09.09.2019 - 17:15 Uhr
AmbergOberpfalz

Verkauf der Leopoldkaserne ist gar keiner

"Vorankündigung! Leopoldkaserne in Amberg." So ist es auf diversen Immobilienseiten im Internet zu lesen. Da liegt der Verdacht nahe, dass die Stadt Amberg von ihrem Vorkaufsrecht keinen Gebrauch machen wird. Aber so ist es nicht gemeint.

Die Leopoldkaserne aus der Luft. Geht es nach dem Willen der Stadt Amberg, dann zieht hier demnächst der Zoll ein. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) hat das Areal aber parallel in ihr Online-Portal eingestellt.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

102 000 Quadratmeter, teilerschlossen im Osten der Stadt - auf der Internetseite der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben wird die Leopoldkaserne seit einiger Zeit zum Kauf "angeboten". Und auch beim privaten Anbieter Immowelt ist diese Offerte zu finden. Ohne Kaufpreis allerdings und mit dem Hinweis, es handle sich hier nur um eine Vorankündigung. Denn an sich besitzt die zuständige Kommune, also die Stadt Amberg, ein Vorkaufsrecht für die Leopoldkaserne. Sie will hier ein Ausbildungszentrum für den Zoll einrichten, wie Oberbürgermeister Michael Cerny bereits mehrfach kundgetan hat.

Nur Vorankündigung

"Bei dem Angebot handelt es sich um eine Vorankündigung", macht die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) in ihrem Inserat deutlich. Seit dem Jahr 2012 gelte zudem, dass die Bima alle Konversionsliegenschaften, bevor diese am Markt präsentiert werden, zunächst den regional zuständigen Gebietskörperschaften bevorrechtigt zur Erfüllung ihrer öffentlichen Aufgaben zum Kauf anbietet. "Kommt es zu einer Einigung über die Konditionen des Erwerbs mit der Kommune, so wird die Liegenschaft nicht mehr am Markt präsentiert, sondern an diese verkauft", erläutert die Bima. Aber warum taucht die Kaserne dann überhaupt auf öffentlichen Internetseiten auf?

Etwas Licht bringt Hans-Peter Fehr von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in die Angelegenheit. "Im Rahmen der Expo Real (Immobilienmesse in München vom 7. bis 9. Oktober, Anm. d. Red) wird die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in regionalen Broschüren über zum Verkauf anstehende Liegenschaften informieren. Im Vorfeld werden die Liegenschaften auf unserer Web-Seite und bei Immobilienportalen veröffentlicht", schreibt er als Antwort auf eine entsprechende Anfrage von Oberpfalz-Medien. Allerdings werde - wie erfolgt - der Hinweis auf das Vorverkaufsrecht der Stadt in diese Broschüren und Anzeigen aufgenommen.

"Die Stadt Amberg hat ihr Interesse an einem Direkterwerb bekundet. Die Gespräche hierzu wurden aufgenommen", beantwortet Fehr die Frage nach dem aktuellen Stand der Verhandlungen. Erst vor wenigen Wochen hatte die Kommune ja bekräftigt, dass sie ein ernsthaftes Interesse daran hat, den Zoll mit einem Ausbildungszentrum in die Leopoldkaserne locken zu wollen. Ebenfalls stark dafür machen sich die beiden Bundestagsabgeordneten Uli Grötsch (SPD) und Alois Karl (CSU). Und auch der bayerische Finanzminister Albert Füracker hat seine Hilfe zugesagt: "Selbstverständlich unterstütze ich die Stadt Amberg bei ihren Bemühungen, sich als Standort für ein Ausbildungszentrum der Zollverwaltung des Bundes zu bewerben", so Füracker.

Entscheidung schon bald

Ins gleiche Horn stößt die Stadt selbst. Oberbürgermeister Michael Cerny hat bereits mehrfach bekundet, er halte den Standort Leopoldkaserne für ideal für die Pläne des Zolls. Hier seien von der Schießbahn bis hin zu Wohnräumen praktisch alle Voraussetzungen erfüllt. Die Stadt erklärte sich im Vorfeld sogar bereit, eine eigene Kindertagesstätte zu errichten. Doch konkurrenzlos ist die Kommune nicht. Denn Amberg befindet sich mit dem vom Bund bevorzugten Standort im Raum Nordbayern nicht allein auf weiter Flur. Vier Mitbewerber soll es geben, entschieden wird das Rennen um den Zoll wohl in sehr absehbarer Zeit.

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