Amberg
20.07.2025 - 09:29 Uhr
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Stadt Amberg stellt erste Weichen für das neue Stadtviertel Leopoldkaserne

Die ehemalige Leopoldkaserne in Amberg. Das sind rund zehn Hektar Zukunftschance für die Stadt. Doch es ist auch eine Zukunftschance, die Zeit braucht, um sich zu entwickeln, wie sich jetzt im Bauausschuss gezeigt hat.

Seit knapp einem Jahr ist die Stadt Amberg im Besitz der ehemaligen Leopoldkaserne am Stadtteil Bergsteig. Die Leopoldkaserne, das sind rund zehn Hektar Fläche, bebaut mit einer denkmalgeschützten Kaserne, Baujahr 1914, zahlreichen später hinzugefügten Hallen und Anbauten sowie jeder Menge an Freiflächen, von denen ein Großteil derzeit noch versiegelt ist. Doch das Ziel für die Zukunft ist klar. Hier soll ein komplett neuer Stadtteil entstehen.

In der "neuen" Leopoldkaserne sollen Menschen wohnen, sie sollen dort aber auch arbeiten. Denkmal und Moderne, so zeigt ein erster Entwurf des Amberger Baureferenten Markus Kühne, sollen hier eine Symbiose eingehen. Ein großes Parkhaus an der Leopoldstraße wird entstehen, in dem die Bewohner des neuen Viertels ihre Fahrzeuge unterstellen können, um möglichst wenig Autoverkehr im Areal selbst zu haben. Es wird wohl auch einen neuen Kindergarten geben, ausreichend Platz für Kreativität und so weiter und so fort.

Der Weg startet jetzt

Doch bis dahin ist ein weiter Weg, wie sich im letzten Bauausschuss zeigte. Zehn bis zwölf Jahre wird es laut Baureferent Markus Kühne, in Personalunion auch Geschäftsführer der eigens für die Leopoldkaserne gegründeten Stadtentwicklungsgesellschaft, dauern, bis das ehrgeizige Projekt vollendet sein wird. Was nicht heißt, dass vorher nichts passiert. Die Stadt hat sich laut Kühne einen Teil der alten Kaserne selbst vorbehalten und wird diesen möglichst schnell auch baulich in Angriff nehmen. Der Rest des Areals soll dann so nach und nach von externen Investoren entwickelt werden. Wie gesagt: zehn bis zwölf Jahre sind der Zeitrahmen.

Doch vor den eigentlichen Baubeginn hat die Bürokratie erst einmal eine Satzung und ein städtebauliches Entwicklungskonzept gestellt. Vor allem die Satzung, so war im Bauausschuss zu erfahren, ist wichtig für künftige Investoren, um dann später auch an die entsprechende steuerliche Abschreibung zu kommen. Welche wiederum eine Investition im Denkmalbereich durchaus attraktiv macht. Am Mittwoch jedenfalls stellten Vertreter des Planungsbüros Salm & Stegen im Ausschuss schon mal das 144 Seiten starke Entwicklungskonzept vor. Wobei Stefan Salm betonte: "Wir stehen am Anfang eines Verfahrens." Die Stadt sei also nicht zwanghaft in den nächsten 15 Jahren an dieses Konzept gebunden, sollten sich in der Zwischenzeit andere Voraussetzungen ergeben.

Photovoltaik auf Denkmalgebäuden

Ein Beispiel dafür, dass man flexibel sein muss, nannte Oberbürgermeister Michael Cerny: Noch vor zehn Jahren sei es undenkbar gewesen, die Dächer von denkmalgeschützten Gebäuden mit einer Photovoltaikanlage zu belegen. Hier habe es inzwischen vom Landesamt für Denkmalschutz aber ein Umdenken gegeben. "Wichtig ist die Fortschreibung", so die Meinung der Planer zu diesem sehr lebendigen Entwicklungsprozess. Um sich den jeweiligen Gegebenheiten anpassen zu können.

Die Mitglieder des Bauausschusses fanden das Grundkonzept durchaus sehr gut, hatten aber die ein oder andere eher "handfeste" Nachfrage. So wollte Rudolf Maier (CSU) wissen, wie das mit den zahlreichen versiegelten Flächen sei, auf denen früher beispielsweise Panzer abgestellt wurden. Er könne sich durchaus vorstellen, dass die Entsiegelung dieser Flächen inklusive Bodensanierung sehr viel Geld kosten werde. Wie es denn da um die öffentliche Förderung so bestellt sei? "Wir werden das nicht auf einmal, sondern Peu à peu machen", so Baureferent Markus Kühne. Eben im Zuge der jeweils laufenden Einzelmaßnahme. Insofern könne er auch nichts über die Förderung sagen. "Weil die Regierung ja heute nicht weiß, was sie in fünf oder zehn Jahren wie fördern wird."

Jetzt den groben Rahmen setzen

Wichtig ist es laut Jasmin Hannich, Leiterin des städtischen Bauordnungs- und Stadtentwicklungsamts, aktuell den groben Rahmen für den Denkmalschutz abzustecken, um für potenzielle Investoren eine gewisse Rechtssicherheit zu schaffen. "Wir müssen auch wissen: Was kann das Gebäude? Wo kann ich Balkone anbauen? Wo müssen die Treppenhäuser liegen?", ging Baureferent Kühne auf die "Flughöhe der Gebäude" herunter, die man hier beachten müsse. Aber gerade die großen Rahmenbedingungen, so Kühne, müssten jetzt schon mal vorbereitet werden. "Wenn ich Millionen investiere, muss ich ja wissen: Was darf ich denn dort?", sagte er aus der Sicht möglicher Investoren.

Der aktuelle Rahmen sieht nun vor, diese Grundbedingungen festzuzurren. Anschließend will die Stadt Amberg mit dem ersten Bauabschnitt anfangen und damit ein Zeichen setzen. Möglicherweise, so beantwortete Baureferent Kühne eine Frage von Rudolf Scharl (Liste), werde dieser erste Bauabschnitt von der Energieversorgung her noch alleine angeschlossen. Später ist es laut Kühne aber geplant, gemeinsam mit den Stadtwerken eine zentrale Energie- und Wärmeversorgung für die Leopoldkaserne und für die Umgebung dort auf dem Gelände zu bauen. "Wir wollen auch da ein großes Konzept." Der Bauausschuss fand das gut und gab einstimmig die Empfehlung an den Stadtrat, diesem Konzept in seiner nächsten Sitzung zuzustimmen.

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Amberg20.05.2025
Hintergrund:

Die Amberger Leopoldkaserne

  • Baubeginn 1913 auf einer Fläche von zunächst 23 Tagwerk (rund 8 Hektar)
  • Sie sollte als Artilleriekaserne dienen
  • 28. September 1914 Einzug der Ersatz-Abteilung des 3. Feld-Artillerie-Regiments mit 1385 Mann und 810 Pferden unter Major Robert von Xylander
  • Wehrkreiskommando VII bezeichnet die Leopoldkaserne 1920 als die "schönste Kaserne von ganz Bayern"
  • Zwischen 1918 und 2018 100 Jahre lang vielfältige Nutzung als Kaserne und Erweiterung
  • Letzter Flaggenappell 2018 und damit Ende der Leopoldkaserne als militärische Liegenschaft
  • 2024 Kauf des rund 10,7 Hektar großen Areals durch die Stadt Amberg. Gründung der Stadtentwicklungsgesellschaft GmbH, um das Gelände optimal entwickeln zu können
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