11.07.2019 - 18:47 Uhr
AmbergOberpfalz

Tödliches Ende einer Drückjagd

Ab kommender Woche geht es vor dem Landgericht um den tragischen Jagdunfall von Nittenau im vergangenen August. Kurz vor Beginn werden neue Details zum Geschehen bekannt.

Polizisten auf dem Feld nahe der B16 bei Nittenau. Die Ermittlungen sind inzwischen abgeschlossen, nächste Woche beginnt der Prozess.
von Autor HOUProfil

Der Fall erregte bundesweites Aufsehen: Bei einer Drückjagd auf Wildschweine, die am 12. August 2018 um 10 Uhr östlich der Stadt Nittenau (Kreis Schwandorf) begann, wurde der 47 Jahre alte Beifahrer eines vorbeifahrenden Autos von einem der abgefeuerten Projektile tödlich getroffen.

Am Dienstag, 16. Juli, beginnt vor der Ersten Strafkammer des Amberger Landgerichts der zunächst auf fünf Tage angesetzte Prozess gegen den mutmaßlichen Schützen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fahrlässige Tötung vor und geht davon aus, dass der als Ausrichter der damaligen Drückjagd geltende Jäger seine Sorgfaltspflicht verletzte.

Schütze auch Veranstalter

Der Mann hatte als Veranstalter der Jagd an diesem Sonntagmorgen zehn Waidleute eingeladen. Die Teilnehmer wurden nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft über ihre Pflichten belehrt. Dann umstellten sie ein am östlichen Stadtrand von Nittenau stehendes Maisfeld, in dem eine Rotte Wildschweine vermutet wurde.

Das Feld befand sich nur wenige Meter entfernt von der Bundesstraße 16, die von Regensburg aus in Richtung Roding führt. Der 46 Jahre alte Jagdherr soll dann auf den Hänger eines von ihm mitgebrachten Traktors gestiegen sein. Auf diesem Anhänger befand sich offenbar eine Jagdkanzel.

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Mehrere Schüsse

Als Hundeführer in das Maisfeld gingen, stoben Wildschweine heraus. Daraufhin wurde das Feuer eröffnet. Dies tat auch der 46-Jährige. Er schoss nach Erkenntnissen der Ermittlungsbehörde mehrfach. Eines der Projektile vom Kaliber 30-06 könnte, so wird vermutet, zunächst eines der in wilder Hatz flüchtenden Tiere getroffen und dessen Körper durchdrungen haben. Dann flog es weiter und schlug Sekundenbruchteile später in die Seitenscheibe eines in diesem Augenblick aus Richtung Regensburg nahenden Autos.

Dieser nahezu unglaubliche Zufall führte zu einer Tragödie: Auf dem Beifahrersitz saß ein 47 Jahre alter Mann aus Regensburg. Das Projektil durchschlug das Scheibenglas und drang in dessen rechte Körperseite ein. Das führte zu schweren Verletzungen, unter denen sich auch ein Durchschuss der Lunge befand. Der Regensburger war sofort tot. Der Fahrer des Wagens blieb unverletzt. Zu der Verhandlung vor dem Amberger Landgericht, die von der Vorsitzenden Richterin Roswitha Stöber geführt wird, sind neben zahlreichen Zeugen auch mehrere Sachverständige geladen. Die Polizei hatte im Anschluss an das tragische Ereignis dem Vernehmen nach eine größere Anzahl Jagdwaffen vorläufig sichergestellt und sie zu Vergleichsuntersuchungen an Spezialisten übergeben.

Amberg

Eine der ersten Meldungen zum Jagdunfall bei Nittenau

Nittenau

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