Nachmittags im Amberger Stadttheater, das als eines der schönsten Kleintheater Deutschlands gilt: Noch sind die Ränge unter dem beeindruckenden Tonnengewölbe leer, doch auf der Bühne herrscht bereits reges Treiben. Ein Flügel wird hereingebracht, Traversen werden aufgebaut, Scheinwerfer ausgerichtet. „Ja, das müsste so passen“, sagt der Mann mit der schwarzen Jacke, der gerade überall gleichzeitig zu sein scheint.
Dabei handelt es sich um Thoralf Kotlenga. Als Theatermeister ist er nicht nur dafür zuständig, dass während der Vorstellung die Beleuchtung stimmt, sondern auch dafür, dass der Ton passt. „Fast alle Vorstellungen hier im Haus sind Gastspiele“, erklärt der Wahl-Oberpfälzer, der sich vor inzwischen acht Jahren nicht nur für diesen Job, sondern auch für einen Umzug von Braunschweig nach Amberg entschieden hat. „Das bedeutet: Bühnenbild und Technik sind bereits festgelegt. Das läuft dann alles nach einem bestimmten Plan ab.“
Eines der schönsten Kleintheater
Ob dieser dann auch so eingehalten werde, das bleibe jedoch immer erst abzuwarten. Thoralf Kotlenga lacht. Aus der Ruhe bringt den gelernten Bühnentechniker so schnell nichts mehr, auch an die unregelmäßigen Arbeitszeiten hat er sich schon lange gewöhnt. „Das ist eben beim Theater so“, sagt er und schiebt eine weiße Tür herein, die zum Bühnenbild von „Spatz und Engel“ gehört, dem Stück, das in drei Tagen hier zur Aufführung kommen soll. „Von Montag bis Freitag zu denken, das gibt es bei mir nicht. Ich finde es ganz angenehm, dass ich mir dafür auch mal unter der Woche einige Tage freinehmen kann.“
Heute hat der Theatermeister ausnahmsweise einen kurzen Arbeitstag und kann schon gegen 16 Uhr Feierabend machen, bei Vorstellungen ist meistens erst um Mitternacht Schluss. „Ich bin dann der Letzte, der das Theater verlässt“, sagt der gebürtige Magdeburger, der vor seiner Zeit in Amberg schon an Repertoiretheatern in Magdeburg, Zwickau und Braunschweig gearbeitet hat.
„Wenn die Schauspieler Feierabend machen, geht’s bei uns ja erst noch einmal los mit dem Abbau“, erzählt er. „Da bleibt meistens keine Zeit, zusammen noch ein Bier trinken zu gehen. Außer natürlich, es handelt sich um ein Stück, das mehrere Tage hintereinander gespielt wird.“ Kennengelernt hat Thoralf Kotlenga schon viele bekannte Gesichter, das ist für ihn nichts Besonderes mehr. „Ich frag da bestimmt nicht nach einem Autogramm“, sagt er und lacht. „Es ist ganz einfach: Wenn jemand zu mir nett ist, bin ich eben auch nett.“
Altstadt ist einmalig
Früher habe er sich nicht vorstellen können, in einer so kleinen Stadt wie Amberg zu arbeiten und zu leben, erzählt der 56-Jährige. „Als ich jünger war, habe ich eben noch die Großstadt gebraucht.“ Das habe sich aber geändert, inzwischen fühle er sich angekommen in der Stadt, in der laut einer aktuellen Studie die Oberpfalz am lebenswertesten ist. „Die mittelalterliche Altstadt ist schon einmalig“, sagt der Wahl-Amberger. „Das kannte ich vom Norden ja so gar nicht. Toll sind natürlich auch die vielen Biergärten im Sommer. Ich habe die Oberpfälzer als sehr offen und freundlich kennengelernt, als Preuße oder Ossi hat mich hier noch keiner bezeichnet.“



















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