15.09.2021 - 15:35 Uhr
AmbergOberpfalz

Tod in der Obdachlosenunterkunft: Hätten zwei Männer eine Frau retten können?

Das Ereignis vor eineinhalb Jahren in einer Amberger Obdachlosenunterkunft blieb der Öffentlichkeit bisher verborgen. Es geht um den Tod einer Frau und die Frage, ob zwei Männer untätig blieben, um lebensrettende Maßnahmen einzuleiten.

Die Statue Justizia.
von Autor HWOProfil

Vor einer Einzelrichterin des Amtsgerichts Amberg spielte sich vor wenigen Tagen ein Diebstahlsprozess ab, zu dem ein Amberger auf die Anklagebank geholt worden war. Eher nebenbei erwähnte die Juristin während der Beweisaufnahme, dass gegen den Mann ein Verfahren der Staatsanwaltschaft "wegen einer größeren Angelegenheit anhängig ist." Recherchen unserer Zeitung im Anschluss an die Verhandlung ergaben: Es geht um den Drogentod einer Frau, deren Leiche im Frühjahr 2020 in einem Obdachlosenheim am Amberger Stadtrand gefunden worden war. Als es zum Rauschgiftkonsum kam, hielten sich mutmaßlich zwei Männer im gleichen Raum auf.

Polizei und Staatsanwaltschaft nahmen nach dem Ereignis umfangreiche Nachforschungen auf. Sie führten dazu, dass die Ermittlungsbehörde am 30. Juli 2020 eine Anklageschrift an das Amtsgericht weiterleitete. Darin wurde den beiden Männern unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen. Sie soll später noch um den Tatbestand der fahrlässigen Tötung erweitert worden sein.

Mit dem Hinweis darauf, dass die Anklage bereits erhoben worden ist, wollte sich Oberstaatsanwalt Jürgen Konrad, Sprecher der Amberger Strafverfolgungsbehörde, nicht näher zu einer Anfrage äußern. Das tat allerdings Amtsgerichtsdirektor Dr. Stefan Täschner. Er bestätigte, dass die Anklage dem Schöffengericht vorliegt und "eine Entscheidung über den weiteren Fortgang nun zeitnah getroffen werden wird."

Weitere Informationen gibt es bisher nicht. Dies gilt auch für das Alter der Beteiligten und die näheren Umstände, die zu dem Ereignis in der Obdachlosenunterkunft führten. Fest steht nur, dass einer der Männer dem Kreis von Drogenabhängigen zuzurechnen ist und gegenwärtig wegen anderer Delikte im Gefängnis sitzt. Der zweite Verdächtige soll sich auf freiem Fuß befinden. Die Unterkunft am Stadtrand steht nahezu regelmäßig als Tatort im Blickpunkt von Gerichtsverfahren. Gewalttätige Auseinandersetzungen gab es dort ebenso wie polizeiliche Nachforschungen wegen Rauschgift- und Eigentumsdelikten.

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