02.03.2021 - 12:23 Uhr
AmbergOberpfalz

Viel Geld übrig: Amberger leben gut

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Es gibt gute Gründe dafür, Amberg als Lebensmittelpunkt zu wählen. Einer davon: Die Lebenshaltungskosten sind im bundesweiten Vergleich gering, während sich die Gehälter durchaus sehen lassen können.

Finanziell können sich viele Oberpfälzer nicht beschweren. Laut einer Studie bleiben den Ambergern nach Abzug der Lebenshaltungskosten im Schnitt jährlich 16 334 Euro übrig.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Vielen war das schon immer klar: In Amberg lebt es sich – aus rein finanzieller Sicht – besser als beispielsweise in München. Selbst mit einem guten Job in der Landeshauptstadt bleibt am Monatsende oft nicht viel Geld übrig. Alleine das rein subjektive Empfinden vieler Oberpfälzer ging in diese Richtung. Das wird nun auch von einer Studie untermauert, die besagt, dass das Einkommen nach Abzug der Lebenshaltungskosten im Vergleich zu anderen Städten und Kreisen recht hoch ist. Amberg schafft es in einem Ranking sogar auf Platz fünf.

Das geht aus einer Studie der Online-Jobplattform Stepstone hervor. Um eine statistische Aussagekraft zu generieren, ist für alle 401 Landkreise und kreisfreien Städte Deutschlands das Durchschnittsgehalt errechnet und mit den regionalen Ausgaben für Miete, Nahrung, Mobilität und Freizeitaktivitäten verglichen worden. Grundlage sind 128 000 Daten von Fach- und Führungskräften. Herausgekommen ist eine Rangliste, die zeigt, wo den Menschen das meiste Geld zum Leben bleibt und umgekehrt. Die Ergebnisse sind in einem Artikel in der Tageszeitung Handelsblatt aufgearbeitet worden.

Freude beim Oberbürgermeister

Das zugrunde liegende Rechenbeispiel ist einfach. In München beträgt das durchschnittliche Nettogehalt 40 442 Euro, die Lebenshaltungskosten belaufen sich auf 37 472 Euro, was zu einem verbleibenden Einkommen von 2970 Euro führt. Im bundesweiten Durchschnitt beläuft sich das Nettogehalt auf 35 300 Euro, die Ausgaben liegen bei 24 700 Euro. Als Datenquellen wurden Immowelt und die Datenbank Numbeo herangezogen. Heißt: Im Schnitt bleibt ein Resteinkommen von 10 600 Euro übrig. Die Amberger stehen verhältnismäßig gut da. Sie haben auf das Jahr gesehen satte 16 334 Euro übrig, die sie sparen oder für Konsum ausgeben können.

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Amberg

Darüber freut sich auch Oberbürgermeister Michael Cerny: „Die Tatsache, dass wir beim Vergleich aller deutschen Städte in puncto Realeinkommen auf dem herausragenden Platz fünf gelandet sind, macht mich glücklich und natürlich auch ein wenig stolz.“ Das ausgezeichnete Abschneiden zeige, über welch hohe Lebensqualität sich die Amberger Bürger freuen können. „Ein urbanes Umfeld mit einem großen Einkaufsangebot und viel Grün vor der Haustür, beste Kultur- und Freizeitmöglichkeiten, eine gastronomische Vielfalt und zusätzlich auch noch die Chance, viel von all dem für sein Geld zu bekommen – darum werden uns sicherlich so manche Großstadtbewohnerinnen und -bewohner beneiden“, erklärt Cerny.

Prinzipiell ist das verfügbare Einkommen in den kreisfreien Städten und Landkreisen enorm unterschiedlich. So haben die Forscher herausgefunden, dass die Bürger im Landkreis München am Jahresende nur 106 Euro auf der Seite haben (Platz 392 im Ranking). Ohnehin finden sich keine großen Städte wie Hamburg, München oder Berlin auf den vorderen Plätzen. Dafür dürften die Lebensunterhaltskosten zu hoch sein.

Stattdessen thront auf Platz eins die rund 20 000 Einwohner zählende Stadt Holzminden. Satte 17 650 Euro bleiben den Niedersachsen auf das Jahr gesehen übrig. Der Grund ist offensichtlich. Mit dem MDAX-Unternehmen Symrise (unter anderem Anbieter von Duft- und Geschmacksstoffen) ist ein Unternehmen vor Ort, das gute Gehälter zahlt. Dasselbe Prinzip gilt etwa auch für Leverkusen, wo der Pharmakonzern Bayer ansässig ist (Platz 3 im Ranking) und Salzgitter, wo der gleichnamige Stahlkonzern beheimatet ist (Platz 6).

Hohe Industriedichte

Gewerbebau-Chef Karlheinz Brandelik erklärte auf Nachfrage: „Wir haben drüber diskutiert ob die Werte so stimmen. Das wagen wir zu bezweifeln, ist aber auch schwer zu überprüfen. Das Durchschnittsgehalt erscheint schon sehr hoch.“ Für die gute Platzierung Ambergs gibt es aber dennoch gute Gründe, wie Brandelik aufführt.

So liege die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (SVP) trotz einer leichten Abwärtsbewegung (Gründe dafür sind Corona und die schwächelnde Automobilindustrie im Allgemeinen) seit Ende 2019 auf Rekordniveau in Amberg. „Zu Beginn unserer Aufzeichnungen im Jahr 1991 lag der Wert bei knapp über 25 000“, so Brandelik. 2004 waren es nur gut 21 000. Seit Juni 2018 liegt der Wert kontinuierlich über 27 500. Dementsprechend niedrig ist auch die Arbeitslosenquote. Im vergangenen Jahr lag sie bei 5,4 Prozent. In Zeiten der Finanzkrise 2007 waren es sogar über 10 Prozent. „Daran ist die Dynamik unseres Standortes deutlich erkennbar“, erklärt Brandelik.

Ein weiterer ausschlaggebender Grund für das gute Stepstone-Ranking dürfte die Industriedichte in Amberg sein, also wie viele Industriebeschäftigte je 1000 Einwohner es gibt. „Hier liegt Amberg mit 231 deutlich über dem Bayernschnitt (101,4)“, sagt Gewerbebau-Chef Brandelik.

Hintergrund:

So viel Geld bleibt in den Top-Kreisen übrig

Während in einigen Orten den Menschen nach Abzug der Lebenshaltungskosten viel Geld übrig bleibt, müssen andere mit einem zumindest statistischen Minuswert auskommen.

Die Top 5:

  • Holzminden 17650 Euro
  • Vulkaneifel 16760 Euro
  • Leverkusen 16738 Euro
  • Wunsiedel 16566 Euro
  • Amberg 16334 Euro
Hintergrund:

So viel Geld bleibt in den Flop-Kreisen übrig

Während in einigen Orten den Menschen nach Abzug der Lebenshaltungskosten viel Geld übrig bleibt, müssen andere mit einem zumindest statistischen Minuswert auskommen.

Die Flop 5:

  • Dahme-Spreewald: -1650 Euro
  • Ebersberg: -556 Euro
  • Fürstenfeldbruck -248 Euro
  • Landkreis München 106 Euro
  • Miesbachswald 324 Euro
Kommentar:

Genug Anreize, um in Amberg zu bleiben

Es muss nicht unbedingt München, Hamburg oder Berlin sein. Gründe, in Amberg oder der Umgebung zu bleiben, gibt es genügend. Gerade zu Coronazeiten hat sich herauskristallisiert, wie wichtig etwa die Wohnqualität ist. Es braucht wohl keine belastbaren Zahlen, um zu sagen, dass die Menschen in der Region mehr Platz zur Verfügung haben. Die Nordoberpfalz ist auch längst nicht mehr das Armenhaus Bayerns, als das sie lange galt – mittlerweile eher Boomregion. Wer also Karriere machen will, kann das auch in Amberg tun.

Ohnehin die vielen Industrieunternehmen. Sie sorgen laut der Stepstone-Studie für ein sattes Einkommen, so dass die Amberger den Untersuchungen nach finanziell gut dastehen. Warum also in die Großstadt ziehen? München, Hamburg und Berlin sind sicher immer eine Reise Wert. Sollte das Pandemiegeschehen in den kommenden Wochen und Monaten in den Griff bekommen werden, lohnen sich Fahrten in diese Städte sicher – leisten können es sich viele Amberger laut Studie in jedem Fall.

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