15.11.2020 - 09:22 Uhr
AmbergOberpfalz

Volkstrauertag in Amberg: Gedenken in aller Stille

Das Coronavirus fordert auch beim Volkstrauertag seinen Tribut: In aller Stille hat Oberbürgermeister Michael Cerny am Samstagabend am Kriegerdenkmal vor dem Rathaus einen Kranz niedergelegt.

Kranzniederlegung zum Volkstrauertag am Kriegerdenkmal vor dem Amberger Rathaus mit Oberbürgermeister Michael Cerny (rechts) und Stabsbootsmann Enrico Ritz, Standortfeldwebel Kümmersbruck.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Normalerweise folgen der Kranzniederlegung auf dem Marktplatz in Amberg zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens. An diesem Samstagabend in Coronazeiten, stand Oberbürgermeister Michael Cerny fast alleine vor den steinernen Tafeln, die die Namen der Gefallenen tragen. Nur Vertreter der Polizei und der Bundeswehr begleiteten ihn bei dem Gedenkakt. Nachdem sich Cerny und Stabsbootsmann Enrico Ritz (Standortfeldwebel der Schweppermannkaserne) vor den Opfern von Gewalt und Terror verneigt hatten, gingen sie in die Basilika St. Martin, um mit der Stadtpfarrei Gottesdienst zu feiern.

"Seien wir dankbar - aber nicht vergesslich"

"Natürlich ist mir bewusst, dass nicht alle Bürger die Bedeutung des Volkstrauertages 75 Jahre nach Kriegsende noch sehr hoch einschätzen – vielleicht auch nicht kennen", sagte der Oberbürgermeister am Ende der Messe. "Hätte man ihn also nicht einfach ausfallen lassen können – ist er wirklich wichtig? Ist die Trauerarbeit für die gefallenen Soldaten der beiden Weltkriege nicht irgendwann beendet?", fragte er. "Ehrlich gesagt: Ich würde mich freuen, wenn der Blick in unsere Gesellschaft und in die Welt zeigen würde, dass unser Ideal eines Lebens ohne Krieg und Terror und unser Ziel des Miteinanders in Frieden und Gerechtigkeit stabile Realität geworden wären – leider zeigt uns der Blick in die Nachrichten immer wieder, dass dies nicht so ist."

Cerny erinnerte daran, dass es am Volkstrauertag auch um die zivilen Opfer des Krieges geht: Die Familien zum Beispiel, die in banger Sorge auf Post warteten, die die Mitteilung vom Tod des Vaters oder Bruders überbrachten. "Diese Erinnerung ist lange her, aber es gibt noch viele Mitbürger, die sich daran gut erinnern können." Dieser Blickwinkel sei den nachfolgenden Generationen erspart geblieben. "Seien wir dankbar dafür – aber nicht vergesslich", sagte der OB.

Sie waren geboren, um zu leben

Der Volkstrauertag rufe dazu auf, gegen die Spaltung in der Gesellschaft und eine Spaltung in Europa zu arbeiten. "Das Miteinander in Europa ist die Basis für Frieden und unseren heutigen Wohlstand. Daher sind wir aufgefordert uns auch gegen spaltende Tendenzen in Europa und auch in unserer Gesellschaft zu wenden." Und dann zitierte der Rathauschef aus dem Text eines Liedes der Pop-Gruppe "Unheilig", des Songs „Geboren, um zu leben“, das vom viel zu frühen Tod eines guten Freundes handelt. Darin heißt es: „Wir waren geboren um zu leben mit den Wundern jeder Zeit“ und letztlich „Bei dem jeder von uns spürte, wie wertvoll das Leben ist“.

Der Volkstrauertag sei ein Auftrag, nie zu vergessen, wie wertvoll das Leben ist. "Und dass wir immer dafür eintreten müssen, dass Menschen nicht durch Krieg, Terror und Gewalt ihr Leben verlieren. Wie das Lied es treffend ausdrückt: Sie waren geboren, um zu leben. Niemand von uns wird geboren, um sein Leben durch sinnlose Gewalt zu verlieren. Ganz egal ob im Krieg, im Auslandseinsatz der Bundeswehr oder durch Terror, wie wir ihn in den letzten Wochen erlebt haben."

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