09.09.2018 - 18:07 Uhr
AmbergOberpfalz

Auf den Spuren von Spiele-Erfinder Schmidt

Welche Geschichte steckt hinter dem Kurfürstlichen Schloss? Warum schauen Ambergs Brücken so aus wie sie aussehen? Am Tag des offenen Denkmals gibt es Spannendes zu erleben: Zum Beispiel auch, wie es um die Lebensverhältnisse zur Zeit des Mensch-ärgere-Dich-nicht-Erfinders Joseph Friedrich Schmidt bestellt war.

Am Geburtshaus des Brettspielerfinders von Mensch-ärgere-Dich-nicht, Joseph Friedrich Schmidt, am Malteserplatz beginnt Stadtführerin Hannelore Zapf (Dritte von rechts) ihre Runde. Sie bringt den Besuchern die Lebensverhältnisse der Amberger um die Zeit 1871, dem Geburtsjahr Schmidts, näher.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Wo muss eine Führung beginnen, die den Besuchern nähern bringen will, wie die Amberger um das Jahr 1871 gelebt haben? Natürlich am Geburtshaus des Erfinders des Spieleklassikers Mensch-ärgere-Dich-nicht, Joseph Friedrich Schmidt, am Malteserplatz. An der Hausnummer 63 erinnert eine Tafel an den mittlerweile wohl berühmtesten Sohn der Stadt. Dabei wisse man eigentlich gar nicht so viel über Schmidt, erklärt Stadtführerin Hannelore Zapf. "Als Schmidt 1876 sieben Jahre alt war, sind dessen Eltern wohl weggezogen."

Dann verliere sich zunächst seine Spur, ehe er als 23-Jähriger wieder auftaucht, als er in Würzburg eine Frau heiratet. Mit ihr hat Schmidt drei Kinder und wohnt später in Giesing, ein ärmeres Viertel Münchens zu dieser Zeit. "Die Wohnungen sind klein, Schmidts Buben sind wild. Also erfindet er kurzerhand aus einer Hutschachtel aus Pappe das Spielbrett und schnitzt aus Holz die Figuren." Mensch-ärgere-Dich-nicht war geboren. 90 Millionen Mal soll das Brettspiel verkauft worden sein. "Reich wurde Schmidt dadurch aber nicht", erzählt Zapf. Vor allem während des Ersten Weltkrieges sei das Spiel weit verbreitet gewesen: "In den Lazaretten war der Spieleklassiker ein schöner Zeitvertreib für die Soldaten."

Tourismus und Max Reger

Doch wie hat dieser Schmidt die ersten sieben Jahre seines Lebens in Amberg verbracht? Wie lebte man hier? Dafür beginnt Zapf mit den Interessierten einen Rundgang: Da um die Jahrhundertwende der Tourismus so langsam am Entstehen war, zeigt sie die Gaststätte der Malteser Brauerei. "Kein Fremder ist jemals in Amberg gewesen, wenn er nicht hier in dem damals schattigen Biergarten saß", zitiert sie eine Quelle aus der Zeit.

Zapf erklärt, wie erst die Jesuiten das Viertel um die Georgskirche für sich einnahmen und später der Malteser-Orden das Areal nach seinen Vorstellungen gestaltete. Ein Zeitgenosse von Schmidt ist der bekannte Komponist Max Reger. Vor den Toren des gleichnamigen Gymnasiums sagt Zapf, dass die Einrichtung damals Königliche Lehrerbildungsanstalt hieß. Reger, der zunächst gegen den Willen seiner Eltern unbedingt Musik studieren wollte, bestand hier die Aufnahmeprüfung. "1904 war er noch einmal in Amberg, um ein Konzert im Stadttheater zu geben."

Um 1871 wurde zudem begonnen, fleißig Häuser entlang der Ringstraße zu errichten. "Zu der Zeit explodierten die Bevölkerungszahlen. Amberg wuchs über die Stadtmauern regelrecht hinaus." Teilweise wurde sie sogar eingerissen. Eine weitere Folge in der Gesellschaft war natürlich unter anderem eine Wohnungsnot. Institutionen zogen aus der Altstadt hinaus.

Das bekannteste Beispiel dürfte der Wegzug der Kaserne aus der Herrenstraße in die spätere Kaiser-Wilhelm-Kaserne beziehungsweise heute Ostbayerische Technische Hochschule sein. "Die Häuser am Ring sollten als Wohnmöglichkeit der Offiziere dienen. Leider ist von den Verzierungen und Dekorationen aus dieser Zeit heute nicht mehr viel zu sehen", bedauert Zapf. In den 50er Jahren seien viele Gebäude unter anderem einer "Entstuckung" zum Opfer gefallen.Weitere Bilder im Internet www.onetz.de/

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