12.10.2021 - 15:14 Uhr
AmbergOberpfalz

SPD-Bezirksräte besuchen Sozialpsychiatrisches Zentrum in Amberg

Besuch im Sozialpsychiatrischen Zentrum (von links): Richard Gaßner, Heid Himmelhuber, Brigitte Scharf und Georg Pilhofer.
von Gerd SpiesProfil

Das Sozialpsychiatrische Zentrum der Diakonie in Amberg leistet unbezahlbare Arbeit bei der Betreuung von psychisch Kranken. Durch Corona ist diese noch komplizierter und umfangreicher geworden. Die beiden SPD-Bezirksräte Brigitte Scharf (Tirschenreuth) und Richard Gaßner (Kümmersbruck) informierten sich jetzt aus erster Hand bei der Einrichtung in der Paulanergasse. Sie nahmen ein Bündel von Wünschen für ihre politische Arbeit im Bezirk mit.

„Wir wollen wissen, wie sich Corona auf die Arbeit der Einrichtung, die ja vom Bezirk gefördert wird, ausgewirkt hat“, erklärte Gaßner den Anlass des Besuchs. Das Sozialpsychiatrische Zentrum bietet ambulante Hilfe bei psychischen Erkrankungen und Krisen an, unterstützt die Betroffenen und deren Angehörige mit verschiedenen Dienstleistungen.

"Einsamkeit hat zugenommen"

"Die Einsamkeit hat zugenommen“, beklagt Heidi Himmelhuber, die Leiterin der Diakonie-Einrichtung in Amberg. Das sei ein Ergebnis der Pandemie. Die derzeitige Arbeit aufgrund der Auflagen durch Corona sei für sie eine Gratwanderung. Manche Veranstaltungen müssten wegen der Kontaktbeschränkungen ganz ausfallen, andere fänden nur online statt. Viele ältere Menschen seien zudem bei der Verwendung von digitalen Medien überfordert. „Wir brauchen unbedingt mehr Ehrenamtliche, die als Begleitpersonen die psychisch Kranken unterstützen“, sieht Himmelhuber als einzige Lösung. Die staatliche Aufwandsentschädigung von lediglich 155 Euro pro Jahr sei da viel zu wenig. Außerdem fehle es an allen Ecken und Enden an Personal, nicht nur bei den ambulanten Pflegeeinrichtungen, sondern auch bei der Versorgung mit Nervenärzten und Psychotherapeuten. „Patienten müssen oft monatelang auf einen Termin warten“, kritisiert sie.

Georg Pilhofer, Diplom-Sozialpädagoge an der Diakonie-Einrichtung, sieht auch in dem bürokratischen Aufwand für Betroffene ein großes Problem. „Das Dilemma sind die vielen unterschiedlichen Töpfe. Viele ältere Menschen und ihre Angehörigen blicken bei der Vielzahl von Anträgen oft nicht mehr durch.“ Genau das habe Brigitte Scharf auch in ihrem persönlichen Umfeld erfahren müssen, erzählt sie. Abhilfe könnten da die Pflegestützpunkte schaffen. Diese Beratungsstellen werden von den Kranken- beziehungsweise Pflegekassen eingerichtet, bieten Hilfesuchenden Unterstützung an.

Neuer Krisendienst

Auf eine weitere Einrichtung zur Soforthilfe in psychischen Krisen wies Himmelhuber hin, nämlich den Krisendienst. Seit 1. Juli gibt es diese Stelle für die Oberpfalz mit Standort in Schwandorf. Die Leitstelle ist rund um die Uhr telefonisch unter der Nummer 09431/3999401 erreichbar. „Die Einrichtung ist super: Es muss aber sichergestellt sein, dass die Betroffenen danach auch länger begleitet werden“, fordert Himmelhuber. Über die Prämisse „Ambulant vor Stationär“ bei der Betreuung psychisch Kranker sind sich aber alle einig. Aber dazu brauche es aber eine entsprechende personelle Ausstattung.

 

 

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