26.03.2020 - 17:14 Uhr
AmbergOberpfalz

In vier Landkreis-Kommunen am Sonntag Bürgermeister-Stichwahl

Zwei müssen in die Verlängerung. Sechs wollen erstmals auf den Bürgermeisterstuhl. Am Sonntag, 29. März, ist Stichwahl in vier der 27 Kreisgemeinden: Ammerthal, Freihung, Hirschbach, Schnaittenbach.

Am Sonntag beinde Stichwahlen gibts nur Briefwahl. Teilweise haben mehr als 70 Prozent schon ihre Stimmzettel eingereicht.
von Erich Lobenhofer Kontakt Profil

Corona macht's möglich: Wegen des tückischen Virus' ist das Rennen um die vier offenen Bürgermeistersessel im Landkreis kein Urnengang im klassischen Sinn, denn es ist ausschließlich Briefwahl - ein Novum in der bayerischen Geschichte. Die betroffenen Gemeinde-, Markt- und Stadtverwaltungen hatten deshalb gleich nach der Kommunalwahl am 15. März alle Hände voll zu tun, um die Unterlagen für die nun noch 8181 Wahlberechtigten in den vier Kommunen zu versenden.

Gewisse Brisanz

Setzt sich der Trend fort, der sich in der ersten Wochenhälfte zumindest in zwei der vier Gemeinden abzeichnete, dann ist mit einer hohen Beteiligung zu rechnen. Eine gewisse Brisanz ist vor Ort überall gegeben, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Insofern ist für Sonntag Spannung angesagt.

Je nach Zahl der eingeteilten Wahlhelfer werden die Ergebnisse zwischen 19 und 20 Uhr erwartet. Interessante Corona-Begleiterscheinung: Da sowohl die Auszählung als auch die Verkündung des Wahlausgang öffentlich zu geschehen hat, wird die Zugang eingeengt sein.

In den beiden kleineren Kommunen sind es die zwei Amtsinhaber, die erneut das Zepter in der Hand halten wollen. So tritt in Hirschbach Hans Durst an, um die vierte Legislaturperiode als Bürgermeister anzupacken. Ein Spaziergang dürfte das für den Sozialdemokraten nicht werden. Schließlich erreichte er das Finale relativ knapp mit 48 Stimmen Vorsprung vor dem dritten Mitbewerber Richard Leißner (FBL/FWG). Durst vereinigte bei einer Wahlbeteiligung von 73,49 Prozent 32,50 Prozent auf sich. Auf Herausforderer Hermann Mertel (UG 4.0) entfielen 41,63 Prozent.

Dieser war einer der Mitinitiatoren für das Bürgerbegehren gegen einen interkommunalen Kindergarten mit Königstein. Durst hingegen hatte sich für die gemeinsame Vorgehensweise ausgesprochen. Dies war dem 60-Jährigen am 15. März in seinem Herkunftsort Eschenfelden wohl verübelt worden. Denn dort schnitt er deutlich schlechter ab als in den beiden anderen Altgemeindeteilen Achtel und Hirschbach. Und in Eschenfelden steht aktuell der Kindergarten.

In der Gemeinde Hirschbach blieb die Zahl der Wahlberechtigten gegenüber dem ersten Durchgang unverändert bei 992. Von denen hatten nach Einschätzung aus der Verwaltungsgemeinschaft bis Dienstag über 200 abgestimmt. Acht Wahlhelfer werden den einzigen Briefwahlbezirk auszählen.

Ganz anders gestalten sich die Voraussetzungen in Ammerthal. Amtsinhaberin Alexandra Sitter (UWG/BFA) steht dort seit 2008 als eine von wenigen Frauen an der Spitze einer Gemeinde. Sie sah sich, in den vergangenen sechs Jahren ausgestattet mit einer Rathausmehrheit, anhaltenden Attacken aus der Opposition ausgesetzt. Am 15. März musste sie mit 16 Stimmen Rückstand ihren Herausforderer Anton Peter (CSU) ziehen lassen und kam so in die Stichwahl, während Stefan Anderle (BZA) die Segel streichen musste. Auf Sitter waren in Runde eins bei einer Beteiligung von 80,33 Prozent 42,89 Prozent der Stimmen entfallen, auf Peter 44,07.

Genügend Abstand

Von den nach wie vor 1688 Wahlberechtigten hatte am Dienstag mit 820 knapp die Hälfte ihr Votum abgegeben. Wenn am Sonntag um 18 Uhr das einzige Briefwahllokal im Rathaus schließt, werden neun Wahlhelfer auszählen. "Für den zu wahrenden Corona-Abstand wird dabei Sorge getragen", so Gemeindewahlleiter Andreas Wittmann.

Völlig neu gemischt werden die Karten in der Marktgemeinde Freihung nach dem gesundheitlich bedingten Ausscheiden von Bürgermeister Norbert Bücherl (FW). Drei Bewerber waren's ursprünglich, aber Johannes Ott (SPD) blieb vor knapp zwei Wochen mit 7,85 Prozent auf der Strecke. Die zur Stichwahl verbliebenen Uwe König (FW, 46,31 Prozent) und Klaus Siegert (CSU, 45,84 Prozent) lagen bei einer Beteiligung von 75,50 Prozent gerade sieben Stimmen auseinander.

Da zeichnet sich ein sehr enges Kopf-an-Kopf-Rennen ab, zumal Wahlleiter Maximilian Heindl bereits am Dienstag davon sprach, dass schon 70 Prozent der nun 2011 Berechtigten (bedingt durch Todesfall und Wegzug minus sechs gegenüber 15. März) schon gewählt hatte. "Wir hören hier herinnen das ständige Klappern des Briefkastens und leeren stündlich aus", schmunzelte er. Heindl bietet für Sonntag 26 Wahlhelfer im Gemeindezentrum auf: "Die sitzen alle weit auseinander." Öffentlich gemacht werde das Resultat im Rathaus.

Als größte der vier beteiligten Kommunen steht die Stadt Schnaittenbach vor der Stichwahl. 3490 Berechtigte (minus zwei) können dort abstimmen, bis Dienstag haben das über 400 erledigt, ließ Wahlleiter Dietmar Krisch wissen. Hier stehen sich um die Nachfolge von Sepp Reindl (CSU) Marcus Eichenmüller (CSU) und Uwe Bergmann (SPD) gegenüber. Sie hatten am 15. März beim einer Beteiligung von 72,25 Prozent Manfred Schlosser (FW/FWG, 24,03 Prozent) hinter sich gelassen. Mit 40,65 Prozent lag Eichenmüller relativ deutlich vor Bergmann (35,31 Prozent). Ob sich das am Sonntag drehen lässt wird sich zeigen - nach einer Pro-Bergmann-Empfehlung der FW in den zurückliegenden Tagen. Wahlleiter Krisch hat für vier ausgewiesene Briefwahlbezirke je sechs Helfer eingeteilt.

Der erste Durchgang der Kommunalwahl 2020

Amberg

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