15.06.2020 - 15:57 Uhr
AmbergOberpfalz

Verwirrung um einen "Krankenfahrstuhl"

Die Polizei stoppt eine 67-Jährige ohne Führerschein in einem Kleinauto. Das Gericht klärt nun, ob die Fahrerin aus dem Landkreis Schwandorf dafür einen Führerschein gebraucht hätte.

Wurde die Fahrerin eines "Schnauferls" straffällig? Das Landgericht muss es klären.
von Autor HWOProfil

Sie hat keinen Führerschein, braucht aber ein motorisiertes Fortbewegungsmittel. Eine 67-Jährige schafft sich ein auf 25 km/h beschränktes Kleinauto an, wird von der Polizei kontrolliert und sitzt nun vor dem Landgericht Amberg.

Man nennt das eingehauste vierrädrige Mobil einen Krankenfahrstuhl. Auch die Bezeichnung Sonderfahrzeug ist richtig. Hinten an der Karosse hängt ein Schild, auf dem deutlich gemacht wird, dass nicht schneller als 25 Stundenkilometer gefahren werden darf. Langsames Tuckern also von einem Ort zum anderen. Im nördlichen Landkreis Schwandorf wohnt eine 67-Jährige, die es weit hat bis zur nächsten Einkaufsmöglichkeit, keinen Führerschein besitzt und sich deshalb so ein "Schnauferl" anschaffte. Damit ratterte sie von Weiden herunter in Richtung Wernberg-Köblitz und fiel Nabburger Polizisten auf. Das kleine Auto war zunächst Nebensache. Denn die Beamten stellten fest: "Sie ist nicht angegurtet."

Noch eines wurde deutlich: Das Gefährt knatterte mit 37 km/h über den Asphalt. Also wesentlich schneller als zulässig. Die Polizisten kontrollierten die Seniorin, wollten einen Führerschein sehen und hörten: "Ich habe keinen". Daraus wurde eine Diskussion, die sich später vor einer Amtsrichterin in Schwandorf fortsetzte und jetzt in einer Berufungsverhandlung vor der 3. Strafkammer des Amberger Landgerichts weitergeführt wurde. Und zwar sehr intensiv.

In Schwandorf war wegen Fahrens ohne Führerschein eine Art Keule ausgepackt worden. Die 67-Jährige bekam von der Richterin 3500 Euro Geldstrafe und einen Monat Fahrverbot. Schon vor der ersten Instanz hatte sich bei Aktendurchsicht offenbart: Es gab zwei ähnliche Vorfälle aus der Vergangenheit. Damals war die Frau ohne Lizenz auf Zweirädern unterwegs.

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Vor dem Landgericht wurde nun die Begebenheit mit dem Kleinauto erneut einer Prüfung unterzogen. Dabei ließ die Angeklagte über ihren Verteidiger Tobias Konze (Weiden) in die Waagschale werfen: "Ich habe vorher einen Polizisten gefragt, ob ich ohne Schein fahren darf." Der ihr bekannte Hauptkommissar hatte das bejaht und er tat das nun auch als Zeuge. Dabei verdeutlichte sich, dass es um eine offenbar von Staatsdienern unterschiedlich beurteilte Materie ging. Sie hat im Übrigen bundesweit schon zu Prozessen geführt.

Richter Peter Hollweck führte der Frau vor Augen: "Sie hätten sich bei der Verkehrsbehörde erkundigen müssen". Dann fasste er das Ergebnis seiner Eindrücke zusammen und machte den Vorschlag, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen. Da aber mochte der Staatsanwalt nicht mitmachen. Sein Argument: "Sie hat ja bereits zwei einschlägige Vorahndungen." Allerdings hielt auch er das Schwandorfer Ersturteil für überzogen.

Das Urteil lautete: 1500 Euro Geldstrafe. "Auf ein Fahrverbot wird verzichtet", gab der Vorsitzende bekannt. Damit trat die Rentnerin ihren Heimweg an. Zuvor hatte sie von dem Richter erfahren: "Sie hätten auf jeden Fall einen Führerschein gebraucht - egal, ob mit 25 oder 37 Stundenkilometern unterwegs."

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