Menschen nach Lust und Laune in der Stadt shoppen gehen dürfen.

Friseur

Friseure mussten schon vor den neuen Regeln die Kontaktdaten ihrer Kunden erfassen. Neu ist, dass dort nun auch jeder, der nicht geimpft oder genesen ist, einen negativen Test vorweisen muss, um dranzukommen. Das gilt auch für diejenigen, die ihren Termin schon länger ausgemacht haben.

Bei Mathilde Säbel vom Friseursalon Gimpl in der Baumannstraße lief am ersten Tag der neuen Regeln alles reibungslos. Sie sagt: "Keiner unserer Kunden hat sich beschwert oder etwas beanstandet." Ihr sei aufgefallen, dass die meisten Kunden, die in den Laden kamen, ohnehin bereits ihren Impfausweis dabei hatten. "Alle anderen mussten entweder einen Testnachweis vorlegen oder sich vor dem Termin noch ganz schnell testen lassen", erklärt sie. Das sei in der Regel kein Problem gewesen. "Wer nicht die Möglichkeit hatte, sich zuvor zu testen, der hat leider keinen Termin bekommen. Wir machen die Regeln nicht", erklärt sie.

Gleiches gilt auch für Kosmetikstudios im Stadtgebiet. Wer dort drankommen will, muss ebenfalls einen Nachweis oder einen Test vorlegen können.

Fitnessstudio

Die sogenannte 3-G-Regel (geimpft, genesen, getestet) gilt überdies beim Sport im Fitnessstudio. Wer also in Amberg die Muskeln trainieren will, muss sich am Eingang kontrollieren lassen. Das kann mitunter zu kuriosen Szenarien führen wie in etwa im Fall von Michael Lichtenauer vom "Clever Fit" in Amberg und in Kümmersbruck. Denn während die Nutzer in Amberg ihre Dokumente vorweisen müssen, können sie ein paar Kilometer weiter ganz ohne Beschränkungen beim Einlass ins Studio kommen.

Im Amberger Fitnessstudio haben die Mitarbeiter alle Hände voll zu tun. "Wir sind mehr damit beschäftigt Kontrollen durchzuführen, als Kurse zu geben", sagt Lichtenauer. In den Einlassarmbändern der Kunden werden seit neustem auch der Impf- oder Genesen-Nachweis hinterlegt. Damit können die Sportler das Fitnessstudio auch ohne tägliche Nachweiskontrolle betreten. Außerdem gibt es die Möglichkeit, mitgebrachte Selbsttests vor Ort und unter Aufsicht der Mitarbeiter durchzuführen. Bis jetzt hat die neue Regelung laut Lichtenauer jeder Kunde ohne Probleme angenommen.

Hocko und Sauna im Kufü

Dem Hocko spielen die neuen Regeln in die Karten. Weil die seit Montag geltenden 3-G-Regeln Einlasskontrollen nur für Sporteinrichtungen im Inneren vorschreiben, kann jeder Badegast das Freibad ohne Mehraufwand nutzen.

Vergangene Woche galt noch, dass auch Freibäder ab dem fünften Tag in Folge bei einer Inzidenz von über 50 die Besucher beim Einlass hätten überprüfen müssen. Für diesen Fall hatte Stadtwerke-Chef Stephan Prechtl bereits vor geraumer Zeit angekündigt, dass das Bad schließen würde.

Im Saunabereich im Kufü gilt die neue 3-G-Regelung allerdings. Stadtwerke Pressesprecherin Karoline Gajeck-Scheuck teilt dazu mit: "Nur mit diesen Nachweisen inklusive Personalausweis ist der Eintritt ins Kurfürstenbad Amberg möglich." Mitarbeiter der Stadtwerke werden am Eingang stehen, um die Besucher zu kontrollieren.

Aufgrund der geltenden Regeln dürfen derzeit maximal 100 Personen gleichzeitig in den Sauna- sowie in den Wellnessbereich. Gajeck-Scheuck fügt noch hinzu: "Während im ,Normalbetrieb' in der Eventsauna 80 Saunagäste schwitzen dürften, ist aktuell die maximale Personenzahl auf 19 limitiert."

Testsituation in der Apotheke

Frederik Strobl, Chef der Apotheke St. Marien in Amberg, rechnet mit einer größeren Nachfrage bei Corona-Tests. Aktuell gibt es im Testzentrum in der Marienstraße nur einen leichten Test-Anstieg. Aber das wird sich laut Strobl vermutlich bald ändern. Denn durch das momentan kalte und nasse Wetter würden immer mehr Menschen den Innenbereich der Gastronomie nutzen wollen. Die Apotheke St. Marien sei auf diese Aufgabe aber vorbereitet. Von Montag bis Sonntag wird weiterhin getestet. Es seien ausreichend Tests vorhanden.

Für Geimpfte empfiehlt Strobl das digitale Impfzertifikat. Denn der gelbe Impfpass sei ein wichtiges Dokument. "Wer das verliert, hat ein Problem", sagt Strobl. Mittlerweile würden immer mehr Menschen die Vorteile am digitalen Zertifikat erkennen. Vor allem vor den Sommerferien habe es einen großen Ansturm auf die Apotheke gegeben. "Jetzt können die Meisten das Zertifikat wirklich gebrauchen", sagt Strobl.

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Amberg
Info:

Die geltenden Regeln im Überblick

  • Private Zusammenkünfte: zehn Personen aus drei Hausstände, zuzüglich Kinder unter 14 Jahren
  • Öffentliche und private Veranstaltungen: bis zu 25 Personen in geschlossenen Räumen und bis zu 50 Personen unter freiem Himmel
  • Geimpfte und genesene Personen werden nicht mitgezählt
  • Wer nicht geimpft oder genesen ist, braucht einen Antigen-Schnelltest (nicht älter als 24 Stunden) oder einen PCR-Test (nicht älter als 48 Stunden)
  • Die Testpflicht gilt für: Innengastronomie, Kinos, körpernahe Dienstleistungen, Fitnessstudios, Schwimmbäder und Sporthallen
  • Für Besuche in Krankenhäusern oder Pflegeheimen bleibt die Testpflicht ebenfalls bestehen
  • In Hotels muss alle 72 Stunden ein neuer negativer Test vorgelegt werden
  • Kinder bis 6 Jahren und Schulkinder, die regelmäßig getestet werden, sind ausgenommen
Kommentar:

Keine aggressiven Amberger

Jetzt könnte man ja eigentlich vermuten, dass die 3-G-Regel das zum Vorschein bringt, was in den Köpfen der Menschen in Amberg schon lange da war: die Spaltung der Gesellschaft in Geimpfte und Ungeimpfte. Zwei verfeindete Lager, in die sich jeder einordnen lässt. Wer wohin gehört, erkennt man leicht daran, ob er regelmäßig zur Teststation schleicht oder nicht. Die einen verachten die anderen und umgekehrt. So eine Romeo -und-Julia-Geschichte oder eine à la „Jets“ und „Sharks“ aus „West Side Story“.

Doch wenn man sich in Amberg so umhört, dann findet man das alles nicht. Die Menschen, mit denen wir gesprochen haben, berichten nicht von chaotischen Zuständen, unvernünftigen Leuten oder Menschen, die aufeinander losgehen, weil der eine geimpft und der andere ungeimpft ist. Ganz im Gegenteil: alles läuft reibungslos.

In der Tat ist der Alltag jetzt gerade für die Leute etwas unangenehmer geworden, die sich gegen die meist zwei Pikser entschieden haben. Aber die Amberger zeigen, dass es trotzdem gut miteinander geht. Hoffen wir, dass das so bleibt und die Stimmung in ein paar Tagen nicht zu kippen beginnt.

Wolfgang Ruppert

 

 

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