18.02.2020 - 17:30 Uhr
AmbergOberpfalz

Mit dem Teufel im Bunde

Am "Unsinnigen Donnerstag" tanzen die Hexen am Amberger Marktplatz. Was die wenigsten wissen: Ursula Zanner kommt am 23. Dezember 1655 auf den Scheiterhaufen. Prozess und Hinrichtung finden in Amberg statt.

Bei den Hexenprozessen suchte man auch nach Muttermalen. Mit einer Nadel stach man das Muttermal an. Wenn kein Blut floss, war dies Zeichen der Hexerei (Quelle: „Hexen im Mittelalter“, Edition XXL).

"Hexen", Frauen, aber auch Männer, gab es bereits in der Antike. Es waren Personen, denen - ähnlich Zauberinnen - übernatürliche Kräfte zugeschrieben wurden. Im Mittelalter ging der Hexenverfolgung die Verfolgung der Ketzer, der Häresie Angeklagter, wie der Waldenser, Katharer oder Hussiten, voraus. Im 14. Jahrhundert bestimmte die Kirche, dass außer den Ketzern auch die der Hexerei Beschuldigten vor Gericht gestellt werden sollen.

In der sogenannten "Hexenbulle" erfasste man alle Untaten, die von Hexen begangen werden konnten. Schließlich schrieben 1487 zwei Dominikanermönche das Buch "Malleus maleficarum", den "Hexenhammer", "Gebrauchsanweisung" und "Gesetzbuch" für die Hexenprozesse. Zur Wahrheitsfindung empfahl man die Folter und darüber hinaus das "Hexenbad": Ertrank die ins Wasser Geworfene, war sie schuldig, schwamm sie auf der Wasseroberfläche, hatte der Teufel die Hand im Spiel - sie wurde ertränkt. Beweise sollte auch die Nadelprobe bringen. Mit einer Nadel stach man ein Muttermal an. Wenn kein Blut floss, war dies Zeichen der Hexerei. Wobei Muttermale an sich den Hexenverfolgern schon suspekt waren.

Denunziation aus Neid

Gründe, vor ein Hexengericht gestellt zu werden, gab es viele. Die Erzählung eines obskuren Traumes - vielleicht nach dem Genuss von zu viel mit Bilsenkraut oder Seidelbast gebrauten Bieres - genügte bereits für die Anklage. Häufiger war es allerdings Denunziation aus Missgunst, Habgier, Neid, Rache oder wegen unerklärlicher Naturerscheinungen wie Gewitter, Hagelschlag, Missernte oder Seuchen. Um sich weitere Qualen zu ersparen, gestanden Beschuldigte bei der Folter vieles, was von ihnen verlangt wurde. Dies waren nicht nur angeblich begangene Taten, auch die Anschuldigung möglicher Mittäterinnen und Mittäter. So kam es zu einem Dominoeffekt, das heißt einer Anklage folgten weitere.

Schwerpunkte der Hexenverfolgung waren von Mitte des 16. Jahrhunderts bis Mitte des 17. Jahrhunderts vor allem in Deutschland, Frankreich, Spanien und der Schweiz. Betroffen waren sowohl die Katholiken wie auch - wenn auch weniger - die Protestanten, unabhängig vom gesellschaftlichen Stand, in der Mehrzahl Frauen, aber auch Männer. Es gab auch viel Widersprüchliches bei der Vorgehensweise. So waren zum Beispiel die Calvinisten in der Schweiz Befürworter der Hexenverfolgung, in Deutschland dagegen Gegner.

Der letzte Hexenprozess soll angeblich 1782 in der Schweiz stattgefunden haben. Bei der Zahl der wegen Hexerei Hingerichteten besteht eine riesige Grauzone, Schätzungen sprechen von 50 000 bis 100 000 Menschen. Da dem Feuer eine reinigende Kraft zugeschrieben wurde, bevorzugte man für die Hinrichtung den Scheiterhaufen. Doch entgegen gängiger Vorstellung war die oder der zu Richtende beim Entzünden des Feuers meist schon tot. So wollten oft Henker der Hexe das Leid, dem sensationslüsternen Publikum, unter dem sich stets auch Kinder befanden, den qualvollen Tod der Hexe ersparen. Sie erdrosselten oder erstachen sie oder ihn unbemerkt.

Volksfest zur Hinrichtung

So ein Hexenprozess mit folgender Hinrichtung war keine preiswerte Angelegenheit. Für eine Vielzahl von Tätigkeiten wie der Entlohnung des Henkers und der Folterknechte, dem Prozess einschließlich eventueller Reisekosten für Richter und Zeugen, für die Bewachung, die Betreuung durch einen Geistlichen, den Aufbau der Richtstätte, dem Brennholz, der Henkersmahlzeit bis zur Beisetzung der Asche am Galgenberg kam eine ansehnliche Summe zusammen. Diese musste, soweit möglich, vom Nachlass der Hingerichteten oder deren Familie beglichen werden. Alfons Huber zählt in seinem Werk "Hexenwahn und Hexenprozesse" für eine Hinrichtung im Raum Straubing rund 60 Kostenfaktoren auf. Eine Hinrichtung war jedoch auch ein Volksfest. Schaulustige konsumierten, nutzten die Gelegenheit zu Einkäufen, kurzum, außer für die Betroffene und deren Familie war eine Hinrichtung für alle Beteiligten eine einträgliche Angelegenheit.

232 Hexen in der Oberpfalz

In Bayern weiß man von rund 6200 Hinrichtungen, die meisten, fast die Hälfte aller waren in Unterfranken, die wenigsten mit 232 in der Oberpfalz. Sicher war hier die Zahl der Hingerichteten höher, doch muss man den Oberpfälzern die rund 80 Jahre Reformation zugute halten, in der zumindest für protestantische Territorien keine Hinrichtungen überliefert sind. Während die Folter 1806 aufgehoben wurde, verschwand das Verbrechen der Hexerei 1813 aus dem Strafgesetzbuch.

Historisch belegt sind in der Oberpfalz unter anderem Hexenprozesse in Kallmünz (1563), Regensburg (1595), Amberg (1655), Regenstauf (1689) und Burglengenfeld (1743). Durch einen Zufall ist der 1655 in Amberg geführte Hexenprozess dokumentiert. Ursula Zanner, über 40 Jahre alt, aus Wetterfeld bei Cham stammend, kam am 23. Dezember 1655 wegen Diebstahls, verhextem Vieh und Wetterzauber auf den Scheiterhaufen. Der Prozess und die Hinrichtung fanden in Amberg statt.

Niemand wüsste mehr davon, wäre nicht nach dem Prozess das Pferd des Regierungsrates Delmuck - er saß mit auf der Richterbank - durch "Zauber" krepiert. Delmuck wollte von der Regierung in München Ersatz. Schließlich war seiner Meinung nach eine Amtshandlung die Ursache für den Tod des Pferdes. Die Regierung ließ durch den Schinder das Pferd untersuchen. Dieser kam zum Ergebnis, dass der Tod auf "Lungenfäule" (vermutlich Tuberkulose) zurückzuführen sei. Die Regierung lehnte eine Entschädigung ab. Ursula Zanner denunzierte bei der Folter zwei Frauen aus Eger als Mittäterinnen. Sie gingen jedoch straflos aus. (ddö)

Hintergrund:

Amberger Brunnen erinnert an "Hexe"

An Ursula Zanner erinnert der von Christa Bruder-Schön 1992 geschaffene Brunnen vor dem Amberger Kurfürstenbad, ein Geschenk des Rotary-Clubs und Teil des Skulpturenweges. Die Künstlerin wollte Frauen und Tiere – gleichermaßen wegen ihrer Qualitäten und Geschichte – zusammen darstellen: die Raben mit ihrer Intelligenz und der Unmöglichkeit sie einzuordnen und zu beherrschen, die weisen und um die Zusammengehörigkeit des Lebens wissenden Frauen, die als Hexen verbrannt wurden, und die Katzen, die diesen Frauen zugeordnet wurden. (ddö)

1487 schrieben zwei Dominikanermönche das Buch „Malleus maleficarum“, den „Hexenhammer“, eine „Gebrauchsanweisung“ und ein „Gesetzbuch“ für die Hexenprozesse.
Da dem Feuer eine reinigende Kraft zugeschrieben wurde, bevorzugte man für die Hinrichtung der Hexen den Scheiterhaufen. Doch entgegen gängiger Vorstellung war die Verurteilte beim Entzünden des Feuers meist schon tot. So wollten oft Henker das Leid mindern. Sie erdrosselten oder erstachen sie unbemerkt.
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