Es ist Donnerstagabend und Ralf Dittrich eigentlich schon längst daheim. Doch heute hat der Sachverständige des TÜV noch Termine. Er nimmt zwei Faschingswagen ab, die am Sonntag beim Ostbayerischen Faschingszug zum Einsatz kommen sollen. Denn nur wer ein entsprechendes Gutachten vorweisen kann, darf mitmachen. Sicherheit geht immer vor Spaß, das ist ein eisernes Gesetz. Erste Station ist das Gelände der Firma Englhard an der Sulzbacher Straße. Dort steht ein großer Festwagen, den die Englhard-Beschäftigten gemeinsam mit dem Eisenherz aufgebaut haben.
"Den Wagen habe ich schon einmal abgenommen", erinnert sich Ralf Dittrich an frühere Faschingszüge. "Das mit den Boxen gefällt mir aber gar nicht", stellt er trocken fest. Die großen Musikanlagen stehen ein gutes Stück über - und sie wackeln während der Fahrt. Beim Faschingszug selbst ist das in Ordnung, wenn es nur in Schrittgeschwindigkeit vorangeht, bei der An- und Abfahrt müssen sie aber eigens gesichert werden.
Die Leute kennen Ralf Dittrich, er kennt sie. Trotzdem stellt er keine Gefälligkeitsgutachten aus. "Wenn was passiert, dann muss ich dafür gerade stehen", macht er deutlich. Die Bremsen müssen funktionieren, die Sicherheit der Leute gewährleistet sein, die am Sonntag auf dem Wagen für die närrische Stimmung sorgen werden. "Wir benötigen eine Brüstungshöhe von mindestens einem Meter und einen rutschsicheren Boden", macht der TÜV-Ingenieur deutlich. Außerdem müssen die Zustiege hinten am Wagen angebracht sein und natürlich nicht zwischen Zugmaschine und Anhänger.
Oft nur Kleinigkeiten
Es sind oft nur Kleinigkeiten, die später einmal helfen, Unfälle zu vermeiden. Inzwischen überlegt Ralf Dittrich, für wie viele Passagiere er den Wagen zulassen kann. Zehn oder 15 sind kein Problem, 30 auf keinen Fall. Man einigt sich auf 20 , weil die sich noch gut festhalten können während der Fahrt. Aber nur Erwachsene, bitteschön: "Für jedes Kind, das hier mitfährt, brauche ich eine eigene Aufsichtsperson." Und eine Sprechfunkverbindung vom Wagen zum Fahrer des großen Bulldogs wäre auch nicht schlecht.
Ralf Dittrich ist nicht pingelig an diesem Abend, aber er kennt die Schwachstellen bei einem Faschingswagen. Der Wetterbericht für Sonntag sagt trocken und relativ warm voraus, also ist der Boden des Wagens gut rutschsicher. Auch das ist wichtig für den Mann vom TÜV. Der hat anschließend noch einen zweiten Termin in Kümmersbuch. Dort wartet ein Wagen auf ihn, den er am Vormittag schon einmal abgelehnt hat. Zu viele Mängel und die falschen Fahrzeugpapiere dabei - da hieß es nacharbeiten für die Narren.













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