25.05.2021 - 15:05 Uhr
AmbergOberpfalz

Spezialkran stutzt in Amberg große Weiden an der Vils

Vergangene Woche ging es um die Amberger Allee-Bäume, jetzt sind die großen Weiden an der Vils beim Kurfürstenbad dran: Mit großem Spezialgerät werden hier seit Dienstagmorgen Bäume zurückgeschnitten. Auch hier geht es um Trockenschäden.

Baumpflege an der Vils in Amberg, in der Nähe des Kurfürstenbades: Mit einem Teleskop-Arm, an dessen Ende eine Greifersäge sitzt, packt ein Experte im Spezialfahrzeug auch größere Stammteile, sägt sie ab und bringt sie sich zu Boden.
von Heike Unger Kontakt Profil

Während Baumkletterer die Arbeiten an den Allee-Bäumen rund um Ambergs Altstadt erledigt haben, ist jetzt an der Vils im Bereich von ACC und Kurfürstenbad ein Spezialfahrzeug, ein besonderer Kran, im Einsatz: Der Rotor-Teleskoplader greift sich mit seinem Arm auch dicke Stammteile und Äste, schneidet sie ab und legt sie dann auch gleich unten am Boden ab, wo sie gehäckselt werden. Weil dabei große "Trümmer" durch die Luft bewegt werden und auch Zweige herunterfallen können, muss der Arbeitsbereich zwischen dem Großparkplatz und dem Kufü gesperrt werden, auch wenn der Geh- und Radweg an der Vils eine beliebte Strecke für Fußgänger und Radler ist.

Dass viele Passanten die Absperrung ignorieren, sehen die Verantwortlichen mit Sorge. Michael Berschneider, einer der Baum-Experten der Stadt Amberg, weist darauf hin, dass das in zweifacher Hinsicht gefährlich ist. Nicht ohne Grund tragen die Arbeitskräfte hier alle Helme. Unbefugte können sich im Bereich der Baumpflege-Arbeiten verletzen – und weil dies in einem gesperrten Areal der Fall wäre, "zahlt dann keine Versicherung. Das ist vielen nicht bewusst", meint Berschneider, als am Dienstagvormittag gerade wieder ein Jogger einfach über die Absperrung hüpft. Die Sperre sollte man also durchaus ernst nehmen.

Endstation Heizwerk

Der Trupp um Matthias Kick von der gleichnamigen Kommunal- und Forstdienstleister-Firma aus Holzhammer (Schnaittenbach), der sich für diese Aufgabe Unterstützung von auswärts in Form des großen Teleskop-Fahrzeugs geholt hat, arbeitet seit Dienstag morgen an der Vils. "Spätestens am Freitag" wollen die Experten fertig sein. Der Greifarm "kann problemlos bis zu eine Tonne Gewicht packen", erklärt Kick. "Und er kann auch stärkere Stammteile mitnehmen", wenn er sie mit der eingebauten Greifersäge abgeschnitten hat. Das so entfernte Material landet gleich an Ort und Stelle in einem speziellen Häcksler, der es zerkleinert, damit es dann in einem Heizwerk verwertet werden kann. Was sich nach einem kostspieligen Verfahren anhört, ist laut Berschneider tatsächlich günstiger und auch schneller als die doch recht aufwendige Handarbeit von Baumkletterern – wenn die Platzverhältnisse wie im Bereich der Vils den Einsatz des großen Fahrzeugs erlauben.

Schon bevor die Experten am Dienstag um 8 Uhr losgelegt haben, hatten Fachleute der Stadt überprüft, ob es in den Weiden, die zurückgeschnitten werden, Vogelnester oder bewohnte Baumhöhlen gibt. Um die Tiere nicht zu stören, werden solche Arbeiten normalerweise außerhalb der Brutzeit erledigt. "In diesem Fall geht die Sicherheit vor", sagt Berschneider: Das vierte trockene Frühjahr in Folge hat an etlichen Bäumen Schäden verursacht, die dazu führen können, dass die Bruchweiden ihrem Namen Ehre machen. "Die brechen ziemlich schnell", erklärt Bernscheinder, umso mehr, wenn die Bäume geschädigt oder gar teilweise oder ganz abgestorben sind: Dann können Äste auf Passanten fallen. Eine Frage der Verkehrssicherheit, für die die Stadt auf dem Geh- und Radweg verantwortlich ist.

Baumkletterer schneiden Amberger Allee-Bäume zurück

Amberg

Trockenheit macht sich bemerkbar

Sieben Mann sind an der Vils im Einsatz. Sie schneiden mit Hilfe des Spezialfahrzeugs, das seinen Teleskop-Arm bis zu 32 Meter hoch ausfahren und auch in einem sehr steilen Winkel arbeiten kann, die stattlichen Weiden zurück. Eine Maßnahme, die nicht oft ansteht, jetzt aber nötig ist, wie Berschneider erklärt. In den vergangenen zehn Jahren gesunkenes Grundwasser und viele trockene Monate in den zurückliegenden vier Jahren haben etliche Bäume angegriffen: Sie kommen mit ihren Wurzeln nicht mehr ans Wasser, obwohl sie nahe an der Vils wachsen. Der Regen der vergangenen Tage reiche nicht aus, um den Wassermangel auszugleichen, zumal Weiden eine sehr durstige Baumarten seien. An der Vils sind sie aber eigentlich der passende Bewuchs – wenn sie denn genügend Wasser bekämen. "Die Umstände haben sich leider verändert", merkt Bernschneider mit Blick auf die Trockenheit an.

Dass der Standort eigentlich optimal wäre, zeigt sich laut Berschneider auch darin, dass die Weiden an der Vils stattliche Ausmaße erreicht haben. Einige von ihnen seien wohl 25 bis 28 Meter hoch und 60 bis 80 Jahre alt. Damit hätten sie eigentlich das für diese Art übliche Lebensalter erreicht. So lange es geht, sollen die Bäume stehenbleiben. Dadurch, dass sie jetzt zum Teil auch kräftig zurückgeschnitten werden, "hoffen wir, dass sie wieder durchtreiben", sagt Berschneider. "Jetzt müssen wird mal schauen, wie sich die Bäume entwickeln." Einzelne Exemplare aus einer solchen Allee ganz herauszunehmen, versuche man zu vermeiden. "Das schafft andere Windverhältnisse", erläutert der Experte. Verwirbelungen könnten dann verbliebene Bäume zu Fall bringen. Lieber schneide man kräftig zurück und lasse teilweise auch abgestorbene Bäume stehen – auch, weil Totholz Lebensraum für Käfer und Höhlenbrüter wie den Specht biete.

Greifersäge mit Kamera

Dort, wo es vom Platz her möglich ist, ist bis Ende der Woche der Teleskoparm mit der Greifersäge im Einsatz. Weil es beim Kurfürstenbad etwas enger zugeht, könnte dort stattdessen auch die Arbeit von Baumkletterern gefragt sein. Dafür liegen dann auch Arbeitskorb und Seilwinde bereit. So lange es geht, packt aber der Teleskop-Greifer zu. Der lässt sich weitgehend vom Boden aus fernsteuern, weil seine Spitze nicht nur mit einer Greifersäge, sondern auch mit einer Kamera ausgerüstet ist, die zeigt, wo der Baumschneider ansetzen muss.

Kein "Vorschlag", sondern eine Sperrung, die man ernst nehmen sollte: Die Baumpflegearbeiten an der Vils im Bereich des Kufü (links im Bild) sind gefährlich für Passanten. Wer die Sperre missachtet, riskiert im Fall eines Unfalls seinen Versicherungsschutz.
Der Spezial-Greifer kann auch große Stammstücke abschneiden und sicher auf den Boden bringen.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.