01.01.2020 - 12:50 Uhr
AmbergOberpfalz

Staatsanwalt geht in Berufung zur Kreisverkehr-Tragödie

Zwei Jahre Haft mit Bewährung stehen im Urteil, das die Staatsanwaltschaft nicht akzeptiert. Sie hat Berufung eingelegt und sorgt dafür, dass der Prozess um einen schweren Verkehrsunfall beim Katharinenfriedhof in eine weitere Runde geht.

Der weiße Geländewagen überfuhr die Mitte des Kreisverkehrs, kam dadurch ins Schleudern und erfasste auf dem Gehsteig vor dem OTV-Studio zwei Menschen. Die Senioren wurden durch den Aufprall so schwer verletzt, dass sie noch an der Unfallstelle starben.
von Autor HWOProfil

Nach zwei Verhandlungstagen vor dem Amtsgericht hatte Leitender Oberstaatsanwalt Joachim Diesch in seinem Plädoyer eine Haftstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung gegen den 68-jährigen Verursacher beantragt und dies sinngemäß damit begründet, dass eine solche Ahndung zur Verteidigung der Rechtsordnung unerlässlich sei. Der die Verhandlung führende Amtsgerichtsdirektor Ludwig Stich hatte diese zwei Jahre dann auch verhängt, sie aber zur Bewährung ausgesetzt und eine Geldauflage von 10 000 Euro hinzugefügt.

Danach bekam Diesch kurz vor Weihnachten eine Woche Zeit, um gegen Stichs Entscheidung vorzugehen. Auf Anfrage sagte der Leitende Oberstaatsanwalt unmittelbar vor dem Jahreswechsel: "Es ist Berufung eingelegt worden." Damit steht fest: Das Unfallgeschehen vom November 2016, bei dem zwei Menschen am Kreisel beim Katharinenfriedhof ihr Leben einbüßten und drei weitere Beteiligte schwere Verletzungen erlitten, wird vor einer Strafkammer des Landgerichts noch einmal zur Debatte stehen. In welcher Form das geschieht, muss sich zeigen. Denn bei solchen Einsprüchen gibt es auch die Möglichkeit einer Berufung aufs Strafmaß.

Bisher nicht bekannt ist, ob auch der Verteidiger des 68-jährigen Autofahrers Berufung eingelegt hat. Denkbar wäre das. Er hatte Freispruch für seinen Mandanten gefordert und dies damit begründet, dass der zum Unfallzeitpunkt 65 Jahre alte Angeklagte einen epileptischen Anfall erlitten hatte und sich damit im Zustand der Schuldunfähigkeit befand, als die Tragödie ihren Lauf nahm.

Als unstrittig galt, dass der Beschuldigte seit vielen Jahren an Epilepsie litt und vor dem Geschehen beim Katharinenfriedhof bereits in drei Verkehrsunfälle verwickelt worden war. Er habe seine Krankheit schlichtweg ignoriert und sei weiter am Steuer von Fahrzeugen gesessen, sagte ein neurologischer Sachverständiger vor dem Amtsgericht. Dann sei es, für den Mann aus Amberg vorhersehbar, zur Katastrophe gekommen. Am Vormittag des 26. November 2016 hatte der Rentner auf der Katharinenfriedhofstraße in seinem Wagen das Bewusstsein verloren. Sein Fuß blieb auf dem Gaspedal, der Pkw wurde zunehmend schneller.

Dann rammte er zunächst ein vorausfahrendes Auto, überquerte die Mittelinsel des Kreisels und erfasste wenige Meter weiter zwei 81 und 83 Jahre alte Senioren. Beide wurden an der Hausmauer des Fernsehsenders OTV zerquetscht und starben. Das Mauerwerk stürzte bei einer Anprallgeschwindigkeit von fast 80 Stundenkilometern ein.

Zur Urteilsverkündung im Prozess um den tödlichen Unfall am OTV-Kreisel

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