01.10.2019 - 13:35 Uhr
AmbergOberpfalz

Sterben im Mittelmeer: Über die Mission von Sea-Eye

"Wenn man einmal dabei war, dann kann man nicht mehr wegschauen", sagt Steffen Franz. Der Amberger ist Teil von Sea-Eye, einer Regensburger Hilfsorganisation. Zum Tag des Flüchtlings spricht er über das Sterben im Mittelmeer.

Caritas-Geschäftsführer Günther Koller (rechts) dankte Sea-Eye-Mitglied Steffen Franz für seinen Vortrag und kündigte eine Spende von 250 Euro für die Seenotrettung im Mittelmeer an.

Gespannt lauschen knapp 20 Menschen am Tag des Flüchtlings dem Vortrag von Steffen Franz bei der Caritas. Der 47-Jährige spricht ruhig und eindringlich, er gestikuliert, um seine Worte zu unterstreichen, oder zeigt auf Statistiken und Bilder an der Wand. Ab und zu ist im Publikum ein entsetztes Einatmen oder ein leises "Oh Gott" zu hören. Das Thema des Abends: Seenotrettung im Mittelmeer. "Das Thema ist einfach immer noch super-wichtig", meint Anne Kuchler, Sozialpädagogin und Flüchtlingsbetreuerin bei der Caritas Amberg. "Wir wollen die interkulturellen Wochen und den Tag des Flüchtlings dazu nutzen, die Öffentlichkeit über die Lage im Mittelmeer zu informieren."

Über den Sea-Eye-Einsatz von Steffen Franz vor zwei Jahren

Der Amberger Steffen Franz ist seit Anfang 2017 Mitglied und Teil des Technik-Teams bei Sea-Eye. Die Regensburger Hilfsorganisation hat es sich zu Aufgabe gemacht, Geflüchteten im Mittelmeer zu helfen. Sea-Eye birgt Geflüchtete in der Regel nicht selbst, sondern versorgt sie mit humanitärer Hilfe und informiert Küstenwache und Seenot-Leitstellen. Der ehemalige Diplomingenieur war im August 2017 selbst als Deckmanager auf einem Rettungsboot. "Viele wollen sich gar nicht mit dieser Problematik befassen. Wenn man einmal dabei war, dann kann man nicht mehr wegschauen", sagt er. "Die Todesrate geht zwar zurück, aber immer noch stirbt jeder zehnte Geflüchtete auf hoher See."

Dem Publikum zeigt er nicht nur die derzeitige Lage im Mittelmeer auf, sondern erzählt auch von seinen eigenen Erfahrungen auf See. Besonders habe ihn erschreckt, was Regierungsbehörden unternehmen, um Rettungsorganisationen zu behindern. 18 Mal seit Juni 2018 hätten Regierungsbehörden Sea-Eye daran gehindert, Flüchtlingsbooten zu helfen.

"Einmal hatten wir nicht mehr genügend Tank und mussten am nächsten Hafen anlegen. Aber die Küstenwache hat unsere Funksprüche ignoriert und uns nicht in den Hafen gelassen." Ein weiteres Problem sei, dass die meisten Schiffe, wenn sie auf Flüchtlingsboote treffen, einfach weiterfahren oder bestimmte Routen meiden würden. "Seit Ende des Jahres 2016 kommen kaum mehr Boote, um Flüchtlinge aufzunehmen", sagt Franz. Auch von Sea-Eye sei derzeit kein Schiff im Mittelmeer unterwegs. Grund sei vor allem der Rückgang von Spenden. Die finanziellen Mittel reichten nicht mehr aus, um den Schiffstank zu füllen. Eine Stunde Schiffsfahrt koste circa 100 Euro. Und eine Rettungsmission könne bis zu vier Wochen dauern. Steffen Franz hat sein Publikum merklich zum Nachdenken gebracht. Auch nach dem Vortrag diskutieren die Zuhörer noch untereinander und mit dem Referenten über die Seenotrettung im Mittelmeer.

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