In der Regel ist der letzte Tagesordnungspunkt "Sonstiges" in Ausschüssen oder Sitzungen des Stadtrats ziemlich schnell abgehandelt. Dass das auch dieses Mal so läuft, dachte sich Bürgermeister Martin Preuß in der vergangenen Sitzung des Verkehrsausschusses. "So, jetzt sind wir auch schon fast durch", sagte er, als "Sonstiges" auf dem Plan stand. Doch er hatte sich geirrt. Denn die Verkehrsführung in der Bahnhofstraße zwischen der Oberen Nabburger Straße und dem Bahnhof mit dem entgegengesetzt zur Einbahnstraße verlaufenden Radl-Streifen sorgte für mächtig Verwirrung und einigen Diskussionsstoff. Stadträtin Christina Schleicher von den Grünen griff das Thema nach einem Bericht aus der Amberger Zeitung (Donnerstag, 19. Oktober) mit dem Titel "Neuer Fahrradweg in der Bahnhofstraße wird von Autofahrern gerne als Parkplatz angenommen" auf.
Die derzeitige Situation sei ein "Unding". Wer vom Bahnhof in die Innenstadt fährt, sieht, dass links Autos halten oder parken - genau da, wo der Fahrradverkehr eigentlich entgegengesetzt der Einbahnstraße verlaufen sollte. "Es ist unmöglich, dass der Radweg über die Parkplätze führt. Die jetzige Lösung wird sich nicht einspielen. Die Radfahrer müssen auf die Straße ausweichen, wir müssen die Situation noch einmal überdenken", erklärte sie.
Missverständnisse ausräumen
Rechtsreferent Bernhard Mitko grätschte dazwischen und sagte, dass es sich bei der Diskussion ein Missverständnis eingeschlichen hat. "Das ist kein Radweg. Die dortigen Verhältnisse sind vielmehr der Gestalt, dass wir eine Einbahnstraße haben, die es den Radfahrern lediglich erlaubt, entgegen der Fahrtrichtung zu fahren." Gleichzeitig sei links entlang der Einbahnstraße, also vom Bahnhof aus in Richtung Innenstadt, wo sich auch die Radmarkierung befindet, eine Ladezone für die Fahrzeuge, die die dort ansässigen Geschäfte beliefern. "Wir gehen davon aus, dass es den Radfahrern zuzumuten ist, zu warten, wenn es Gegenverkehr gibt." Das Problem, dass die Ladezone nach wie vor gerne als Parkplatz missbraucht werde, sei aber auch der Stadt bewusst. "Dass da geparkt wird, das passt uns allen nicht", sagte Mitko. Bürgermeister Preuß fügte hinzu: "Langsam sollten wir davon ausgehen können, dass sich die Regelung rumgesprochen hat. Deshalb sollten wir uns überlegen, ob wir das Parken dort nicht stärker sanktionieren."
Änderung schafft erst Verwirrung
Franz Gerl vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs Amberg-Sulzbach (ADFC) schlug vor, Zeit für die Ladezone von morgens acht bis zehn Uhr zu beschränken. Das lehnte Mitko mit folgendem Argument vehement ab: "Es wurde an dieser Lösung wirklich sehr lange getüftelt. Was jetzt gilt, ist ein Kompromiss zwischen allen Beteiligten, der mit anspruchsvollem Zeiteinsatz ausgehandelt wurde. Jetzt daran wieder was zu ändern, bevor es sich tatsächlich eingespielt hat, empfehlen wir vonseiten der Verwaltung nicht." Vielmehr solle man ein halbes bis dreiviertel Jahr warten, um zu testen, ob sich die Regelung bei den Verkehrsteilnehmern verfestigt.
Pizza-Lieferungen unter die Lupe nehmen
Bleibt jedoch der Fakt, dass die Bahnhofstraße die absolute Hauptverkehrsschlagader in die Amberger Innenstadt ist (5300 Fahrzeuge täglich) mit einer zusätzlichen Halteverbotszone, an die sich viele nicht halten. Stadtrat Martin Frey (Liste Amberg) glaubt jedoch nicht, dass sich die Situation von selbst bessern wird. "Das aktuell größte Problem aus meiner Sicht ist das Thema Halteverbot", sagte er. Die Fahrzeuge in der Lieferzone zu überbrücken, sei für Radfahrer machbar. "Da suche ich mir halt eine Verkehrslücke und komme um die zwei bis drei Autos herum. Aber wenn dahinter und davor vielleicht auch noch zwei, drei Autos stehen, habe ich eine verdammt lange Strecke, um da als Radfahrer gefahrlos hochzukommen." Zudem würde die Lieferzone häufig missbraucht. "Das muss hier auch einmal angesprochen werden, dass dort viele Kleinfahrzeuge stehen, die Pizzen verteilen. Die halten da nicht, weil sie mal schnell ihre Lieferung vom Laden holen wollen, sondern die parken da so lange, bis die nächste Bestellung kommt und sie wieder losfahren." Das führe "natürlich" dazu, dass es dort keine "reine, schnelle Be- und Entladezone" mehr gibt, sondern "einen Parkplatz für diese Fahrzeuge, die dort deutlich länger stehen."
Großes Unfallpotenzial
Hinzukam in der Sitzung dann auch noch, dass Gernot Schötz von der Kreisverkehrswacht großes Unfallpotenzial in der derzeitigen Lösung sieht. "Ich habe dort in letzter Zeit mehrfach Beinaheunfälle beobachtet", erklärte er. Grund: Die Radfahrer, die nun von der Innenstadt in Richtung Bahnhof unterwegs sind, hielten sich auf der rechten Seite auf dem für Räder markierten Streifen auf. "Dann stehen die Fahrzeuge, manche berechtigt, manche unberechtigt im eingeschränkten Halteverbot. Die Räder müssen dann direkt auf die Fahrbahn ausweichen und werden von den von oben kommenden Autofahrern erst im allerletzten Moment gesehen." Es sei gerade die gutgemeinte Markierung am Boden, die die Situation verschärfe. Wie Ulrich Schaller, Leiter der Stabsstelle Mobilität und Verkehr, entgegnete, lasse sich die Situation aber nicht anders lösen. Ein Schutzstreifen aufgrund der "dortigen Belange" sei nicht möglich. Letztlich bleibt es wohl erst einmal bei der Lösung der Stadtverwaltung, zu hoffen, dass sich die Lage mit der Zeit einspielt. Wie Bürgermeister Martin Preuß abschließend sagte: "Das werden wir so schnell alle miteinander nicht lösen können. Aber ich denke, das Thema bleibt unter Beobachtung und ich verspreche mir schon was von einer sukzessiven Sanktionierung der Parker."























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