30.10.2019 - 10:18 Uhr
AmbergOberpfalz

Veronika Neto - über ihr neues Leben und künstlerische Erfolge in den USA

Für ihre große Liebe Angelo wagt Veronika Neto einen Schritt, der ihr ganzes Leben ändert. 2011 wandert die in Kasachstan geborene Kümmersbruckerin in die USA aus. Newark. Großstadt. Keine sozialen Kontakte.

Veronika Neto hat es geschafft. Mit ihrem Mann ist sie in die USA ausgewandert - und hat sich dort als erfolgreiche Künstlerin etabliert.
von Julia Hammer Kontakt Profil

Doch die heute 35-jährige Grafikerin arbeitet hart, etabliert sich als Künstlerin in New York – und schafft das, wovon viele träumen: Sie entwirft das Plakat für den Hollywood-Film „Mother“ mit Jennifer Lawrence. Im Interview erzählt sie von Kulturschocks, der großen Karriere und ihrem persönlichen Glück.

ONETZ: 2011 bist du mit deinem Mann Angelo in die USA ausgewandert. Warum dieser große Schritt?

Veronika Neto: Wir haben damals in Fürth gelebt und ich hatte einen guten Job als Grafikdesignerin. Angelo war gerade aus der Army ausgetreten. Trotz guten Lebenslaufs - Erfahrung, vier Sprachen - bekam er nur miese Zeitarbeit-Jobs. Das hat ihn entmutigt, also hab ich ihn eines Abends gefragt, wo er sich in 5 Jahren sieht. Ich habe gesagt: Wenn das alles hier nicht funktioniert, dann lass uns nach Amerika gehen. Ich war sofort bereit, alles aufzugeben und mit ihm auszuwandern, damit er sein College machen konnte. Ich hätte damit nicht leben können, wenn er diese Chance nicht genutzt hätte. Am nächsten Tag haben wir den Umzug geplant.

ONETZ: Wie schwer fiel der Abschied

Veronika Neto: Jeder Abschied ist schwer. Vor allem, wenn man weiß, dass er nicht nur für ein paar Wochen ist. Aber wir hatten ein Ziel - Angelos Abschluss. Ich habe auf drei Kontinenten gelebt. In Asien geboren und rund 1/3 meines Lebens dort verbracht, dann 1/3 in der Oberpfalz und jetzt bin ich fast 1/3 meines Lebens in Amerika. Newark werde ich nie wirklich meine Heimat nennen können. Zu hektisch, chaotisch und zu unsicher … Es war von Anfang an klar, dass wir dort nie sesshaft werden. Vor einem Jahr sind wir nach Maryland gezogen. Es erinnert mich sogar an Kümmersbruck. Ich sehe endlich Kühe und ganz viel Grün.

ONETZ: In Newark hast du Geld verdient, dein Mann Maschinenbau studiert. Wie hast du das gemeistert?

Veronika Neto: Als mich der Staat Ney York offiziell als „freelance graphic designer“ anerkannte, ging es bei mir sofort los. Mit meinem Kundennetz aus Deutschland und Kunden aus der Schweiz und Österreich war ich sehr gut ausgelastet. Das mit der Kunst hat sich nebenbei mehr und mehr entwickelt, nachdem ich wieder angefangen habe zu “Kritzeln”.

ONETZ: Von Amberg-Sulzbach in die weite Welt. Eine große Umstellung?

Veronika Neto: Ich hatte einen Kulturschock. Aber New York fasziniert mich immer wieder. Die Wolkenkratzer, die Bewegung, die Menschen. Diese unglaublich verschiedenen Mentalitäten. Die Eindrücke inspirieren mich als Künstlerin. Wenn ich in dieser Stadt bin, denke ich mir immer: Wenn nicht in New York, dann nirgendwo. Du schaffst alles, was du dir vornimmst. Der komplette Umzug war die reinste Inspiration für meine künstlerische Arbeit. Meine neuen Kreationen waren sowohl Verwirklichung als auch Ventil für mich. Es war nicht immer leicht. Ich war – abgesehen von meinem Mann – ganz alleine. Neues Land, neuer Kontinent. Alles auf Null. Ohne jegliches Support-System hinter mir.

ONETZ: Hast du inzwischen ein soziales Umfeld aufgebaut? Auch in der Künstlerszene?

Veronika Neto: Ich wurde damals von einem Bekannten empfohlen, eine Wandmalerei in einem Hair Salon in New York zu entwerfen. Ab diesem Moment ging alles schnell. Ich habe viele Bekanntschaften geschlossen und Beziehungen zu anderen Künstlern geknüpft. Allerdings habe ich die meiste Zeit immer noch vor meinem PC verbracht – wegen meiner Arbeit.

ONETZ: Wie hast du neben deiner Arbeit eine erfolgreiche Kunstkarriere aufgebaut?

Veronika Neto: Alles was ich brauche, ist mein Mac und Designerprogramme. Für mich spielt Social Media eine große Rolle. So ein Profil ist heutzutage dein Portfolio. Die Arbeit wird gesehen und man bekommt eine ganz andere Reichweite. So ist es auch zu meinen beiden Ausstellungen in New York gekommen. Beide Art Curator haben mich über Instagram kontaktiert.

ONETZ: Wie beschreibst du deine Kunst?

Veronika Neto: Ich habe einen illustrativen Stil, bei dem ich mich nicht nur auf ein Medium beschränke. Viele meiner Arbeiten sind Mixed-Media-Artworks, angefangen von traditionell über Vector Art bis hin zum Zeichentablett. Meiner Kreativität setze ich keine Grenzen.

ONETZ: Du hast das Plakat für den Hollywood-Film Mother mit Jennifer Lawrence entworfen …

Veronika Neto: Mother – ein tolles Projekt. Über eine Talentseite habe ich bei ein paar Kunstwettbewerben mitgemacht. So ist Paramount Pictures auf mich aufmerksam geworden. Ihnen gefiel mein Stil, also durfte ich ein Plakat entwerfen. Es war eine super Erfahrung – und ein kleines Sprungbrett. Als das Projekt abgeschlossen war, kam auch schon der nächste große Job.

ONETZ: Wie hat die Geburt deines Sohnes Oscar dein Leben in den USA?

Veronika Neto: Dadurch, dass ich vor allem die erste Zeit alleine war, war es schwierig. Bei all meiner Arbeit konnte ich nicht einfach sagen: Ich bring dich schnell zu Oma, ich habe keine Zeit. Das hat mich selbstständiger und unabhängiger gemacht. Das heißt für Oscar oft, dass er überall mit hinkommt. Und für mich heißt es, dass ich oft bis in die Nacht arbeite.

ONETZ: Was macht dein Leben in den USA so glücklich?

Veronika Neto: Mein eigener Chef zu sein. In meiner Arbeit bin ich zu 100 Prozent ich selbst, lebe, was ich liebe. Und meine Familie.

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