11.01.2019 - 18:22 Uhr
AmbergOberpfalz

Unverkäufliche Lebensmittel: Freiwillige Spende oder Pflicht?

In Tschechien und Frankreich sind Supermärkte verpflichtet, unverkäufliche Waren zu spenden. In Deutschland ist das freiwillig. Bei den Tafeln ist man sich uneins, was besser ist.

Kunden der Tafel in Amberg holen sich Lebensmittel ab.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

(esa) In Frankreich und seit kurzem auch in Tschechien ist es Gesetz: Supermärkte müssen Lebensmittel, die sie nicht verkaufen konnten, Einrichtungen für Bedürftige geben. In Deutschland braucht es auch kein Gesetz, das Verbrauchermärkte zur Spende zwingt, findet Bernhard Saurenbach. Er ist Vorsitzender der Amberger Tafel. "Wir Tafeln kooperieren mit großen Konzernen. Und die sind uns wohlgesonnen", sagt er. "Die Tafel Amberg hat mit zirka 70 Märkten eine Vereinbarung getroffen, die zu unserer Zufriedenheit gut funktioniert." Die Geschäfte "schmeißen nichts weg", sondern geben die Waren der Tafel. Das sei nicht nur ein Vorteil für die Kunden der Tafel, die sich bei der Einrichtung die Lebensmittel abholen, sondern auch für die Betriebe. Denn durch die Spende entfallen die Kosten für die Entsorgung. Ähnlich sieht es Jochen Brühl, Vorsitzender der Tafeln Deutschland. Seit über 25 Jahren gebe es die Kooperation mit der Lebensmittelbranche.

Eine Spendenpflicht hält auch Markus Schiml "für übertrieben". Alles könne der Geschäftsführer der Edeka-Märkte in Schwarzenfeld und Hirschau nicht abgeben, "nur damit wir uns die Entsorgungskosten sparen". "Total verdorbene Artikel" werden aussortiert. Dennoch seien Lebensmittelhändler, die an die Tafeln spenden, von der Gewährleistungspflicht befreit, erläutert er. Wenn doch einmal schlecht gewordene Ware verteilt werde, haften weder Händler noch Tafel, erläutert Schiml.

Besonders viele Waren erhält die Tafel Amberg, wenn Feiertage anstehen und die Läden ungenauer disponieren. "Wir partizipieren am Überfluss", sagt Saurenbach. An anderen Tagen bleiben weniger Obst, Gemüse, Brot und ähnliches übrig - eine "Durststrecke" für die Tafel. "Das soll kein Vorwurf sein", beteuert Saurenbach. So laufe eben das Geschäft.

Für eine Spendenpflicht spricht sich Nicole Fürst aus. "Ich finde das super, ich finde das bombastisch", sagt die Vorsitzende der Tafel in Mitterteich. Fürst kritisiert: Wenn sich Menschen am Container der Supermärkte, in dem die ihre unverkauften Lebensmittel werfen, bedienen, werden sie dafür bestraft. Fürst könne generell nicht nachvollziehen, warum ein Joghurt, der laut Etikett noch zwei Tage Mindesthaltbarkeit aufweise, nicht mehr verkauft werden könne. Oder dass die ganze Packung Tomaten aussortiert werde, weil eine der Früchte nicht mehr gut sei.

Die Mitarbeiter der Tafeln öffnen in solchen Fällen die Packung, nehmen die schlecht gewordene Tomate heraus und geben den guten Rest den Bedürftigen. Notwendig wäre ein Gesetz in der Nordoberpfalz aber nicht. "Wir in Mitterteich kriegen von allen" Läden, freut sich Fürst. Auch Brühl kritisiert den Umgang vieler Verbraucher mit Lebensmitteln und ruft zu mehr Wertschätzung auf. Er sagte dem ZDF: "... jährlich schmeißen wir allein in Deutschland pro Kopf rund 82 Kilogramm genießbare Lebensmittel in den Müll."

Kommentar zum Thema

Deutschland & Welt

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.