18.03.2021 - 15:31 Uhr
AmbergOberpfalz

Verkehrsausschuss: Mutig genug für eine Radfahrspur auf dem Amberger Altstadtring?

Eine Spur auf einem Teilstück des Altstadtrings für Radfahrer reservieren? Die Bahnunterführung zum Klinikum gar komplett als Fahrradstraße? Die Mitglieder des Verkehrsausschusses waren einer Testphase für sechs Monate nicht abgeneigt.

In der Elisenstraße in München wurde 2020 die erste Pop-up-Bike-Lane eröffnet (Bild). In Amberg diskutieren die Stadträte ein ähnliches Vorhaben für ein kurzes Stück auf dem Altstadtring.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Es klingt revolutionär, großstädtisch und zukunftsgewandt: Soll eine Spur auf dem vierspurigen Altstadtring für Radfahrer reserviert werden? So richtig zustimmen wollten die Mitglieder des Verkehrsausschusses in ihrer Sitzung am Mittwoch im Großen Rathaussaal dem Vorschlag aber nicht. Zumindest vorerst. "Seien Sie mutig", warb Baureferent Markus Kühne für die Umsetzung einer "Protected Bike Lane" (zu Deutsch: "geschützter Fahrradstreifen"). Es ist ein Teil aus dem Radverkehrskonzept und soll - so der Vorschlag aus der Stadtverwaltung - für eine Testphase von sechs Monaten ausprobiert werden. Konkret geht es nur um ein Stück auf dem Kaiser-Ludwig-Ring zwischen Nabburger Torplatz und Ziegeltorplatz sowie die Umwidmung der Mariahilfbergweg-Unterführung zur Fahrradstraße.

Bei der Strecke auf dem vielbefahrenen Altstadtring handelt es sich um eine von vier Spuren, die bisher vornehmlich von Autos belegt wurde. Vom Kreisverkehr in Richtung Ziegeltor, so die Überlegung, könnten künftig zumindest auf der äußeren Spur die Radfahrer den Ton angeben. Die Pläne sehen für den Zeitraum einer Testphase vor, die Unterführung am Mariahilfbergweg zu einer Fahrradstraße umzugestalten - mit Freigabe für die Rettungsfahrzeuge und den ÖPNV in beide Richtungen. Baureferent Kühne erinnerte die Mitglieder im Verkehrsausschus an eine Stadtratssitzung im Oktober 2020, in der beschlossen wurde, die Umsetzung des Radverkehrskonzeptes fortzuführen und die Verteilung des Straßenraums neu zu denken. "Und da wir nur einen bestehenden Straßenraum haben, müssen wir eine Umverteilung treffen." OB Michael Cerny betonte, dass diese Diskussion einfach mal geführt werden müsse, um zu einer guten Lösung zu kommen. Eine Änderung des Ist-Zustands rund um das Klinikum und den Bahnhof, eine Verbesserung für Fußgänger und Radfahrer in diesem Areal, all das seien Forderungen, die in den vergangenen Jahren immer wieder an die Politiker in Amberg herangetragen worden seien.

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Gefahr durch querende Autos?

Doch ist eine Spur für Fahrradfahrer auf dem Altstadtring der richtige Weg? SPD-Stadtrat Dieter Amann hat so seine Zweifel und sieht die Gefahren: querende Autos, Einfahrten, Busverkehr, Rettungsdienst, Feuerwehr. Das fand auch Susanne Herding (CSU): "Ist es nicht zu gefährlich, was wir da machen?", stellte sie die Frage und gab gleichzeitig zu, dass vornehmlich die Jüngeren aus ihrer Fraktion durchaus den mutigen Schritt bevorzugen würden. Sie schlug vor, gemeinsam mit den Mitgliedern des Bauausschusses über die Thematik zu sprechen, vielleicht sogar einen Ortstermin zu vereinbaren und den Dialog mit den Bürgern zu suchen. "Wir haben in der Fraktion lange diskutiert, das wäre ein gravierender Einschnitt für den Verkehr", sagte Daniel Müller (CSU) und schob nach: "Aber warum nicht mal was Mutiges entscheiden?" Kühne betonte, dass man nicht für Hunderttausende Euro Fakten schaffen wolle, sondern es sich lediglich um einen Test handle. Darüber hinaus könne man sich auch in mehreren (Entscheidungs-)Runden einer idealen Lösung annähern.

Die Critical Mass hat es vorgemacht: Wird es in Amberg bald eine "Protected Bike Lane" geben? Die Stadträte diskutieren derzeit, ob eine sechsmonatige Testphase auf der Strecke zwischen Kreisverkehr und Ziegeltor sinnvoll wäre.

OB Michael Cerny erinnerte die Stadträte daran, dass die Fragen, die immer wieder gestellt werden würden, lauten: "Wie komme ich als Radfahrer zum Klinikum? Wie erreiche ich den Bahnhof? Wie können wir das Radfahren generell in Amberg verbessern?" Doch natürlich müsse der gesamte Verkehr im Blick behalten werden, zum Beispiel ob es Rückstau gebe oder andere Probleme. "Aber lieber ordentlich zu Beginn diskutieren, denn wenn der Test scheitert, werden wir vermutlich keine Bereitschaft mehr dazu haben, etwas derartiges auszuprobieren", sagte der Oberbürgermeister.

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Radfahrer und Regeln auf Radwegen

Polizeihauptkommissar Peter Hofrichter, der als beratendes Mitglied im Verkehrsausschuss sitzt, befürwortet von polizeilicher Seite das Schaffen von Radwegen auf der Fahrbahn. Doch er habe ein Problem mit "Protected Bike Lanes". Sie würden den Fahrradverkehr separieren, so dass sich die Radfahrer ermutigt fühlten, im Gegenverkehr darauf zu radeln - auch wenn das gar nicht erlaubt sei. "Es ist aber besser, wenn sich der Verkehr auf eine Richtung einstellen kann."

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Am Ende der Diskussion um die Protected Bike Lane im Verkehrsausschuss kam es nicht zu einer Abstimmung. OB Michael Cerny sah weiteren Redebedarf. Vor allem die Anregungen der Fachstellen, die Regelung mit den Einfahrten, die eventuelle Verkehrsverlagerung in die Marienstraße, das Verleiten zu Missbrauch, seien noch Punkte die diskutiert werden müssten. Damit wird sich am Mittwoch, 24. März, der Bauausschuss beschäftigen. "Aber ich höre auch Bereitschaft zur Diskussion heraus", so der OB, und Baureferent Markus Kühne freute sich: "Zumindest gab es kein Nein."

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