01.02.2019 - 14:29 Uhr
AmbergOberpfalz

Urbanität am Fluss

Die Ideen liegen auf dem Tisch, die Preisträger stehen fest. Jetzt geht der Wettbewerb "Leben an der Vils" in die entscheidende Phase der lokalpolitischen Diskussion der Umsetzung. Was zur Debatte steht, kann sich jeder anschauen.

„Das hat etwas von einem ungeordneten städtebaulichen Niemandsland“: So beschreibt Baureferent Markus Kühne diesen Abschnitt des Laufes der Vils durch die Altstadt. Dass daran etwas geändert werden kann, drängt sich nahezu auf.
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Die Amberger haben ein eher pragmatisches Verhältnis zur Vils. Seit Jahrhunderten. Bis ins Mittelalter als Verkehrsweg genutzt, war der Fluss danach hauptsächlich einfach nur da und wegen seiner Hochwasser latent gefürchtet. Spätestens mit der Landesgartenschau 1996 änderte sich das. Unter dem Leitmotiv "Leben am Fluss" wurde im Süden der Stadt ein parkartiger Freiraum in Form einer naturnahen Aue entwickelt.

Das blieb den Ambergern auch nach der Landesgartenschau erhalten und sie sind stolz darauf, das Areal ist beliebt. Das war lange vor der Zeit von Baureferent Markus Kühne. Er spricht jedoch von "einer Erfolgsgeschichte", die er nun liebend gerne unter anderen Vorzeichen fortschreiben möchte. Jetzt soll der Aspekt "Leben an der Vils" in den Vordergrund rücken. Dabei geht es nicht nur um die Erschließung neuer Blickwinkel der Bürger auf ihren angestammten Fluss.

Es geht um eine neue Haltung der Amberger zur Vils. Bisher fehlen im Altstadtbereich einfach zugängliche Beziehungen eines städtischen Lebensgestus zu dem Fluss weitgehend. Nur ansatzweise gibt es sie beispielsweise im Bereich der nördlichen und südlichen Durchbrüche im Stadtgraben. Dazwischen bestimmt die Bebauung die Uferbereiche. Weiter im Norden ist der Grünbereich Kräuterwiese seit Jahren in seiner Entwicklung stehengeblieben.

Eher noch Skizzen

Der jetzige Wettbewerb sollte in erster Linie Ideen liefern, diese Barrieren Urbanität/Flusslauf aufzubrechen und durchlässig zu gestalten. Kühne spricht von "gut ausgearbeiteten Skizzen". Dass Wettbewerbs-Preisträger nicht gleich Zuschlag für die Ausführungsplanung sei, sollte auch bedacht werden. Ohne der noch nötigen Diskussionen im Bauausschuss und Stadtrat vorgreifen zu wollen, betont der Baureferent, nicht nur einzelne Ideen herauszugreifen und dann die Vils entlang flussabwärts aneinander zu reihen. "Stimmig zusammenpassen" sollten die Maßnahmen und einen "homogenen Gesamtkontext" bilden.

Die bisherigen Gegebenheiten markieren natürlich den planerischen Rahmen. Die Kräuterwiese im Norden drängt sich nahezu auf, als Areal zu einer freizeitsportlichen Nutzung weiter zu entwickeln, abseits von Vereinsanlagen. Ein Strand- oder Flussbad im originären Sinne schließt Kühne allerdings aus. Dazu ist die Vils schlichtweg zu flach, wenn auch ein Wettbewerbs-Teilnehmer einen dekorativ kraulenden Schwimmer eingezeichnet hat, wo der Fluss maximal knietief Wasser führt.

Das heißt jedoch nicht, dass es an der Kräuterwiese keine ausgedehnten Liegeflächen zum Sonnenbaden mit einem flachen Zugang zum Wasser geben könnte. In diesem Bereich, betont Kühne, komme einer adäquaten Erschließung eine hohe Bedeutung zu. Unter adäquat versteht er ebenso Fuß-/Radweg-Verbindungen wie die Bushaltestelle Maxplatz am Pfalzgrafenring und das Parkdeck-Kräuterwiese. Einige Entwürfe sehen sogar bisher nicht vorhandene Fußgängerbrücken zur Bayreuther Straße vor. Auch unterschiedliche gastronomische Konzepte sind für diesen Bereich vorgeschlagen worden.

Näher ans Wasser

Deutlich näher rücken Urbanität und Flusslauf ab der Höhe Englischer Garten zusammen. Bisher sind sie jedoch durch harsche Baulinien voneinander getrennt. Auch da heißt die Devise "ran an den Fluss". Vorgeschlagen werden abgesenkte Mauerkanten, terrassierte Übergänge oder gar schwimmende Laufstege. Kühne möchte jedenfalls auch im Kernstadtbereich näher ans Wasser rücken, so könnten ruhige innerstädtische Refugien mit viel Aufenthaltsqualität entstehen. Gravierende Probleme mit dem Wasserwirtschaftsamt sieht er nicht heraufziehen. Ein Vertreter der Fachbehörde sei Mitglied des Preisgerichts gewesen und habe seine Expertise eingebracht.

Es wird dauern

Vorbehaltlich der Diskussionen und Entscheidungen des Stadtrates schätzt der Baureferent grob, dass frühestens 2020 konkrete Maßnahmen angegangen werden könnten. Und alles auf einmal, gehe sowieso nicht. Vielmehr müsse das Projekt-Bündel "Leben an der Vils" nicht isoliert, sondern als ein Beitrag zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) gesehen werden, das auf einen zeitlichen Horizont bis in die 2030er Jahre hinein angelegt sei.

Info:

Präsentation

Alle neun eingereichten und die vier prämierten Wettbewerbsbeiträge sind bis Sonntag, 10. Februar, für alle Amberger zugänglich ausgestellt im ehemaligen Stadtarchiv, Zeughausstraße 1. Angeschaut werden können die Pläne an den beiden Samstagen von 10 bis 14 Uhr, sonntags von 14 bis 17 Uhr und von Montag bis Freitag von 15 bis 19 Uhr. (zm)

Baureferent Markus Kühne inmitten einer Auswahl der eingereichten Vorschläge. Dem Stadtrat, so sagt er, steht nun noch ein gewaltiges Stück Arbeit ins Haus. Das Plenum muss jetzt entschieden, welche der Ideen Wirklichkeit werden. Das sind nicht automatisch die Preisträger.
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