Ein bisschen "klebt" der Schmalzstadel im Neustift, im Westen der Amberger Altstadt gelegen, dem Eigentümer, der Stadt Amberg, schon am Bein. Seit die Stadt 2014 das riesige Gebäude aus einer Konkursmasse heraus erworben hat, gibt es Überlegungen, was man mit dem denkmalgeschützten Komplex konkret machen könnte. Derzeit leben hier nur die städtischen Tauben, denen ihre echten Eier gegen Gipsmodelle ausgetauscht werden. Von durchaus hochtrabenden Plänen, wie dem Bau eines Studentenwohnheims, ist schon lange keine Rede mehr.
Dabei kaufte man den Schmalzstadel einst schon ein bisschen mit dem Hintergedanken, hier ein "Museum der Oberen Pfalz" etablieren zu können. Als Außenstelle des Hauses der Bayerischen Geschichte, so verriet Baureferent Markus Kühne im letzten Bauausschuss. "Schließlich haben wir schon eine längere Geschichte in Bayern als die Stadt Regensburg", sagte Kühne. Der Ausgang der Geschichte ist bekannt: Regensburg hat sein Haus der bayerischen Geschichte bekommen, die alte Hauptstadt der Oberpfalz ging wieder einmal leer aus.
Sehr groß und wenig Licht
Und damit blieb der Schmalzstadel weiter ungenutzt. Was unter anderem daran liegen könnte, dass das Gebäude sehr groß ist, gleichzeitig aber unmittelbar an der Straße liegt. Es existiert kein Vorplatz, keine Stelle, an denen mögliche Bewohner ihre Autos abstellen könnten. Es gibt keine Grünflächen und eher wenig Licht im Innern des Stadels. "Es ist halt ein Stadel, der fast keine Fenster hat", brachte Stadtheimatpflegerin Beate Wolters das auf den berühmten Punkt. Und dadurch dürfte sich unter Maßgabe des Denkmalschutzes auch in Zukunft wenig ändern.
So bedeutungslos der Schmalzstadel heute ist, umso wichtiger war er für die Amberger Bürger seit seiner Erbauung im Jahr 1526. Der Stadel diente nämlich als Lager für die Abgaben, die der Kurfürst von der Pfalz von seinen Bürgern aus der Oberen Pfalz bekam. Damit war er praktisch ein "Finanzamt" für Naturalien. Ist der Stadel selbst schon imposant genug, liegt die eigentliche architektonische Sensation unter der Erde: ein mächtiges, zweischiffiges Kellergeschoss mit einer Raumhöhe von sechs Metern, versehen mit Kreuzgewölben. Hier wurde bei einer konstanten Raumtemperatur von acht Grad früher tatsächlich das "Schmalz", also leicht verderbliche Ware, gelagert, bis sie in den Wintermonaten nach Heidelberg abtransportiert werden konnte.
Tauben und Kanonen
Schmalz wird hier schon lange nicht mehr aufbewahrt. Neben den ein bisschen lästigen Tauben gibt es im Erdgeschoss eine Art "Zeughaus" der Amberger Stadtwache, die hier ihre Wagen und Kanonen aufbewahrt. Der SPD-Fraktion im Stadtrat ist das ein bisschen zu wenig, weshalb sie den Antrag gestellt hat, der Schmalzstadel möge doch bitte einer konkreten Nutzung zugeführt werden. Und da ist dann auch schon guter Rat teuer, wie Baureferent Markus Kühne sagt.
"Was ist eine sinnvolle Nutzung?", stellte er im letzten Bauausschuss in den ebenfalls historischen Raum des Sitzungssaals im Baureferat. Eine befriedigende Antwort gibt es derzeit weder in seinem Referat noch in den Stadtratsfraktionen oder beim Oberbürgermeister. Der Schmalzstadel ist halt einfach da und wartet darauf, dass er irgendwann einmal wieder genutzt wird. Was natürlich mit einem gewissen Kostenaufwand verbunden sein würde.
In bessere Zeiten schieben
Uli Hübner von der SPD beharrte daher nicht darauf, den Stadel auf der Stelle anzupacken – die aktuelle Haushaltslage der Stadt Amberg ist auch ihm geläufig. "Wir müssen ja nicht sofort anfangen. Aber wir sollten uns überlegen, was wir machen wollen. Wir brauchen ein Konzept", forderte Hübner. Andererseits sei es aber ein "ziemlicher Schmarrn", jetzt Beschlüsse zu fassen, die anschließend nicht umgesetzt werden können, gab Michaela Frauendorfer (CSU) zu bedenken.
Jasmin Hannich, der stellvertretenden Referatsleiterin, wäre es ganz lieb, wenn man es schaffen würde, mit eigenen Personalmitteln des Referats nach und nach ein Machbarkeitskonzept zu erstellen und das ganze Projekt Schmalzstadel damit in bessere Haushaltszeiten zu schieben. Damit herrschte im Ausschuss auch weitgehend Einigkeit. Nur Josef Witt (ÖDP) stimmte dagegen. "Man muss sich eine Nutzung halt auch leisten können", so sein Argument, jetzt keine unnötige Zeit und Geld zu investieren.
Der historische Schmalzstadel in der Neustift
- Der spätgotische Quaderbau wurde laut Inschrift und nach dem Ergebnis dendrochronologischer (Alter der verwendeten Hölzer) Untersuchung im 1526 erbaut
- Er diente der Lagerung der Abgaben, die die Obere Pfalz dem Kurfürsten in Heidelberg zu leisten hatte
- Im sechs Meter hohen Keller mit einer relativ konstanten Temperatur zwischen fünf und acht Grad Celsius wurden Butter und Schmalz sowie andere leicht verderbliche Waren gelagert, bis sie in den Wintermonaten nach Heidelberg transportiert werden konnten
- Im 19. Jahrhundert diente der Schmalzstadel der Amberger Garnison als Lagerfläche
- Im 20. Jahrhundert hatte er wechselnde Eigentümer, bevor er 2014 aus einer Insolvenz in den Besitz der Stadt Amberg kam
- Seit einigen Jahren dient der Stadel als "Taubenhaus". Hier werden die echten Eier der Tauben gegen Gipsmodelle ausgetauscht
- Die Amberger Stadtwache lagert hier ihre Wagen und Kanonen













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