23.04.2019 - 08:15 Uhr
AmbergOberpfalz

Trockenheit in der Oberpfalz: Lechzen nach Regen

Seit es zum letzten Mal geregnet hat, ist ein Monat vergangen. Der Boden ist staubtrocken und die Vils führt bereits jetzt so wenig Wasser wie im heißen Hochsommer 2018.

Niedrigwasser in der Vils. Bereits jetzt fließt so wenig Wasser, wie zum Höhepunkt des Hitzesommers im August 2018.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Peter Fröhlich ist beim Wasserwirtschaftsamt Weiden für die Vils und die dazugehörigen Bäche zuständig. Was die Pegel in diesem Frühjahr registrieren, gefällt ihm gar nicht. "Wir können das heuer gar nicht mehr aufholen", sagt er. "Was auch immer heuer noch an Regen fällt, wird nicht das Grundwasser erreichen." Zu wenig hat es in den vergangenen Monaten geregnet, zu ausgetrocknet sei mittlerweile der Boden.

Fröhlich blickt zurück auf das Trockenjahr 2018. "Das war schon außergewöhnlich", sagt er über das monatelange Ausbleiben von Landregen. Im August vergangenen Jahres führte die Vils in der Amberger Innenstadt so wenig Wasser, dass Felsbrocken, die sonst immer überspült sind, trockenlagen. Die selben Steine trocknen aktuell schon wieder in der Sonne.

"Wenn es irgendwann mal wieder regnet, geht die Feuchtigkeit erstmal in die Pflanzen", erklärt Fröhlich. "Zum Grundwasser gelangt da nichts." Was auf lange Sicht dazu führen kann, dass auch die unterirdischen Wasservorräte langsam zur Neige gehen. "Wir haben das im Blick", sagt der Experte. Derzeit gebe es beim Grundwasser im Bereich der Vils aber noch keinen Niedrigwasser-Alarm. Das liege auch daran, dass das Karstgestein in der Region ein sehr leistungsfähiger Wasserspeicher ist.

Auch die Landwirte bekommen die neuerliche Trockenheit zu spüren. "Es wächst kaum was", fasst der Kreisobmann des Bauernverbandes, Peter Beer, die Lage zusammen. Jeden Tag prüft er, ob sich die Wetterdaten ändern. Die Landwirte beginnen jetzt, Mais zu säen. Spätestens wenn die Saat ausgebracht ist, sollte es dringend regnen. Besonders prekär ist die Situation in den Wäldern.

Der Waldbrandindex

Dem Leiter des Forstbetriebs Schnaittenbach, Rudolf Zwicknagl, schwant nichts Gutes. "Wir haben ja die Folgen der Jahrhundert-Trockenheit im vergangenen Jahr noch nicht verdaut. Und jetzt geht es so weiter", klagt er. "Die Bäume stehen bereits unter totalem Stress." Nicht nur die flachwurzelnden Fichten seien geschädigt, sondern mittlerweile auch die besser an Trockenheit angepassten Kiefern. "Der Borkenkäfer hat jetzt leichtes Spiel. Die Bäume bilden kein Harz mehr, mit dem sie den Käfer abwehren könnten. Sie sind jetzt mehr oder weniger schutzlos."

Hinzu kommt, dass wegen der Stürme Fabienne im September und Eberhard im März viele entwurzelte oder abgebrochene Bäume in den Wäldern herumliegen. "Da herrschen jetzt für den Borkenkäfer perfekte Brutbedingungen." Der Forstbetrieb sei mit bis zu acht Harvestern im Einsatz, um das Sturmholz zu entfernen. "Wir werden das bis Ende April schaffen." Die Gefahr sei aber, dass viele Privatwaldbesitzer nicht reagieren und deswegen Brutnester bleiben. "Es müsste jetzt mal drei Wochen regnen", sagt Zwicknagl. "Aber schön langsam. Nicht 30 Liter in drei Stunden."

Es staubt auf den Feldern: Auch die Äcker und Wiesen im Landkreis Amberg-Sulzbach sind wieder einmal zu trocken.

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