28.10.2018 - 17:51 Uhr
AmbergOberpfalz

Streit um Blick vom Mariahilfberg

Ein Haus auf dem Amberger Mariahilfberg soll aufgestockt werden. Doch Stadtrat, Anwohner, Spaziergänger und Vereinsmitglieder streiten. Das Gebäude könnte dann den Blick vom Berg auf die Stadt versperren. Nun gab es einen Ortstermin.

Sie sehen den Panoramablick vom Mariahilfberg durch die beantragte Aufstockung des Hauses Nummer 10 in der Straße Am Südhang gefährdet. Hans-Jürgen Bumes (Dritter von links) hatte am Freitagnachmittag zu einem Ortstermin auf den einstmals eigens höher aufgeschütteten Aussichtspunkt geladen.
von Markus Müller Kontakt Profil

Bumes ist nicht nur Grünen-Stadtrat, sondern auch Vorsitzender der Freunde des Mariahilfbergs und hat in dieser Funktion zu einem Ortstermin geladen. Vereinsmitglieder, Anwohner und Spaziergänger treffen sich am Aussichtspunkt oberhalb des Hauses, um das es geht. Der Eigentümer möchte im Dachgeschoss zusätzlichen Wohnraum schaffen und dafür aufstocken. Der Bauantrag liegt seit 6. März bei der Stadt.

Ein Teil des Stadtrats ist der Meinung, das Vorhaben störe in unzumutbarer Weise die Aussicht vom Berg. Ob der geltende Bebauungsplan ausreicht, um diese Blickbeziehungen zu erhalten, war im Gremium umstritten, so dass zur Sicherheit ein neuer Bebauungsplan nur für die Häuser mit den Nummern 6, 8 und 10 in der Straße "Am Südhang" erlassen werden soll, mit dem diese nicht mehr in die Höhe wachsen dürfen. Problem dabei: Das könnte leicht als Verhinderungsplanung für den einen Bauantrag interpretiert werden. Und das würde die Gültigkeit des Bebauungsplans juristisch aushebeln. Bedenken in dieser Richtung meldeten CSU-Stadträte in der Sitzung des Bauausschusses am 10. Oktober an.

Lob für Baureferat

Bei dem von Bumes arrangierten Ortstermin erntete der von der Verwaltung vorgelegte Bebauungsplanentwurf dagegen viel Lob. "Sehr gut erarbeitet" sei er, findet Franz Scheibl, einer der Wortführer der Gegner des Bauprojekts. Er teilt im Namen der "Freunde zum Erhalt des Ausblicks vom Mariahilfberg" eine Stellungnahme aus, in der zu lesen ist, das Baureferat und der OB hätten darin "das öffentliche Interesse der Bürger voll berücksichtigt". Denn die heute Verantwortlichen, so sagt Scheibl, seien "verpflichtet, diesen herrlichen Blick für weitere Generationen zu erhalten". Nicht zuletzt unter touristischen Gesichtspunkten, meint Hans-Jürgen Bumes: "Manche Städte würden viel für eine solche Aussicht geben." Achim Hüttner als Vorsitzender der Interessengemeinschaft menschengerechte Stadt stuft sie gar als "unschätzbares Gut" ein. Schließlich gebe es nur drei Punkte, die eine gute Aussicht vom Berg böten. "Warum macht man das ohne Not kaputt?"

Die Aussicht ist das eine Thema an diesem Nachmittag, das Bauvorhaben für das Haus Am Südhang 10 das andere. Laut Scheibls Schreiben ist das Gebäude bereits in der aktuellen Form ein halbes Stockwerk (1,25 Meter) höher als der in den 60er Jahren genehmigte Bauantrag und damit "offensichtlich ein Schwarzbau". Und jetzt soll es noch einmal um 1,20 Meter (oder gar 1,80 Meter?) wachsen? Unvorstellbar für die rund 20 um Bumes Versammelten. "Da ist schon einmal das Recht gebrochen worden, das reicht", bringt SPD-Stadtrat Dieter Amann die vorherrschende Stimmung auf den Punkt. Sonst müsse man den Eindruck haben, "dass in Amberg Recht und Gesetz nicht mehr geachtet werden", ergänzt Franz Scheibl.

Aber wie geht es nun weiter? Zunächst wieder mit einem Ortstermin. Am 7. November will sich laut Bumes der Bauausschuss an dieser Stelle treffen und sich ein eigenes Bild machen. Dann werde auch ein Thema sein, wie sich hier der Baumaufwuchs auf die Aussicht auswirke. Das Bebauungsplanverfahren werde wohl erst Anfang nächsten Jahres abgeschlossen sein, schätzt Bumes.

Kommt Bürgerbegehren?

Bei der Gruppe, die sich für den Erhalt des Ausblicks starkmacht, gedeihen derweil schon Überlegungen, wie man weiterkämpfen kann, wenn der Stadtrat den Bebauungsplanentwurf ablehnen sollte. Eine Anwohnerin hat in der fraglichen Angelegenheit bereits einen Rechtsanwalt eingeschaltet und verweist auf den Klageweg. Sogar von einem Bürgerbegehren ist die Rede. Hätten doch junge Leute, die den Ausblick erhalten wollten, innerhalb von nur zwei Wochen 1500 Unterschriften dafür gesammelt. Da müsse man genügend Unterstützung der Öffentlichkeit bekommen, um das Bauvorhaben eines Eigentümers, der "der Allgemeinheit für immer Schaden zufügt", verhindern zu können.

Um diesen Blick geht es: Er eröffnet sich dem Betrachter ungefähr da, wo die Bergauffahrt und der Antoniweg zusammenstoßen.
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