21.11.2018 - 10:46 Uhr
AmbergOberpfalz

Stiefeltritt bei G.O.N.D.-Festival mit juristischem Nachspiel

Wenn das G.O.N.D.-Festival bei Rieden jedes Jahr Tausende von Besuchern auf die Beine bringt, spielt neben schrillen Rockmusikklängen auch der Alkohol ein dominierende Rolle. Das führt regelmäßig zu juristischen Nachwehen. Auch heuer.

Sobald die Zeltplätze für das G.O.N.D-Festival geöffnet werden, reisen die Besucher an. Am ersten Tag kam es zu einer gefährlichen Körperverletzung, die jetzt vor Gericht verhandelt wurde.
von Autor HWOProfil

Bier und Hochprozentiges bis zum Abwinken. Gleich am ersten Festivaltag gab sich heuer am Donnerstag, 12. Juli, eine aus dem Kreis Schwandorf nach Rieden angereiste Freundesclique das, was man gemeinhin eine Dröhnung nennt. In einem der Zelte bekam ein 33-Jähriger plötzlich Streit mit seiner Freundin und schlug ihr eine Zigarette aus der Hand. Da trat einer seiner Kumpels dazwischen, wollte schlichtend eingreifen und bekam völlig unverhofft den Stiefel des 33-Jährigen mitten ins Gesicht.

Dass die Verletzungen trotz einer Stahlkappe am Stiefel nicht sehr erheblich waren, sich der Täter außerdem entschuldigte und ein Schmerzensgeld anbot, wurde vor Amtsrichter Markus Sand deutlich. Es konkretisierte sich auch, dass der Angreifer bereits wenige Stunden nach Beginn des Festivals mit über zwei Promille massiv betrunken war. Nicht nur er. Auch andere, die den gewalttätigen Übergriff sahen, hatten größere Mengen Alkohol in sich hineingeschüttet.

Der Richter bekam ein Geständnis, und er vernahm Zeugen. Dabei ergaben sich zumindest in einem Fall Widersprüche. Daraufhin unterstrich Markus Sand: "Wir können die ganze Angelegenheit gerne umfangreich aufrollen." Doch das wollte der Angeklagte nicht. Denn unterdessen, so hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt der Verhandlung ergeben, sind alle wieder miteinander versöhnt.

Im Regelfall werden Delikte wie eine gefährliche Körperverletzung mit Freiheitsentzug bedroht. Weil aber der 33-Jährige keinerlei Vorahndungen mitbrachte und seinen weitgehend folgenlos gebliebenen Stiefeltritt zugegeben hatte, verlangte Staatsanwältin Raphaela Etzold eine Geldstrafe von 120 Tagesätzen zu je 50 Euro. "Das alles muss mit wesentlich weniger als 6000 Euro abgehen", stellte sich Verteidiger Peter Grau gegen diese Forderung. Der Richter verhängte 80 Tagessätze zu 50 Euro. Das sind für den Täter mehrere Monatsgehälter.

Verteidiger Grau hatte in seinem Plädoyer beanstandet, dass seinerzeit von herbeigerufenen Polizisten mehrere Zeugen vernommen worden waren, "die sich im Zustand der Trunkenheit befanden". Eine solche Verfahrensweise könne nicht angehen, rügte der Anwalt. In seiner Urteilsbegründung stimmte ihm der Richter zu: "Protokolle mit Angaben von Leuten anzufertigen, die dem Alkohol zugesprochen haben, ist fragwürdig", sagte er.

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