22.06.2021 - 13:45 Uhr
AmbergOberpfalz

Startschuss für "Digitale Einkaufsstadt" Amberg

Aus dem Förderprogramm „Digitale Einkaufsstadt Bayern 2021“ fließen 60.000 Euro nach Amberg. Die Wirtschaftsförderer von der Gewerbebau legen den gleichen Betrag drauf und haben noch viel vor. Zum Beispiel in einem neuen Stadtlabor.

Wer zum Wöhrl geht, erfährt nebenbei, dass das Hockermühlbad offen hat. Info-Stelen wie diese soll es im Stadtgebiet künftig auch an anderen Stellen geben. Wo genau, ist noch offen.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Die Corona-Krise hat sich auch in Amberg negativ auf die Kundenfrequenz und das Einkaufserlebnis ausgewirkt. „Viele Kunden suchen den Weg zu internationalen E-Commerce-Plattformen“, sagt Karlheinz Brandelik, der Chef der städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft Gewerbebau. Um den Einzelhandel und die Kommunen auch in Zeiten nach dem Lockdown zu unterstützen, hat das Bayerische Wirtschaftsministerium das Modellprojekt „Digitale Einkaufsstadt“ initiiert. Der am 1. Juni abgegebene formale Amberger Antrag ist nun von Erfolg gekrönt, denn der Förderbescheid aus München liegt seit Freitag vergangener Woche auf dem Tisch. Amberg sei damit die erste "Digitale Einkaufsstadt Bayern 2021".

"Vorteile beider Welten"

Wie Brandelik auf Nachfrage wissen lässt, steuert der Freistaat in diesem und im nächsten Jahr jeweils 30.000 Euro bei. Die gleichen Beträge legt die Gewerbebau drauf, um die Digitalisierung des mittelständischen Einzelhandels und der Innenstadt voranzutreiben. Sehr zur Freude von Altstadt-Kümmerin Verena Fitzgerald, denn: „Langfristig darf für eine moderne Einkaufsstadt keine Unterscheidung zwischen stationärem und digitalem Handel mehr nötig sein. Die Vorteile beider Welten müssen eng verzahnt und effizient genutzt werden.“

So sieht es auch Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny: „Wir müssen den Händlern helfen, dass sie die Digitalisierung zu ihren Gunsten einsetzen können.“ Es gehe um mehr Sichtbarkeit und in der Konsequenz daraus um mehr Umsatz. Doch wie geht es nun weiter? Fitzgerald verrät es: „Für uns ist das jetzt im Prinzip der Startschuss.“ In den vergangenen Wochen und Monaten seien viele Ideen gesammelt und auch bereits umgesetzt worden. Nun gelte es, mit dem finanziellen Rückenwind aus München das Konzept auch in Gänze umzusetzen.

"Altstadt digitaler machen"

Das bedeute aber nicht Digitalisierung um der Digitalisierung Willen: „Wir wollen nicht jeden einzelnen kleinen Händler auf Biegen und Brechen digitalisieren. Es geht nicht darum, alles ins Internet zu bringen.“ So seien zum Beispiel auch digitale Schaufenster ein Teil des Konzepts. Fitzgerald fasst es auf Nachfrage so zusammen: „Wir wollen sowohl den lokalen Einkauf auf die Couch bringen als auch die Altstadt digitaler machen.“ Und das relativ zügig. So soll der Amberger Online-Marktplatz auf der Plattform Ebay schon im Juli starten. Brandelik: „Ein rasches Vorgehen war uns wichtig, da wir die Maßnahmen mit den Corona-Lockerungen als Unterstützung für unsere gebeutelten Händler schnellstmöglich einsetzen wollen.“

„Verschiedene Maßnahmen und Möglichkeiten“ sollen laut Brandelik nun getestet werden, um dann sagen zu können: „Bringt es das oder bringt es das nicht.“ Die Händler seien „schon auf Empfang“ und „von dem Online-Thema nicht mehr so weit entfernt“. Das habe bereits vor der Pandemie gegolten, die diesen Prozess nun natürlich beschleunigt habe. Doch in einem ganz konkreten Fall habe das Virus für eine Verzögerung gesorgt. Laut Oberbürgermeister Michael Cerny hätte das Stadtlabor im ehemaligen Reisebüro Reichert in der Bahnhofstraße längst starten sollen, doch dann habe die Stadt entschieden, einer Apotheke den Vorzug zu geben, damit diese ein Schnelltestzentrum einrichten konnte: „Da hatte die Altstadt erstmal mehr davon.“ Denn zu dieser Zeit, Ende April, durften Kunden nur mit negativem Test in die Läden.

Stadtlabor in Bahnhofstraße

Wann genau das Stadtlabor starten kann, steht laut Cerny, Brandelik und Fitzgerald noch nicht fest. Klar ist dagegen, dass es neben Räumen für ein Start-up-Unternehmen auch digitale Schaufenster und Co-Working-Plätze geben soll. Damit sind zeitlich flexible Arbeitsplätze gemeint, die sich mehrere Menschen teilen. Vorgesehen sind laut Fitzgerald auch ein Pop-up-Ausstellungsraum und E-Commerce-Schulungsräume. Parallel dazu soll es in dem Stadtlabor Marketing-Workshops für den Handel geben.

Doch damit nicht genug: In der Innenstadt sollen digitale Stelen aufgebaut werden, auf denen aktuelle Informationen über die Einkaufsstadt Amberg zu lesen sind. Wie Verena Fitzgerald verrät, sind auch die Planungen für sogenannte "Click & Collect"-Boxen fortgeschritten. Sie funktionieren so: Der Kunde ordert online, und der Händler legt die Ware in die Box. Wann die Bestellung abgeholt wird, ist jedem – unabhängig von Öffnungszeiten – selbst überlassen. Auch in diesem Fall stehe ein Starttermin noch nicht fest.

Die vier Thesen zur Zukunft des Handels

Amberg

Amberg will eine Smart City werden

Amberg
Kommentar:

Nur die Digitalisierung kann die Innenstadt retten

Gerade in Zeiten des harten Lockdowns war dieser Satz auch in Amberg immer wieder zu hören: Der Online-Handel macht die Innenstadt kaputt. Doch gerade die Pandemie hat genau das Gegenteil bewiesen. Nur die Digitalisierung kann die Zukunft des Einzelhandels sichern. Wer Werbung in eigener Sache macht und alle verfügbaren Kanäle nutzt, hat bessere Chancen, auf dem Markt zu bleiben, als der, der sich auf den eingangs beschriebenen Standpunkt zurückzieht. Auf das Internet zu schimpfen bringt nichts. Das dürften mittlerweile alle begriffen haben. Eigeninitiative ist gefragt, denn selbst junge Leute genießen es, durch ihre Heimatstadt zu bummeln. Wenn sie dann auch noch wissen, wo es gerade spezielle Angebote oder Aktionen gibt, kaufen sie vermutlich auch etwas. Die Digitalisierung ist also kein Teufelszeug, sondern der Weg, der in die Zukunft führt. Die "Digitale Einkaufsstadt Amberg" ist dabei der nicht zu überhörende Startschuss.

Thomas Kosarew

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.