25.10.2019 - 11:34 Uhr
AmbergOberpfalz

Mit Volldampf zum Amberger Eisenbahnmuseum

Mit einem Röcheln springt die Gmeinder 5371 an und bläst eine Dieselwolke in den Lokschuppen. Zufrieden klettert Tobias Schuminetz vom Führerstand und geht zum Schwerkleinwagen Klv 53, der bis 2018 im Regensburger Hafen im Einsatz war.

Seit die Gleise zwischen Lokschuppen und Drehscheibe eingebaut sind, können die Lokomotiven tatsächlich wieder auf die Stellplätze verteilt werden.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Als der jetzige Vorsitzende des Vereins Amberger Kaolinbahn, Matthias Gruschwitz, im Juli 2018 davon erzählte, dass sein Verein die Absicht habe, den alten Lokschuppen am Galgenbergweg zu sanieren, schien die Realisierung ganz weit weg. Zwar hatten zwei Studenten der OTH im Rahmen einer Seminararbeit die große Drehscheibe wieder gangbar gemacht. Doch der Lokschuppen selbst präsentierte sich damals in einem erbarmungswürdigen Zustand. Durch das Dach regnete es rein, morsche Balken und marode Wände hätten jeden privaten Bauherrn abgeschreckt.

Fleißig Spenden gesammelt

Doch Matthias Gruschwitz machte schon damals nicht den Eindruck, er könnte das nicht ernst meinen. Er redete von Crowdfunding, von Spendenaktionen und ganz viel Enthusiasmus bei den rund 35 Mitgliedern des Eisenbahnvereins. Für jeden Euro, den die Amberger Kaolinbahn als Spende einwerben würde, verpflichtete sich die Stadt Amberg darüber hinaus, vier Euro als Zuschuss zu gewähren. Wenigstens musste man weder Grundstück noch Gebäude kaufen. Beides überließ Familie Peter Stadler, die das Gelände samt Lokschuppen und Drehscheibe 2014 von der Bahn erworben hat, zunächst einmal für 25 Jahre auf Pachtbasis dem Verein.

Im "normalen" Leben ist Tobias Schuminetz Verwaltungsfachangestellter bei der Gemeinde Königstein - und dort auch Standesbeamter. Doch privat lebt er für die alten Lokomotiven, die Waggons und historischen Anlagen. Er hegt und pflegt die Hinterlassenschaften der Oberpfälzer Industriebahnen, die im Lokschuppen und draußen auf dem Gelände stehen. Und seit der Verein Regensburger Straßen-, Walhalla- und Eisenbahnfreunde (RSWE) sein Domizil im Regensburger Hafen aufgeben musste, ist auch dessen Bestand zum Teil nach Amberg umgezogen.

Tobias Schuminetz ist seine Freude anzusehen, als er die alte Drehscheibe aufschließt, um sie einmal um die eigene Achse rotieren zu lassen. Prompt fliegt beim ersten Versuch die Sicherung. Kein Problem für den routinierten Eisenbahner. Beim zweiten Mal klappt es und schon setzt sich das eiserne Monstrum in Bewegung - erstaunlich leise von außen, höllisch laut im engen Steuerraum. Ein feuerrotes Schwungrad dreht sich hier geräuschvoll, alles dröhnt und kracht. "Aufpassen, dass die Jacke nicht rein kommt", sagt Tobias Schuminetz. Das kann ganz schön gefährlich werden.

Der Verein, dessen 2. Vorsitzender er ist, hat es tatsächlich geschafft. Der alte Lokschuppen, der vor einem Jahr noch am Rande der Baufälligkeit stand, ist tatsächlich zu einem großen Teil saniert. Helle Holzbalken bilden jetzt den farblichen Gegensatz zu den alten, die noch vom Ruß der Dampflokomotiven geschwärzt worden sind. Viele von ihnen mussten ausgetauscht werden. Schließlich hatte es schon Jahrzehnte vom Dach hineingeregnet. Und auch das ist neu: Eine Photovoltaikanlage glänzt in der Sonne. "Die soll uns wenigstens einen Teil der Kosten decken helfen", sagt Schuminetz.

Die Scheibe dreht sich

Die neueste Errungenschaft sind die Gleise, die jetzt - wieder - vom Lokschuppen zur Drehscheibe führen. Vor vielen Jahren waren sie von der Bahn AG entfernt worden, seit ein paar Tagen sind sie zurück. Sie stammen, wie die Schwellen auch - aus Beständen der Netz AG. Das Problem war es nach den Worten von Tobias Schuminetz, sie von Weiden nach Amberg zu transportieren. "Alles, was mit der Bahn zu tun hat, ist groß und schwer", sagt er und denkt schon an den Schotter, der hier noch fehlt. Da stehen den Vereinsmitgliedern noch ein paar kräftezehrende Arbeitseinsätze bevor.

Amberg

Wieder Gleise eingebaut

Obwohl die Amberger Kaolinbahner gemeinsam mit ihren Regensburger Eisenbahnfreunden jede Menge an Eigenleistung einbringen, hat die Sanierung laut Tobias Schuminetz bisher rund 300 000 Euro verschlungen. Ein Ende ist nicht abzusehen. Daher benötigt der Verein (www.amberger-kaolinbahn.de) noch dringend Spenden. Denn schließlich soll der alte Amberger Lokschuppen irgendwann einmal ein richtiges Eisenbahnmuseum werden. Aber auch das werden sie wohl schaffen.

Eisenbahner brauchen Spenden:

Ziel des Vereins Amberger Kaolinbahn ist es, ein richtiges Eisenbahnmuseum in Amberg auf die Beine zu stellen. Das kostet sehr viel Geld. "Wir können jeden Euro brauchen", bittet Vorsitzender Matthias Gruschwitz um Spenden. Die können unter folgender Kontonummer gemacht werden: Volks- und Raiffeisenbank Amberg: BIC: GENODEF1AMV, Iban: DE67 7529 0000 0000 1082 00.

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