Wiedergewählt als Ertugs Stellvertreter wurden Johannes Foitzik und Birgit Fruth. Neu im Vorstand ist Uwe Bergmann. Große Einmütigkeit herrschte am Freitagabend bei den Abstimmungen beim mehrstündigen Unterbezirksparteitag im Gasthaus Forsthof in Kastl. Die 40 Delegierten, elf fehlten, vertraten dabei 1623 Parteimitglieder. Vorsitzender Ertug rief die Mitglieder eindringlich dazu auf, die Ärmel hochzukrempeln und sich im bevorstehenden Kommunalwahlkampf zu engagieren.
Ertug räumte ein, dass die SPD derzeit eine beunruhigende Talfahrt erlebt und er die Große Koalition nach wie vor für einen großen Fehler hält. Sie stelle für die SPD eine große Bürde und ein Manko dar. „Die Entscheidungen in Berlin überlagern alles“, analysierte Ertug. Die GroKo habe die Oberpfälzer SPD bei der Landtagswahl zwei Mandate gekostet, so dass sie nur noch zwei Abgeordnete stelle.
Auch angesichts des Einbruchs bei der Europawahl müsse man, vom einfachen Mitglied angefangen bis zum Landesverband hoch, sagen: Jetzt erst recht! Ertug kündigte an, dass seine Fraktion die Wahl der Kandidatin Ursula von der Leyen nicht unterstützen werde. Manfred Weber habe es sich durch sein Verhalten im Vorwahlkampf selbst zuschreiben, dass er Macron alle Argumente gegen seine Wahl geliefert habe, so Ertug.
Dass man mit guten Kandidaten Wahlen gewinnen könne, das zeige der Fall Roger Hoffmann. Er nannte Poppenricht einen Leuchtturm für die SPD. Der Europaabgeordnete rief die Mitglieder auf, sich bei der Kommunalwahlen ihrer Kraft zu besinnen und überzeugende Inhalte darzulegen. „Wir werden die Wahlen voller Motivation und Zuversicht angehen“, sagte Ertug, der dem zweitgrößten Unterbezirk in der Oberpfalz vorsteht.
Hoffnung machten ihm starke Ortsverbände mit gutem Nachwuchs wie im Fall Sulzbach-Rosenberg oder Poppenricht. Das Ziel bei der Kommunalwahl müsse sein, die Zahl der von der SPD gestellten Bürgermeister zu erhöhen und langfristig wieder Mandatsträger zu gewinnen. In diesem Zusammenhang billigte die Versammlung eine Satzungsänderung. Dadurch ist nun rechtlich abgesichert, dass auch Männer und Frauen auf SPD-Listen antreten können, die nicht der Partei angehören.
Ertug bedauerte das Handicap, was die Wahrnehmung des Unterbezirks anbelangt. Dieser sei aber stark in die Organisation der Wahlkämpfe eingebunden und mit acht Vollmitgliedern im Bezirksvorstand gut vertreten.
„Wir befinden uns nicht in einer Formkrise sondern in einer Existenzkrise“, räumte Bezirksvorsitzender Franz Schindler in seiner Rede unumwunden ein. Er stellte die Frage in den Raum: „Was haben wir denn falsch gemacht?" Der Höhenflug der Grünen müsse zu denken geben. „Man muss uns wieder zutrauen, dass wir die Zukunft des Landes gestalten können“, betonte er und hält es für notwendig, auf die jungen Wähler zuzugehen. Sein Appell: „Wir müssen uns zusammenreißen." Und: „Wir wollen es jetzt wissen. Wir müssen durchstarten!" Die SPD müsse wieder besser herausstellen, dass sie die Interessen der kleinen Leute vertrete und für einen ökologischen Wandel eintrete.
„Wer Demokratie will, muss für eine starke SPD kämpfen“, betonte der ehemalige Landtgsabgeordnete Reinhold Strobl. Der Stimmenrückgang bei der Bezirkstagswahl von 28 Prozent auf 16,9 Prozent tue richtig weh, gestand Fraktionsvorsitzender Richard Gaßner, der 1998 beim ersten Einzug in den Bezirkstag noch 39 Prozent geschafft hatte.
Kassier Hans Meßmann zufolge sind im Unterbezirk aktuell 1623 Mitglieder organisiert, davon 1070 männliche und 553 weibliche. Größter Verband ist Amberg-Sulzbach mit 1009 Mitgliedern, gefolgt von Neumarkt mit 407 und Amberg mit 207 Genossen. Die größte Altersgruppe stellen die 60- bis 70-Jährigen (432) und die 50- bis 60-Jährigen (331), den kleinsten Anteil die 90- bis 100-Jährigen (11) und die Gruppe bis zum Alter von 35 Jahren (44). Meßmann, der seit 63 Jahren Parteimitglied ist und rekordverdächtige 28 Jahre Kassier im Unterbezirk war, galt Dank für sein großes Engagement. Landrat a. D. Armin Nentwig hob besonders Meßmanns Verdienste in der Organisationsarbeit hervor. Er sei ein echtes Kraftpaket gewesen, ein Mann, der es verstand Menschen mitzureißen. Neben Meßmann verabschiedete Ismail Ertug auch Richard Gaßner, Daniel Seibert, Lukas Stollner, Brigitte Bachmann, Albert Lukas, Martin Beiderbeck und Robert Koch aus dem Unterbezirks-Vorstand. Von den 51 Delegierten fehlten elf, so dass es 40 Stimmberechtigte bei den Neuwahlen gab.
SPD-Unterbezirk
Vorsitzender: Ismail Ertug, Kümmersbruck, 37 Ja-Stimmen
Stellvertreter: Johannes Foitzik, Neumarkt, 39, Uwe Bergmann, Schnaittenbach, 37, und Birgit Fruth, Amberg, 20.
Kassier: Danielle Gömmel, Postbauer-Heng, 40.
Schriftführer: Simon Seibert, Amberg, 39.
Stellv. Schriftführer: Marin Seibert, Amberg, 29.
Orgaleiter: Lars Bucholz, Deining, 40, Georg Söldner, Rieden, 39, Dieter Weiß, Amberg, 32.
Juso-Vertreter: Jonas Lay, Haselmühl, 39.
60plus-Vertreter: Wolfgang Fesich, Neumarkt, 40.
AfA-Vertreter: Karl-Heinz König, Sulzbach-Rosenberg, 39.
Beisitzer: Michael Rischke, Ursensollen, 39, Lisa Hartinger, Haselmühl, 39, Anja Rönnebeck, Ursensollen, 38, Andreas Steiner, Seubersdorf, 38, Bettina Moser, Sulzbach-Rosenberg, 38, Isabell Bergmann, Hahnbach, 37 und Adolf Boes, Kastl, 36.
Daniel Holzapfel, nicht mehr aufgestellter Stadtratskandidat, wechselte von Amberg zum Ortsverein Haselmühl und stellte sich aus Verärgerung über die Vorgänge in der Nominierungsversammlung nicht mehr für das Amt des Internetbeauftragten zur Verfügung. Der Posten blieb unbesetzt, ebenso das Amt des Bildungsbeauftragten.













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