24.01.2019 - 10:59 Uhr
AmbergOberpfalz

In der Vereinskasse fehlen fast 10.000 Euro

Welche Rolle spielt der 32-Jährige im Vereinsgefüge? Ist er Wirt, Verwalter der Gastronomie oder nur mäßig entlohnter Kumpel? Fest steht: Es fehlen 9616,23 Euro. Diese Summe hat der Mann nach richterlicher Überzeugung veruntreut.

Symbolbild
von Autor HWOProfil

Es gab keinen schriftlich fixierten Vertrag. Nur eine mündliche Absprache. Im Jahr 2016 übernahm ein heute 32-Jähriger den gastronomischen Bereich eines Amberger Sportclubs und war ab dann verantwortlich für alles, was sich in dem Lokal abspielte: Einkauf, Personalmanagement und Kasse. Diese Tätigkeit übte er auf 450-Euro-Basis aus. Die Einnahmen sollte der Mann bei einem Amberger Geldinstitut am Bankautomaten einzahlen. Das tat er. Doch dann klaffte plötzlich im Frühjahr 2017 eine Finanzlücke im Budget des Sportvereins. Es fehlten nahezu 10 000 Euro. Der Vorstand hakte seinerzeit nach und bekam zur Antwort: "Habe ich am Automaten eingezahlt." Das hörte dann auch Amtsrichterin Sonja Tofolini, als sie im Oktober 2018 erstmals gegen den heute nicht mehr in Amberg lebenden 32-Jährigen verhandelte.

Angeblich eingezahlt

Konnte es sein, dass sich ein Bankautomat irrt? Die Richterin hatte damals schon Zweifel. Doch sie begann mit weiteren Ermittlungen und ließ Nachforschungen anstellen. Von dem Geldinstitut erschien nun ein Experte zur Neuauflage des wegen Untreue in Gang gebrachten Prozesses. Er machte detaillierte Ausführungen. Sie ließen sich auf den Nenner bringen: "Nicht möglich." Denn jede Einzahlung werde registriert und aufgezeichnet. Der Angeklagte blieb bis zum Schluss dabei: "Ich habe das Geld zum Bankautomaten gebracht."

Doch dann, so bohrte die Richterin nach, wäre doch wohl auch eine Quittung aus dem Gerät gekommen. "Ja", hörte sie. Doch dieser Beleg sei leider in den Wirren eines Umzugs verschwunden und nicht mehr auffindbar. Staatsanwältin Kathrin Heitzer hielt das für eine Schutzbehauptung. Sie bezeichnete es als erwiesen, dass der 32-Jährige den Betrag in die eigene Tasche gewirtschaftet habe.

Dies sei mit sieben Monaten Haft zur Bewährung zu ahnden. Die Richterin verhängte eine sechsmonatige Bewährungsstrafe und setzte 80 für die Allgemeinheit zu leistende Arbeitsstunden hinzu. In ihrer Begründung sagte Tofolini: "Es gibt keinen vernünftigen Zweifel daran, dass das Geld nicht einbezahlt wurde."

Der Vereinsvorsitzende war in dem Verfahren als Nebenkläger aufgetreten. Er hörte, dass der Sportclub nun per richterlicher Weisung einen Rückzahlunganspruch hat. Samt Zinsen und Anwaltskosten einiges über 10 000 Euro. Was ihm weit weniger gefallen haben dürfte, war die Bemerkung: "Ganz sauber gelaufen ist die Angelegenheit nicht."

Auf 450-Euro-Basis

Was die Richterin damit meinte, lässt sich so formulieren: In dem Lokal waren neben dem 32-Jährigen noch weitere Personen auf 450-Euro-Basis beschäftigt. Angeblich gab es Gehaltsabrechnungen. Doch der Angeklagte behauptete steif und fest, dass er die Monatsentlohnungen für alle in der Gastronomie beschäftigten Hilfskräfte in bar erhielt und sie an die Leute weitergab. Mitunter auch an solche, die nicht auf der Liste von 450-Euro-Bediensteten standen.

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